Aktualisiert 07.12.2010 10:49

Schnäppchen-Seite

Googles grösster Deal ist geplatzt

Google wollte sich die Schnäppchenseite Groupon einverleiben. Doch die Übernahme ist gescheitert – trotz einer Milliarden-Offerte.

von
ahi

Herbe Enttäuschung für Google: Das Unternehmen ist bei der Schnäppchen-Seite www.groupon.ch mit seinem Kaufangebot abgeblitzt. Das «Wall Street Journal» und die «New York Times» berichteten übereinstimmend, dass die Gespräche ohne Ergebnis abgebrochen wurden.

Zuvor bot Google für Groupon umgerechnet 5,2 Milliarden Franken. Dazu hätten bis zu 700 Millionen Dollar kommen können – je nachdem wie sich die Geschäfte von Groupon als Google-Tochter weiterentwickelt hätten.

Von null auf 35 Millionen in zwei Jahren

Diese Offerte war den Groupon-Besitzern aber offenbar zu tief. Das Unternehmen wurde Ende 2008 gegründet und ist seitdem rasant gewachsen. Mittlerweile ist die Zahl der Mitglieder auf rund 35 Millionen angestiegen. Der diesjährige Erlös wird auf bis zu einer Milliarde Franken geschätzt.

Flugstunden zu Schnäppchen-Preisen

Die Idee hinter Groupon ist einfach wie erfolgreich: Das Unternehmen platziert auf all seinen nach Regionen aufgeteilten Internetseiten täglich ein neues Angebot. Wenn sich eine Mindestanzahl von Käufern findet – etwa für einen Bungee-Sprung oder für einen Aufenthalt im Wellness-Hotel – gibt es einen attraktiven Vorteilspreis. Wird die magische Grenze, beispielsweise fünf Teilnehmer, nicht erreicht, gehen alle leer aus.

Groupon zweigt in der Regel um die Hälfte des Gutscheinpreises für sich ab, heisst es. Und das scheint lukrativ zu sein: Das Unternehmen war schon wenige Monate nach dessen Gründung gewinnbringend.

Fokus auf junge Frauen

Groupon bietet übrigens nicht beliebige Aktivitäten auf seinen Websites an: Nicht möglich sind Deals, die Schusswaffen, Abtreibungen, Schönheits-Operationen oder Striplokale beinhalten. Die meisten Angebote auf Groupon sprechen junge und gebildete Frauen an; die Deals konzentrieren sich oft auf Gesundheit, Fitness und Schönheit.

Das Konzept von Groupon ist schnell kopiert. Daher gibt es mittlerweile rund 500 sehr ähnliche Internet-Seiten rund um den Globus, in der Schweiz ist beispielsweise deindeal.ch aktiv. Groupon hat aber mit Abstand die meisten Mitglieder – und kann daher unter dem Strich besonders interessante Angebote machen.

Google will regionaler werden

Google ist an Groupon interessiert, weil der Suchmaschinen-Anbieter sein Geschäft mit lokalen Angeboten ausbauen will. Bis anhin verdient Google den grössten Teil seines Geldes mit Kleinanzeigen, die im Umfeld der Internet-Suche erscheinen.

Google ist nicht das erste Unternehmen, welches Groupon schlucken wollte. Im Oktober dieses Jahres ging das Gerücht um, Yahoo! hätte eine Übernahmesumme von drei Milliarden Dollar geboten.

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