Gottschalk und das grosse Gähnen
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Gottschalk und das grosse Gähnen

«Wetten, dass» da auch keine Paris Hilton hilft? Der Showabend mit Thomas Gottschalk langweilte nicht nur durch den wenig witzigen Moderator, sondern auch durch schlechte Wetten.

Wenn Thomas Gottschalk zu Beginn der «Wetten, dass..?»-Sendung die Zuschauer scherzhaft mit dem Satz begrüsst «Schön, dass ich wieder da bin», dann ist man gleich auf dem Niveau angekommen, auf dem sich die restliche Show abspielen wird. Der Abend in Erfurt tendierte ins Langweilige und Banale: Da half auch die Handvoll internationaler Stars nichts.

«Ist Sport gut für die Figur?»

Von Anfang an dabei waren die deutschen Biathletinnen Magdalena Neuner, Kati Wilhelm und Andrea Henkel, die der Gastgeber erst fragt: «Ist Sport gut für die Figur?» Dann merkt er selber, dass das dämlich war und fügt hinzu: «Hattet ihr immer schon so sportliche Figuren?» Und der Abend hat gerade erst begonnen...

Unspektakulär auch ihre Wette: Ein Jugendlicher schafft es, zwischen seinen Schulterblättern 20 Dosen zu zerdrücken. Wette Nummer zwei: Ein Mann will innert drei Minuten fünf Besen so hinstellen, dass sie alleine stehen bleiben. Das Vorhaben ist schon etwas spannender, misslingt letztendlich aber.

Wettpaten sind die Jungschauspieler Jimi Blue und Wilson Gonzalez Ochsenknecht, die zur Strafe in einen Eiswasser-Bottich springen müssen. Schlimm: Schon jetzt nerven die Zeitlupen, in denen solche Aktionen langatmig noch einmal vorgeführt und von Gottschalk wenig witzig kommentiert werden.

Die Musiker

Nach dem Auftritt des mexikanischen Tenors Rolando Villazón («Ja, ich habe eine neue CD…») folgt die Kinderwette. Ein Hamburger Schüler wirft Dartpfeile in eine fünf Meter hohe Holzwand und versucht anschliessend, diese über die Pfeile zu erklettern. Der Moderator drückt ein Auge zu, obwohl die Zeit abgelaufen war: Die Wette ist gewonnen.

Die ersten beiden Musikeinlagen kommen von R.E.M. und Udo Lindenberg. Zu ersteren sagt Gottschalk, die Band mache ja «Musik für über 40-Jährige». Frontmann Stipe sieht wenig begeistert aus. Und Lindenberg bekommt ein Stück Extra-Couch, weil er kein «Quatschomat» ist(20minuten.ch berichtete). Lustig ist das aber auch nicht. Ähnliches gilt für den deutschen Komödianten Kurt Krömer, der sich von einem Zwischenruf aus dem Publikum völlig aus seiner Comedy-Nummer rausbringen lässt.

Bei der dritten Wette schafft es ein Mann, in einem Liegesessel sitzend 40 Bierdeckel mit dem Mund auf seinen Kopf zu werfen und sie dort zu stapeln. Dann kommt der sehnlichst erwartete Auftritt von US-Promi Paris Hilton. Der Zuschauer erfährt, dass sie sich «als Unternehmerin sieht, und dass ihre neue Fernsehshow «total toll» wird.

Gottschalk vs. Paris im Worthülsen-Fest

Gottschalk sagt Sachen wie: «Du bist richtig treu. Das hätte ich gar nicht gedacht.» Paris antwortet: «Ich bin ganz treu, besonders zur Zeit.» Dann lachen alle. Der Gastgeber fragt, ob sich Paris vorstellen könnte, Biathlon zu machen. Die Hilton antwortet mit Blick auf die deutschen Sportlerinnen: «Ich mag Sport. Ich mag Skifahren. Ich mag ihre Frisur.»

Ihre Wette verliert die Hilton: Ein Squash-Spieler wollte einen Ball so schlagen, dass er erst drei Wände berührt und dann durch eine Tür in eine Verpackung rollt. Trotz guter Ansätze misslingt der Versuch, drei Bälle zu platzieren. Der Wetteinsatz: Paris macht mit einem Studiogast ein Foto in einem Automaten. Der Kindergeburtstag lässt grüssen.

Gast-Goalie Oliver Kahn bekommt zum schlechten Ende – natürlich - eine Fussballwette. Ein Mann erkennt mit der Zunge den Hersteller des runden Leders. Auch die Stadtwette gelingt: Über 50 Erfurter haben eine Badewanne oder einen entsprechenden Ersatz auf den Domplatz geschleppt. Wettanbieter des Abends wurde der Jugendliche, der die Dosen mit seinen Schultern zerdrückt hat - mit über 50 Prozent der Stimmen. Mit der üblichen Verspätung endet damit ein sehr, sehr langer Fernsehabend...

(phi)

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