Aktualisiert 08.11.2010 11:07

GütertransportGotthard-Achse ist nicht hoch genug

Die europäische Standardhöhe für Gütertransporte beträgt vier Meter, die Gotthard-Achse ist aber nur für 3,8 Meter durchgehend ausgebaut. Die Gleise sollen tiefer gelegt werden, fordern Transporteure.

Schweizer Transporteure drängen auf sofortige Massnahmen, damit der Gotthard-Basistunnel die erhoffte Wirkung für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene entwickeln kann. Gefordert werden ein 4-Meter-Korridor, mehr Terminals und der punktuelle Ausbau der SBB-Zufahrtsstrecken.

Wenn zwei Jahre nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels das Verlagerungsziel auch nur teilweise erreicht werden soll, müsse sich einiges ändern, sagten Vertreter der Güterverkehrsbranche am Montag vor den Medien in Zürich. Es gehe nicht ohne eine zügige Weiterentwicklung der Infrastruktur und Attraktivitätssteigerung der Bahn für den Güterverkehr.

Die neuen Basistunnel Gotthard und Ceneri entsprächen zwar modernsten Standards. Die restlichen Abschnitte des für den Transitverkehr massgeblichen Nord-Süd-Korridors stammten jedoch aus dem 19. Jahrhundert und genügten den heutigen Anforderungen nur bedingt. Die gesamte Gotthard-Achse müsse in der Schweiz und in den Nachbarländern angepasst werden.

Zu wenige Profilhöhe für moderne Güterzüge

Ein Knackpunkt auf den Zufahrtsstrecken zum Gotthard-Basistunnel sei die niedrige Profilhöhe. Mit einem Profil von 3,80 Meter liege die Gotthardstrecke deutlich unter dem europäischen Standard von 4 Metern. Das Segment der gängigen 4-Meter-Sattelzüge werde damit von der Verlagerung ausgeschlossen.

Um mehr voluminöse Güter auf der Schiene befördern zu können, müssen laut den Transporteuren die Gleise der betroffenen Strecken tiefer gelegt werden. Der Ausbau der Gotthardachse für 4-Meter-Transporte müsse bereits auf die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahre 2017 umgesetzt sein.

Die Anpassung des Profils sei auch die Voraussetzung für den Einsatz von Doppelstockzügen auf der Gotthardachse. Nur so könne vermieden werden, dass die Güterverkehrsbranche im Verteilungskampf um die knappen Trassees nicht den Kürzeren ziehe.

Mehr Doppelstockzüge einsetzen

Laut Hans Kaspar Schiesser vom Verband öffentlicher Verkehr muss davon ausgegangen werden, dass auf der Gotthardachse ein «regelrechter Personenverkehrsboom» einsetzen wird, wie das heute schon durch den Lötschberg-Tunnel der Fall sei. Es müssten deshalb mehr Doppelstückzüge im Personenverkehr eingesetzt werden.

Auf der Strecke durch den Lötschbergtunnel sei die Anzahl der hochprofiligen Rollenden Autobahn (Rola) und Sattelzüge schon heute am Limit. Zahlreiche Güterzüge müssten deshalb über die alte Bergstrecke fahren, was zu deutlich höheren Kosten führe. Mit dem Einsatz von Doppelstockzügen könnten die Kapazitäten für den Personenverkehr erhöht werden, ohne den Güterverkehr zu benachteiligen.

Stellung des Güterverkehrs verbessern

Als weiteren Schwachpunkt bezeichnen die Transporteure die Umschlagterminals auf der Zulaufstrecke im Süden. Ein akutes Defizit zeichne sich im Osten von Mailand ab. Bis zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels wolle Italien auf der Achse via Chiasso die Kapazität für den Personenverkehr erhöhen und eine neue Strecke zwischen Seregno und Bergamo bauen.

Für die notwendigen Umschlagterminals werde jedoch nicht gesorgt. Investitionspläne des Kombi-Operateurs Hupac seien abgewiesen worden. Ohne Terminals könne es aber keinen kombinierten Verkehr geben.

Unzufrieden sind die Transporteure auch mit der Stellung des Güterverkehrs im Vergleich zum Personenverkehr. Güterzüge müssten in schlechten Fahrplanlagen verkehren und bei Unregelmässigkeiten grosse Verspätungen hinnehmen. Das führe zu schlechter Marktleistung und zu betrieblichen Mehrkosten, weil Loks und Güterwagen ineffizient eingesetzt würden. (sda)

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