Gorbatschow: «Dies ist ein politischer Mord»
Aktualisiert

Gorbatschow: «Dies ist ein politischer Mord»

Der ehemalige Staatschef Michael Gorbatschow sieht in der Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja einen Racheakt.

Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow hat den Mord an der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja scharf verurteilt. «Dies ist ein echter politischer Mord. Ein Racheakt», sagte Gorbatschow der italienischen Zeitung «La Repubblica». Der 75-Jährige bezeichnete den Mord als «schweren Schlag für die Pressefreiheit und für all diejenigen, die sich für die Demokratie in unserem Land einsetzen».

Gorbatschow ist Miteigentümer der Zeitung «Nowaja Gaseta» - einem der wenigen unabhängigen Blätter in Russland -, für die Politkowskaja gearbeitet hat, und war ein Freund der Reporterin.

«Es ist klar, dass man sie zum Schweigen bringen wollte. Und das haben sie getan.» Gorbatschow erinnerte daran, dass Politkowskaja insbesondere zu den Themen Tschetschenien und Korruption Nachforschungen angestellt habe. «Und in diesen Gebieten muss nach den Tätern gesucht werden», erklärte der ehemalige Staatschef.

Wegen der öffentlichen Resonanz um die Ermordung der Journalistin zog Generalstaatsanwalt Juri Tschaika die Ermittlungen an sich. Wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete, verfolgten die Ermittler unter anderem eine «tschetschenische Spur».

Auch ein Racheakt des russischen Sicherheitsapparates werde nicht ausgeschlossen.

Zeitung setzt eine Million Dollar auf die Mörder aus

Die russische Zeitung «Nowaja Gaseta» hat umgerechnet 930 000 Dollar (rund 1,26 Mio. Franken) für Hinweise auf den oder die Mörder der Journalistin Anna Politkowskaja ausgesetzt.

«So lange es 'Nowaja Gaseta' gibt, werden ihre Killer nicht ruhig schlafen», versprach die Zeitung in ihrer Montagausgabe. Das zwei Mal in der Woche erscheinende Blatt leitete eigene Ermittlungen zu dem Mord ein. Im Auftrag der 'Nowaja Gaseta' hatte Politkowskaja zuletzt an einer Geschichte über Folter in Tschetschenien gearbeitet.

Politkowskaja war am Samstag in ihrem Haus in der Moskauer Innenstadt erschossen worden. Mit ihrer regierungskritischen und mutigen Berichterstattung vor allem über den Tschetschenienkrieg hatte sich die Journalistin weltweit einen Namen gemacht. Die russische Regierung meldete sich nach ihrem Tod bislang nicht zu Wort. (sda)

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