22.06.2020 02:59

Serienbankräuber angeklagt

«Gottverdammi, ich will Tuusigernote»

Zwei Mal überfiel er die gleiche Filiale der Basellandschaftlichen Kantonalbank in Oberdorf, aber beim zweiten Mal unterlief ihm ein Fehler. Jetzt soll der 48-jährige Bankräuber mindestens fünf Jahre hinter Gitter.

von
Lukas Hausendorf
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Gleich zwei Mal hat dieser Bankräuber die gleiche Filiale der Basellandschaftlichen Kantonalbank in Oberdorf BL überfallen.

Gleich zwei Mal hat dieser Bankräuber die gleiche Filiale der Basellandschaftlichen Kantonalbank in Oberdorf BL überfallen.

Staatsanwaltschaft BL
Am 15. April um 11.25 Uhr schlug er das erste Mal zu. Die beiden Schalterangestellten bedrohte er mit einer Waffe der Marke Tokarev. Mutmasslich war sie geladen.

Am 15. April um 11.25 Uhr schlug er das erste Mal zu. Die beiden Schalterangestellten bedrohte er mit einer Waffe der Marke Tokarev. Mutmasslich war sie geladen.

Staatsanwaltschaft BL
In seiner linken Hand hielt er eine Vorrichtung, aus der ein rotes Kabel hing. Die Staatsanwaltschaft beschreibt es in der Anklage als «unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung». Wobei es sich wohl um eine Attrappe handelte.

In seiner linken Hand hielt er eine Vorrichtung, aus der ein rotes Kabel hing. Die Staatsanwaltschaft beschreibt es in der Anklage als «unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung». Wobei es sich wohl um eine Attrappe handelte.

Staatsanwaltschaft BL

Darum gehts

  • Im April und August 2019 überfiel ein Bankräuber zwei Mal die gleiche Filiale der Basellandschaftlichen Kantonalbank in Oberdorf.
  • Der Täter flog aufgrund Hinweisen aus der Bevölkerung auf, nachdem eine Belohnung von 25’000 Franken ausgesetzt wurde.
  • Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den 47-jährigen Beschuldigten vor dem Baselbieter Strafgericht. In der Anklage werden die Überfälle minutiös geschildert.

Verrieten ihn die Bilder der Überwachungskamera? War er zu nachlässig bei der Maskierung? Die Ermittler der Staatsanwaltschaft lüfteten das Geheimnis nicht, klar ist einzig: Jemand kassierte 25’000 Franken für den entscheidenden Tipp, der zur Ergreifung des Bankräubers führte. Gleich zwei Mal hatte der 47-jährige die Filiale Oberdorf der Basellandschaftlichen Kantonalbank vergangenes Jahr überfallen. Zuerst am 15. April und dann erneut am 2. August. Im September wurde er gefasst.

Am Dienstag nun muss sich der gebürtige Baselbieter, der zuletzt in Reiden im Kanton Luzern wohnte, vor dem Baselbieter Strafgericht für die bewaffneten Banküberfälle und weitere Delikte verantworten. Die Anklageschrift zeigt minutiös auf, was sich im Innern der Bank während der Überfälle abspielte.

Der Beschuldigte, über dessen Vorleben wenig bekannt ist, fuhr jeweils mit einem Kombi von seinem Wohnort nach Oberdorf, parkierte bei der Sekundarschule und fuhr von dort beim ersten Mal mit einem Velo und das zweite Mal mit einem kleinen Scooter zur Bank. Schon da machte er sich strafbar, weil der Auto- und Motorradfan seinen Führerausweis im August 2018 abgeben musste.

«In zehn Minuten fliegt hier alles in die Luft»

Bankräuber

Mit übergezogener Sturmhaube betrat er um 11.25 Uhr die Bank und fuchtelte mit der geladenen Tokarev-Pistole herum. Den Finger am Abzug, das Leben der Angestellten gefährdend. In der linken Hand hielt er einen Gegenstand, aus dem ein roter Kabelstrang heraushing. Es sah aus wie eine «unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung», heisst es in der Anklage. «Überfall! Alles Geld hin. Packt das Geld ein, macht schnell. In zehn Minuten geht hier alles in die Luft. Wo sind die Tausendernoten, die Euros?» Hastig verliess er danach mit 20’000 Franken in seinem Rucksack die Bank.

Am 2. August um 9.03 Uhr kehrte er zurück. Gleiches Outfit, gleiche Waffe, gleiche Sprengvorrichtungsattrappe, aber neues Schalterpersonal. Diesmal half er mit das Geld einzupacken. Plötzlich löst sich beim Hantieren ein Schuss. Das Projektil durchschlägt eine Schreibunterlage mit Bankdokumenten, die Tischplatte des Schalterpults und die Metallkonsole und bleibt auf der Papierausgabe des Druckers liegen. Der Bankräuber wird nervös und fuchtelt mit der Pistole rum. «Gottverdammi, ich will Tuusigernote!», herrscht er die Angestellten an. Diesmal entkommt er mit 42’920 Franken.

«Goobye»

Letzter Facebook-Post am Tag vor der Verhaftung

Nachdem er einen Monat später auffliegt, findet die Polizei bei ihm Keller noch fast drei Kilo Marihuana, in Plastikbeutel verschweisst. In der Wohnung Methadontabletten und Streckmittel. Er ahnte wohl, dass er geschnappt wird. Sein letzter Facebook-Post datiert vom Vortag: «Goodbye».

Die Staatsanwaltschaft wird eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren beantragen, weshalb der Fall von der Fünferkammer des Strafgerichts verhandelt wird.

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