Nach Felssturz: Gotthard-Route bleibt bis Montag zu
Aktualisiert

Nach FelssturzGotthard-Route bleibt bis Montag zu

Die Gotthard-Autobahn bleibt nach einem Felssturz bei Amsteg UR bis am Montag gesperrt. Wegen des schlechten Wetters konnten die Geologen die Situation an der Abbruchstelle nicht analysieren.

Sie hoffen nun, am Montagmorgen bessere Bedingungen vorzufinden.

Sollte sich der Nebel im Urnerland wie prognostiziert am Montag verziehen, werden die Geologen die Abbruchstelle am Bristenstock analysieren. Gegen Mittag sollte dann feststehen, ob die A2 wieder freigegeben werden darf, wie Damian Meier, Chef der Urner Verkehrspolizei, auf Anfrage sagte.

Fest steht bisher, dass in der Nacht auf Sonntag insgesamt etwa 10 Kubikmeter Fels und Steine zwischen Amsteg und Gurtnellen zu Tale gingen. Zwei grössere Brocken von je 1 Kubikmeter landeten auf der Autobahn. Die übrigen Brocken blieben in den Fangnetzen hängen.

Glück hatten vier Autolenker, die von Süden her in Richtung Uri unterwegs waren. Sie konnten den Felsen nicht mehr ausweichen. Verletzte gab es glücklicherweise jedoch nicht zu beklagen. Einzig die Wagen wurden stark beschädigt.

Die unterhalb der Autobahn liegende Kantonsstrasse wurde bereits am Sonntagnachmittag wieder für den Lokalverkehr geöffnet. Unter Kontrolle der Polizei konnte die Strecke befahren werden, da sie von der Autobahn geschützt ist.

Der Strassentransit über die Alpen wurde via San Bernardino umgeleitet. Nicht unterbrochen war die Gotthard-Bahnlinie.

Fahrbahn beschädigt

Zusammen mit den Felsbrocken gingen auch Geröll und Schutt auf die Autobahn nieder. Meier sprach aber insgesamt von einem eher bescheidenen Ausmass. Allerdings seien die Fahrbahnen beschädigt worden. Um 08.00 Uhr traten die Verantwortlichen mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) zu einer Lagebeurteilung zusammen. Im Anrissgebiet nahmen zudem Geologen einen Augenschein vor. Im Strassenbelag habe es Schlaglöcher. Zudem seien die Leitplanken beschädigt. Wichtiger sei aber die Klärung der Sicherheitssituation.

Gemäss Meier gibt es in diesem Bereich bereits Verbauungen mit Sicherheitsnetzen. «Wir wissen, dass das Gebiet gefährdet ist», sagte der Chef der Verkehrspolizei, und weiter: «Ganz sicher vor Steinschlag ist man hier aber nie.» Anzeichen für einen Felssturz habe es in letzter Zeit nicht gegeben. Ob das Wetter eine Rolle gespielt habe, sei ungewiss, sagte Meier. In der Nacht zum Sonntag hatte es leicht geschneit. Die Felssturzstelle befindet sich zwischen zwei Tunnels. Automatische Warnanlagen gibt es in diesem Bereich nicht.

Gesperrte Bahnlinien

Die San Bernardino-Strecke, über die der Gotthard-Verkehr nun umgeleitet wird, war wegen Lawinenniedergängen am Samstag gesperrt gewesen. In Graubünden hatte der Neuschnee auch auf anderen Verkehrsverbindungen zu Störungen geführt. So mussten zahlreiche Pässe geschlossen werden, darunter Maloja und Bernina. Während der Maloja am Sonntagmorgen wieder geöffnet werden konnte, blieb der Berninapass bis mindestens am Mittag geschlossen. Wegen Lawinengefahr noch immer gesperrt ist auch der Simplonpass vom Wallis nach Italien.

RhB-Linien und Autoverlad Furka wieder in Betrieb

Der nach heftigen Schneefällen unterbrochene Betrieb der Rhätischen Bahn (RhB) auf den Albula- und Berninalinien sowie der Autoverlad Furka sind am Sonntag wieder freigegeben worden. Die Züge auf der Albulalinie zwischen Bergün und Samedan verkehrten ab 13.00 Uhr wieder fahrplanmässig, wie die RhB mitteilte.

Die Linie war am Samstagmorgen von einer Lawine verschüttet worden. Auch die am Samstag wegen Lawinengefahr gesperrte Berninalinie ins Puschlav wurde am Sonntag wieder in Betrieb genommen. Zudem konnte der Autoverlad Furka wieder zum normalen Betrieb übergehen. Der Verlad sei offen, die Züge verkehrten regelmässig und es bestünden keine Wartezeiten mehr, teilte die Matterhorn Gotthard Bahn mit.

Quelle: SDA/AP

Immer wieder Steinschlag

Die Gotthardautobahn ist in den letzten Jahren mehrmals von Steinschlägen betroffen gewesen. Sie gingen mit Ausnahme des Unglücks vom 31. Mai 2006 glimpflich aus. Nachstehend eine Chronik der Ereignisse:

- 16. Dezember 2002: Zwischen Amsteg und Wassen werden bei einem Steinschlag auf der Gotthardautobahn drei Autos beschädigt. Die Insassen kommen mit dem Schrecken davon. Die Autobahn bleibt während zehn Stunden gesperrt.

- 29. April 2003: Ein Felsbrocken durchschlägt zwischen Gurtnellen und Wassen eine Lawinengalerie der Gotthardautobahn. Verletzt wird niemand.

- 21. März 2005: Zwei je fünf Kubikmeter grosse Felsbrocken durchschlagen bei Gurtnellen die Schutznetze und stürzen auf die Gotthardautobahn. Zwei Autofahrer bleiben trotz Kollision mit den Hindernissen unverletzt.

- 31. Mai 2006: Ein 64-jähriger Mann und seine 60-jährige Ehefrau aus der Region Pforzheim sterben, als um 06.45 Uhr bei Gurtnellen südlich der Güetli-Galerie ein Felssturz mit einem Volumen von gegen 10.000 Kubikmetern auf die Gotthardautobahn niedergeht. Ihr Auto wird von einem riesigen Felsblock getroffen und geht in Flammen auf. Die Räumung der bis zu 125 Tonnen schweren Blöcke ist schwierig. Die Gotthardautobahn bleibt einen Monat gesperrt. Der labile Felskopf wird gesprengt.

- 8. Februar 2008: Zwei Felsbrocken von je rund einem Kubikmeter Grösse stürzen zwischen Amsteg und Gurtnellen bei Meitschligen auf die Autobahn und die Kantonsstrasse. Vier Autos fahren auf das Gestein auf; die Insassen bleiben unverletzt. (ap)

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