Mehr Privatsphäre: Google stoppt die Verfolgung im Internet – zum Teil
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Mehr PrivatsphäreGoogle stoppt die Verfolgung im Internet – zum Teil

Der Tech-Gigant hat bekannt gegeben, dass Cookies von Drittanbietern künftig nicht mehr erlaubt sein werden. So sollen Individuen im Internet nicht mehr auf Schritt und Tritt verfolgt werden. Das stimmt aber nur teilweise.

von
Dominique Zeier
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Google hat eine grundlegende Änderung angekündigt, was das Tracking der Nutzerinnen und Nutzer im Internet angeht. 

Google hat eine grundlegende Änderung angekündigt, was das Tracking der Nutzerinnen und Nutzer im Internet angeht.

Unslpash
So sollen künftig Cookies von Drittanbietern nicht mehr erlaubt sein. 

So sollen künftig Cookies von Drittanbietern nicht mehr erlaubt sein.

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Damit kann keine gezielte Werbung mehr angezeigt werden. 

Damit kann keine gezielte Werbung mehr angezeigt werden.

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Darum gehts

  • Google hat das Ende von Cookies von Drittanbietern angekündigt.

  • Künftig soll es nicht mehr möglich sein, Nutzerinnen und Nutzer auf diese Art und Weise zu verfolgen.

  • Es können also auch keine personalisierten Werbungen mehr angezeigt werden.

  • Dafür setzt Google künftig auf aggregierte und anonymisierte Daten, um Werbung von Drittanbietern zu spielen.

  • Ihre eigenen Dienste sind von dieser neuen Regelung nicht betroffen.

Der Internet-Gigant Google hat am Mittwoch angekündigt, dass der Konzern künftig davon absehen wird, Werbung zu verkaufen, die auf dem Tracking von individuellen Userinnen und Usern auf verschiedensten Websites basiert. Dies ist ein grosser Schritt für ein Unternehmen, das es ermöglicht hat, seine Nutzerinnen und Nutzer über Jahre hinweg mittels Cookies auf Schritt und Tritt verfolgen zu lassen.

«Die Leute sollten aber nicht einfach akzeptieren müssen, dass sie überall im Netz ausspioniert werden, um für sie potenziell interessante Werbeanzeigen zu erhalten», schreibt David Temkin, der Direktor für Product Management bei Google in einem Blogpost. Tatsächlich würden Studien zeigen, dass sich 72 Prozent aller Internet-Nutzerinnen und Nutzer im Netz ständig verfolgt fühlen und 81 Prozent geben sogar an, dass die Risiken dieser Verfolgung grösser seien als die möglichen Vorteile, die sie persönlich daraus ziehen.

Keine Cookie-Alternative

Der Schritt, den Google nun unternimmt, kommt nicht gänzlich überraschend. Bereits im letzten Jahr hat der Internet-Konzern verkündet, dass Cookies von Drittanbietern in ihrem Browser Chrome spätestens bis ins Jahr 2022 gänzlich gesperrt werden sollen – wie dies bei anderen Browsern wie Firefox oder Safari bereits seit Jahren der Fall ist. Nun geht Google aber noch einen Schritt weiter und verspricht, keine Alternative zu entwickeln, die die Cookies von Drittanbietern ersetzen könnte.

«Sobald alle Cookies von Drittanbietern verschwunden sind, werden wir keine anderen Identifikatoren zur Verfügung stellen, die Individuen verfolgen können, während sie im Internet surfen», verspricht Temkin. Um aber weiterhin Werbung verkaufen zu können, wird Google vermehrt auf aggregierte und anonymisierte Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer setzen.

Was sind Cookies?

Als Cookie werden Informationen bezeichnet, die auf dem Gerät eines Users oder einer Userin beim Besuch einer Website abgespeichert werden. Wird diese Website zu einem späteren Zeitpunkt erneut besucht, erkennt die Seite aufgrund der abgespeicherten Cookies den Nutzer oder die Nutzerin wieder. Diese Cookies können zum Beispiel für das Abspeichern eines Logins oder eines Warenkorbs bei einem Online-Händler, aber auch für das gezielte ausspielen von Werbung benutzt werden.

Gruppen-Tracking

So sollen Cookies künftig durch eine neue Technologie Namens «Federated Learning of Cohorts» oder kurz FLoC ersetzt werden. Hierbei werden Internet-Userinnen und User aufgrund ihrer Interessen in grössere Gruppen zusammengefasst und können aufgrund dieser Gruppen mit Werbung bespielt werden. Das Tracking erfolgt so also nicht mehr auf der Basis des Individuums sondern auf der ganzen Gruppe. Laut Google sollen Werber mittels FLoCs einen ähnlich grossen Kapitalertrag erzielen können wie zuvor mit Cookies und FLoCs werden bereits mit ersten Partnern zusammen ausgetestet.

Google hat sich zu diesem Schritt entschieden, da der Druck von Regulatoren was die Privatsphäre der Nutzerinnen und Nutzer im Netz angeht in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Der Entscheid wird von verschiedenen Konsumentengruppen wie beispielsweise Public Knowledge begrüsst. Dessen Direktor, Greg Guice, sagt gegenüber Vice.com: «Wir schätzen es, dass Google sich öffentlich dazu verpflichtet hat, Tracking im Internet ein Ende zu setzen.»

Kein Tracking-Stop

Übersehen werden darf aber nicht, dass sich die neue Regelung ausschliesslich auf Websites von Drittanbietern bezieht. Die Google-eigenen Produkte wie Gmail, Youtube oder oder die Google-Suche dürfen weiterhin Informationen über ihre Nutzerinnen und Nutzer sammeln. Ausserdem wird der Schritt vorerst nur auf Websites, nicht aber auf Smartphones durchgeführt. Dies bedeutet also, dass Google selbst mit keinen grossen Einbussen durch diese neue Regelung zu rechnen hat. Anders sieht dies für Werbe-Unternehmen aus, die bis anhin auf Cookies angewiesen waren, um ihre Werbung zu verbreiten.

Google steht mit seiner Entscheidung nicht alleine dar. Schon im letzten Jahr hatte Apple bekannt gegeben, dass auch sie das Werbe-Tracking radikal umkrempeln und transparenter machen wollen. Mit der Funktion App-Tracking-Transparenz müssen die Entwickler von Apps künftig die Erlaubnis der Nutzerinnen und Nutzer einholen, bevor sie Daten über Apps oder Sites anderer Firmen hinweg verfolgen. User können dann in den Einstellungen sehen, welche Apps eine Erlaubnis zum Tracking haben und ihnen diese auch wieder entziehen. Es gibt auch die Option, das Tracking vollständig zu unterbinden.

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

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