Aktualisiert 25.09.2014 06:35

Ja zur zweiten Röhre

Gotthard-Gegner machen mobil

Nach dem Ständerat hat sich auch der Nationalrat für eine zweite Gotthardröhre ausgesprochen. Sehr zum Ärger der Gegner, die nun ihre Referendumsdrohung wahrmachen.

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jbu/sma/ngl/bee

Nach einer über dreistündigen, emotional geführten Debatte stand der Entscheid des Nationalrats fest: Die zweite Gotthardröhre soll für 2,8 Milliarden Franken gebaut werden. 109 zu 74 Stimmen befürworteten die Vorlage.

Nun machen die Gegner wahr, was sie schon früher angedroht hatten: «Wir sind in den Startlöchern für das Referendum: Die Bögen sind schon druckbereit», so die Co-Präsidentin der Grünen Regula Rytz.

Sie rechne damit, dass in rund zwei Wochen mit der Unterschriftensammlung begonnen werden könne. «Nach diesem Parlamentsentscheid ist es umso wichtiger, dass das Volk das letzte Wort hat.» Dafür braucht es nun 50'000 Unterschriften, die fristgerecht zustande kommen.

Präsident der Alpen-Initiative optimistisch

Auch der Präsident der Alpen-Initiative, Jon Pult, zeigte sich überzeugt davon, die Abstimmung dereinst auch zu gewinnen, wie er am Mittwochabend der Nachrichtenagentur sda sagte.

«Die Unterschriftenbögen sind bereit. Wir warten jetzt bloss noch ab, wann der Entscheid des Parlaments im Bundesblatt publiziert wird. Dann wird gesammelt», sagte Pult weiter.

Angriff auf den Alpenschutz

Die Referendumsführer seien gut organisiert. Über 40 Organisationen hätten sich bereits angeschlossen und würden beim Unterschriftensammeln mithelfen. Das Ziel sei aber nicht, möglichst rasch die notwendigen Unterschriften zu sammeln.

«Unser Ziel ist vielmehr, die Abstimmung zu gewinnen. Und da bin ich überzeugt, dass uns das auch gelingen wird», sagte Pult weiter. Denn der Entscheid des Nationalrats sei nichts anderes als ein massiver Angriff auf den Alpenschutz, getarnt mit juristischen Mitteln.

«Wir sind überzeugt, mit dem Referendum durchzukommen»

«Es glaubt doch kein Mensch daran, dass die einmal gebaute zweite Röhre über kurz oder lang nicht dazu genutzt wird, dereinst den Gotthard-Strassentunnel mit vollem Kapazitätsausbau zu nutzen», sagte Pult weiter.

Das Parlament versuche, die Volksabstimmungen von 1994 über den Alpenschutz sowie von 2004 über den Avanti-Gegenvorschlag zu sabotieren. «Aber das macht uns keine Sorgen, weil wir überzeugt sind, mit dem Referendum durchzukommen», sagte er weiter.

Grüne und Grünliberale für Referendum

Denn das Schweizer Volk werde die Verkehrsverlagerung auf die Schiene und den Alpenschutz sicherlich bestätigen, zumal auch finanzpolitische Überlegungen gegen eine zweite Gotthard-Strassenröhre sprächen.

Das Referendum gegen die zweite Gotthardröhre bereits beschlossen hat Ende März eine Delegiertenversammlung der Grünen Partei der Schweiz. Mitte April hatten die Delegierten der Grünliberalen dem Referendum ihre Unterstützung zugesagt.

Gotthard bis zu 900 Tage gesperrt

Die zweite Röhre wird nötig, um die Verbindung ins Tessin auch während der Sanierung des bestehenden Strassentunnels sicherzustellen. Ob sich der Zeitplan für die Sanierung durch eine Volksabstimmung verschiebt, ist laut dem Bundesamt für Strassen noch nicht klar.

Im «besten Fall» soll die zweite Tunnelröhre im Jahr 2027 eröffnet werden, mehrjährige Verzögerungen sind jedoch möglich. Lehnt das Volk eine zweite Röhre ab, muss der Gotthard unter Umständen bis zu 900 Tage am Stück für den Autoverkehr gesperrt werden.

Zum Liveticker im Popup (jbu/sma/ngl/bee/sda)

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