Werbeverbot im ÖV: Gottes Wort muss draussen bleiben

Aktualisiert

Werbeverbot im ÖVGottes Wort muss draussen bleiben

Die Berner Verkehrsbetriebe verbannen Gott aus ihren Fahrzeugen. Bernmobil verbietet ab sofort alle Arten von religiöser Werbung. Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz jubelt.

Jahrelang inserierte die evangelisch-reformierte Monatszeitung «saemann» und deren Nachfolger «reformiert.» in öffentlichen Verkehrtsbetrieben in Bern. Jetzt ist damit aber Schluss, schreibt «reformiert.» in seiner Mai-Ausgabe. Die Kampagne «Ogottogott! Die Kirche am Ende. Am Ende die Kirche?» ist sowohl von Bernmobil wie auch von zahlreichen anderen abgelehnt worden, heisst es weiter.

Heftige Debatte Anfang 2009

«Die Direktion hat aufgrund der heftigen Debatte um atheistische Werbung entschieden, zukünftig in den Fahrzeugen keinerlei Werbung mit religiösem Inhalt mehr zuzulassen», bestätigt Bernmobil-Sprecherin Annegret Hewlett das Verbot und eine Meldung der Berner Tageszeitung «Der Bund». Die Allgemeine Plakategesellschaft (APG) habe den Auftrag erhalten, «jegliche Werbeanfragen mit explizit religiösem oder explizit atheistischem Inhalt abzulehnen», so Hewlett auf Anfrage von 20 Minuten Online. Der Grund für das neue Verbot sei die heftige Debatte im Februar um die angekündigte «Wahrscheinlich gibt es keinen Gott»-Kampagne der Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS).

«Das ist ein Sieg gegen die religiöse Aufrüstung»

Obwohl die Plakate mit der Aufschrift «Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge – Geniess das Leben» nur in Aussicht gestellt wurden, gingen Drohungen gegen die FVS und Verkehrsbetriebe ein. In der Folge kündigten die Verkehrsbetriebe von Zürich, Bern, Genf und Luzern an, die Plakate nicht in ihren ÖVs auszuhängen (20 Minuten Online berichtete). Nun hat man in Bern den Bogen weitergespannt: «Wir können nicht den einen etwas verbieten und es den anderen erlauben», begründet Bernmobil-Sprecherin Hewlett das neue Gesamtverbot für «religiöse Werbung». Es sei ein Entscheid für die Gleichberechtigung gewesen.

Für die FVS ist dies ein Sieg: «Wir haben unser Ziel erreicht und die religiöse Aufrüstung eingedämmt», sagt Geschäftsführerin Reta Caspar auf Anfrage von 20 Minuten Online. Die Kampagne habe zu einer Sensibilisierung in der Öffentlichkeit geführt und damit auch eine Diskussion entfacht. «Wir trauen dem Frieden aber nicht ganz», schränkt Caspar die Freude ein. Die eigenen Kampagnen will man deshalb trotzdem lancieren. Die FVS schiesst mit den angekündigten Plakaten vor allem in Richtung der Agentur C, die «die Öffentlichkeit mit religiösen Kampagnen zukleistert», wie Caspar findet.

«Ein Verbot ist der falsche Weg»

Der Präsident der Agentur C, Peter Stucki, ist über den Entscheid von Bernmobil erstaunt: «Das Verbot entspricht nicht den verfassungsmässigen Grundrechten.» Ein Problem für die Agentur stellt das neue Verbot aber nicht dar, denn sie wirbt gar nicht mehr in Bussen. Dennoch findet Stucki den Entscheid daneben: «In der Schweiz herrscht Religions- und Glaubensfreiheit: Jeder sollte seine Meinung dazu sagen können.»

Ähnlich sieht dies auch der Berner EDU-Nationalrat Christian Waber: «Den Entscheid muss man akzeptieren, die Richtung ist dennoch falsch.» Ein Verbot sei nicht der richtige Weg, damit unterbinde man die Meinungsfreiheit. «Man hätte beiden einfach gestatten sollen, ihre Plakate auszuhängen», so Waber. Aus Angst um die Neutralität trete man nun aber auf die eigenen christlichen Wurzeln.

Anti-Gott-Kampagnen verboten

In Zürich ist ein Verbot «religiöser Werbung» kein Thema: «Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit an eine höhere Existenz glaubt», sagt Andreas Uhl, Sprecher der Verkehrsbetriebe Zürich. Ob dies nun Allah, Buddha oder Gott sei, spiele keine Rolle. Folglich fühlten sich die Reisenden durch religiöse Botschaften auch nicht gestört. «Seit der Debatte Anfang Jahr prüfen wir aber Kampagnen mit atheistischem Inhalt eingehender», so Uhl. Ein generelles Verbot gebe es aber auch für «Anti-Gott-Plakate» nicht.

(amc)

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