Dahmspiegelung: Gottes «Poopoo» und Ugandas Beitrag

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DahmspiegelungGottes «Poopoo» und Ugandas Beitrag

Homophobe afrikanische Aufklärungsfilme sind zum Schei..., pardon, Schiessen. Da hilft auch gutgemeinte, deutsch-katholische Homöopathie nicht, weiss Internet-Internist Philipp Dahm.

Uganda ist für Homosexuelle ein heisses Pflaster – das ist keineswegs schlüpfrig gemeint. Bis Mai 2011 debattierte Uganda darüber, ob gleichgeschlechtliche Liebe unter Todesstrafe zu stellen sei: Erst auf Druck der internationalen Staatengemeinschaft liess das ostafrikanische Land von seinem Vorhaben ab. Eine Verschärfung des bereits äusserst strengen «Antihomosexualitätsgesetzes» steht dennoch im Raum: Bisher drohen Schwulen und Lesben laut deutscher Fachzeitschrift «Queer» selbst bei einvernehmlichen Geschlechtsverkehr 14 Jahre Haft. Wer das Treiben deckt oder Betroffenen eine Wohnung vermietet, sitzt bis zu drei Jahren.

«Und dann essen sie das Poopooo!»

Dass Homophobie weit verbreitet ist, zeigen Umfragen des Pew Research Center: 2007 hielten 96 Prozent der Ugander diese Sexualität für unmoralisch, zwei Jahre später waren es immerhin «nur» noch 79 Prozent.

Oder das obenstehende Video, das aus der Zeit des «Wahlkampfs» der «Task-Force gegen Homosexualität in Uganda» für die Todesstrafe stammt: Ihr Vorsitzender Pastor Martin Ssempa eröffnet im Mai 2010 seiner Zuhörerschaft, dass die erhofften Gesetzesänderungen «Homosexualität und Sodomie» in einem Atemzug verbieten werden. Dann klärt er das Publikum über seine «kleine Recherche» in schwulen Schlafzimmern auf.

Der Pastor ist dabei, man schnalze mit der Zunge, auf den Geschmack des «Anolickin» gekommen. «Der Arsch des Mannes wird geleckt. Etwa so. Von der anderen Person.» Der Beisitzer raunt dem Vortragenden etwas zu. Der ergänzt schnell: «Wie Glacé. Und was dann passiert», sagt der Mann gestikulierend, «das Poopoo kommt raus. Und dann essen sie das Poopooo.» Nun raunt das Publikum, der Experte ist in seinem Element. «Sie haben diese Sexpraxis, die sie Fisting nennen. Bei der sie ihre Hand in die Hand des anderen Mannes stecken … in den Anus. Den ganzen Weg. Es tut so weh, dass sie Drogen nehmen müssen, aber sie geniessen es.»

Unsere kleine Sexfibel

Wäre der homophobe Hintergrund nicht blutig ernst, der Clip wäre Comedy der gehobenen Klasse – was für die bisherigen 5,5 Millionen Klicks bei YouTube mitverantwortlich sein dürfte. Dabei ist «Anolickin» so alt wie die Demokratie: Anilingus, die mündliche Stimulierung des Afters, kannten schon die Griechen. Tatsächlich ist diese tiefschürfende Sexualpraxis aber nicht auf Schwule und Lesben begrenzt, was sich der finstere Pfarrer mal auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Dasselbe gilt für den aufstossenden Habitus der «Koprophagie», das Verzehren eigener oder fremder Exkremente. Diese so genannten «Kaviarspielchen» gönnen sich auch heterosexuelle Paare, ebenso wie das harntreibende Pendant mit «Natursekt».

Eine Schweinerei! Nicht das Sex-Geferkel, denn hier gilt: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Gemeint sind die ob schwuler Liebespraktiken so erregten Moralapostel aus Uganda. Wenn Sie nun glauben, diese ungesunde Analfixierung sei allein ein ugandisches Problem, dann geht der Schuss nach hinten los, wie ein Blick auf den deutschen «Bund katholischer Ärzte» zeigt. Die Clique, die sich für «Berufsethik» und wider den «destruktiven Zeitgeist» ausspricht, betont zwar, dass «Homosexualität keine Krankheit» sei, wirbt aber gleichzeitig für homöopathische Mittelchen gegen dieselbige.

Schwule und Lesben - Menschen in Not

Geistliche Seelsorge und Psychotherapie könnten den Schwulen umpolen, so die Diagnose der ganz und gar gesunden Ärzteschaft. Ein weiterer «Behandlungsansatz»: «Entgiftungs- und Konstitutionsbehandlung mit homöopathischen Mitteln (in Hochpotenzen)». Heisst das, dass Schwule und Lesben nicht krank, sondern vergiftet sind? Kommt das vom vielen Poopoo? Was tun? «Die Homöopathie ist nicht ‹irgendein Strohhalm›, sondern ein wertvolles Instrument, dem Menschen in Not zu helfen.»

Der Homosexuelle ist also ob seines Daseins in Not. In Deutschland ist wenigstens nur die katholische Seele gefährdet, während es in Uganda um Leib und Leben geht. Man(n) will den frommen Männern auf beiden Kontinenten zurufen, sie sollen doch die Schwulen und Lesben in drei Gottes Namen in Ruhe lassen. Und mit Blick auf die Analfixierung: Scheisst drauf, zeigt nicht mit dem Finger darauf, fasst euch an die eigene Nase!

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