Aktualisiert 08.04.2018 08:53

Stadtparlament Wil SG

Gotthard-Imam wird doch eingebürgert

Auf das Einbürgerungsgesuch des Wiler Imams Bekim Alimi (45) folgte eine Einsprache. Das Stadtparlament hat das Gesuch am Donnerstagabend dennoch bewilligt.

von
jeb
Imam Bekim Alimi (ganz rechts) bei der Segnung des Gotthardtunnels am Eröffnungstag des Basistunnels (1. Juni 2016).

Imam Bekim Alimi (ganz rechts) bei der Segnung des Gotthardtunnels am Eröffnungstag des Basistunnels (1. Juni 2016).

Keystone/Gaetan Bally

Der Mazedonier Bekim Alimi ist Imam der Wiler Moschee sowie Präsident des Dachverbands islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein (Digo). Er lebt seit 20 Jahren in der Schweiz. Bei der Segnung des neuen Gotthardtunnels vertrat er die Schweizer Muslime. Im Juni 2015 reichte Alimi in Wil ein Einbürgerungsgesuch ein, das im Mai 2016 bewilligt wurde.

Dagegen erhob der ehemalige SVP-Stadtparlamentarier Mario Schmitt Einsprache. Er wirft Alimi laut «Wiler Zeitung» vor, Kontakte zu radikalen Predigern und einem antisemitischen Imam zu pflegen. Zudem solle Alimi Mitglied der Muslimbruderschaft sein.

Die Vorwürfe wies Alimi laut «Wiler Zeitung» zurück. Er lehne Radikalismus in jeder Form ab und distanziere sich von Hasspredigten und Aufrufen zu Gewalt sowie von Diskriminierung jeglicher Art. Zudem pflege er keine Kontakte zur Muslimbruderschaft.

Dünnes Gutachten

Nach dem St. Galler Bürgerrechtsgesetz musste aufgrund der Einsprache das Wiler Stadtparlament über die Einbürgerung entscheiden. Eine Premiere im Kanton St. Gallen. Mit einer Mehrheit von 26 gegen 10 Stimmen und bei einer Enthaltung wurde der Einbürgerungsantrag gutgeheissen. Die geschlossene SVP-Fraktion sowie ein Mitglied der FDP sprachen sich gegen die Einbürgerung aus.

Der SVP reichte das Gutachten der Einbürgerungskommission nicht für einen Entscheid, begründete deren Sprecher. Dieses umfasse nur drei Seiten. Das sei zu wenig für eine saubere Beurteilung. Aus den Fraktionen von CVP-EVP, FDP, Grüne Prowil und SP hiess es hingegen, es gebe keinen Grund, der Einbürgerung nicht zuzustimmen.

Keine Zweifel an der Eignung

Die Einbürgerungskommission holte nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe von Schmitt zusätzliche Auskünfte bei der Kantonspolizei und beim Nachrichtendienst des Bundes ein. Danach hielt die Kommission fest, dass es keine Zweifel an der Eignung Alimis für eine Einbürgerung gebe.

Im Vorfeld des Parlamentsentscheids hatte sich die Diskussion vor allen in den Medien abgespielt. Es gab offene Briefe und Fragen an Alimi zu seiner Gesinnung und zu seiner Einstellung zu den Rechten der Frau. GLP-Parlamentarierin Erika Häusermann stellte dem Imam einen Fragenkatalog zu, in dem es unter anderem um seine Gesinnung ging.

Über dessen Antworten äusserte sie sich mehr als zufrieden: «Würde man ihn daran messen, wäre er ein besserer Schweizer als viele andere.»

Einsprecher Mario Schmitt äusserte sich nach dem Entscheid empört auf Facebook:

(jeb/sda)

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