Job-Anzeige: Google stellt auch Vorbestrafte ein
Aktualisiert

Job-AnzeigeGoogle stellt auch Vorbestrafte ein

Der Internetkonzern wirbt in Job-Inseraten mit einer toleranten Unternehmenskultur. So sollen auch ehemalige Kriminelle einen Job erhalten können.

von
Dominic Benz
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Der Internetkonzern Google setzt sich für Toleranz in seinem Universum ein.

Der Internetkonzern Google setzt sich für Toleranz in seinem Universum ein.

Rolf Vennenbernd
Bei einer Anstellung sollen Hautfarbe, Religion, sexuelle Ausrichtung oder Geschlecht keine Unterschiede machen. Im Bild: Google-CEO Sundar Pichai.

Bei einer Anstellung sollen Hautfarbe, Religion, sexuelle Ausrichtung oder Geschlecht keine Unterschiede machen. Im Bild: Google-CEO Sundar Pichai.

AP/Eric Risberg
Pikant: Bei Job-Inseraten schreibt Google im Kleingedruckten, dass auch Bewerber mit einer kriminellen Vergangenheit berücksichtigt würden.

Pikant: Bei Job-Inseraten schreibt Google im Kleingedruckten, dass auch Bewerber mit einer kriminellen Vergangenheit berücksichtigt würden.

Keystone/Walter Bieri

Google gibt sich gern politisch korrekt. Bei Job-Inseraten schreibt der US-Internetkonzern jeweils im Kleingedruckten, dass man bei Bewerbern keine Unterschiede bei Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Ausrichtung oder Religion macht. Pikant: Auch «qualifizierte Bewerber ungeachtet ihrer kriminellen Geschichte» sollen berücksichtigt werden.

Damit bricht Google mit einem Tabu. Doch stellt das US-Unternehmen tatsächlich auch vorbestrafte Menschen ein oder ist das bloss eine formeller Akt der «politischen Korrektheit»?

Nicht proaktiv nach Kriminellen suchen

Auf Anfrage von 20 Minuten gibt sich Google verschwiegen und verweist auf das Kleingedruckte. Damit sei alles gesagt. Auch die Frage, ob Google etwa Hacker mit Spezial-Wissen anlocken möchte, bleibt unbeantwortet. Der Konzern betont aber, dass nicht proaktiv nach Leuten mit kriminellem Hintergrund gesucht werde.

Für den HR-Experten Jörg Buckmann ist der Umgang von Google mit Kriminellen sehr ungewöhnlich. «Das habe ich bisher noch nie gesehen», sagt er zu 20 Minuten. Er verweist allerdings auf die aussergewöhnliche Werbekampagne des Schweizer Vegi-Pioniers Rolf Hiltl, der für sein Restaurant an der Zürcher Langstrasse Milieu-Gestalten «mit vielen Lücken im Lebenslauf» suchte.

Ich finde das grossartig und sehr mutig

Von Googles Vorgehen ist Buckmann dennoch begeistert. «Ich finde das grossartig und sehr mutig.» Für ihn ist klar: Dahinter stecke der Anspruch, die richtigen Leute mit den richtigen Kompetenzen zu finden. «Egal, ob jemand mal einen ‹Seich› gemacht hat», sagt Buckmann. Damit werde der Fokus auf das für einen Job Wesentliche gelegt.

Für ihn setzt Google damit neue Massstäbe. «Das Unternehmen hat im HR-Bereich immer wieder die Nase vorn», so Buckmann. Gerade mit vorbestraften Bewerbern würden sich viele Firmen schwertun. «Generell haben Unternehmen Mühe damit, einem Vorbestraften eine Chance zu geben.» So suchten die meisten Firmen mit einem 0815-Vorgehen den perfekten Mitarbeiter. «Da sind schon Lücken im Lebenslauf ein Problem.»

Security-Check bei Swisscom

Doch wie gehen Schweizer Unternehmen mit vorbestraften Bewerbern um? Bei der Swisscom wird im fortgeschrittenen Bewerbungsprozess vor jeder Vertragsausstellung nach einer allfälligen Vorbestrafung gefragt. «Im Anschluss daran wird beurteilt, ob eine Anstellung im entsprechenden Bereich erfolgen kann», sagt Sprecherin Sabrina Hubacher. Zudem gebe es bestimmte Stellen, für die ein Strafregisterauszug zwingend sei.

Auch bei der UBS entscheidet man im Einzelfall. Im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens prüft die Bank jeweils den Strafregisterauszug.

Netcetera würde «rehabilitierte» Person anstellen

Ähnlich klingt es auch beim Software-Konzern Netcetera. Passe ein vorbestrafter Bewerber vom Typ und den Kompetenzen her perfekt zum Unternehmen, würde man eine «rehabilitierte» Person anstellen, teilt Netcetera mit. «Wir müssten sie dann aber eher für interne oder nicht sicherheitskritische Projekte einsetzen.»

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