Aktualisiert 02.05.2020 17:19

Probefahrt

Gralshüter der Fahrfreude

BMW schiebt dem 3er die Coupévariante nach. Der neue 4er sieht nicht nur dynamischer aus, sondern fährt sich auch so.

von
Thomas Geiger
Die Hardware ist beinahe identisch, und doch schlummert im neuen 4er mehr Dynamik als im 3er-BMW.

Die Hardware ist beinahe identisch, und doch schlummert im neuen 4er mehr Dynamik als im 3er-BMW.

BMW

Digitalisierung, Automatisierung und immer grössere Bildschirme – all das steht bei der Entwicklung eines neuen Autos mittlerweile ganz weit oben auf der To-do-Liste. Doch glaubt man Peter Langen, dann ändern sich die Prioritäten gerade wieder. Weil die Konkurrenz in diesen Kategorien immer enger beisammenliegt, feiert die lange Zeit vernachlässigte Fahrfreude ein Comeback, ist der oberste Fahrdynamiker in der BMW-Entwicklung überzeugt – und hat darauf die passende Antwort. Denn in ein paar Monaten stellen die Bayern dem neuen Dreier mit dem Vierer wieder eine Coupéversion zur Seite. Ist schon die Limousine der Massstab für die Lust am Lenken in der Mittelklasse, wollen sie die Latte damit noch einmal ein gutes Stück höher legen, verspricht Langen: «Dem Dreier einfach nur zwei Türen zu nehmen, war uns zu wenig.»

Aus gutem Grund: Schliesslich musste sich BMW zuletzt viel Kritik über die Nähe von Dreier und Vierer gefallen lassen. Damit das künftig nicht mehr passiert, durften vor allem die Designer in die Vollen gehen und neben der Silhouette auch die Front umgestalten. Die ist zwar bei Langens Prototypen noch komplett getarnt, doch schimmert unter der Kunststoffmaske schon die riesige Niere durch, mit der die Bayern im September an der IAA in Frankfurt die Besucher provoziert haben.

Wie ein Schluck Espresso

Für Langen ist dieses Design Lust und Last zugleich. «Wir mussten dafür sorgen, dass der Vierer auch so sportlich fährt, wie er künftig aussieht», sagt der Ingenieur und hat den Vierer deshalb auch technisch weiter denn je vom Dreier weggerückt. «Natürlich ist die Hardware weitgehend identisch», räumt er ein. Denn auch wenn der Vierer an der Gesamtproduktion in der Mittelklasse rund ein Viertel ausmacht, könnten sich die Bayern so ein Derivat sonst nicht leisten. Doch das Coupé ist nicht nur knapp sechs Zentimeter flacher als die Limousine und hat deshalb einen zwei Zentimeter niedrigeren Schwerpunkt, es leistet sich auch hinten eine um gute zwei Zentimeter verbreiterte Spur, vorne einen grösseren Sturz und reihum ein paar zusätzliche Streben, die den Aufbau versteifen und auch bei strammer Fahrt auf schlechten Strassen eine segensreiche Ruhe in den Wagen bringen.

Das Ergebnis dieses Eigensinns ist ein Fahrverhalten, wie es diesseits der Werkstuner kein anderes Auto in der Klasse bietet. Präzise, agil und dabei trotzdem so gelassen, dass der Fahrer bei allem Engagement noch immer entspannt bleibt, schlängelt der Prototyp durchs Münchner Hinterland. Selbst bei 60, 70 km/h im dritten, vierten Gang liegt der Vierer besser in der Hand, reagiert feinfühliger auf Lenkung, Gas und Fahrbahn und wirkt auf den Fahrer wie ein Schluck Espresso am Morgen. «Uns war es wichtig, dass man dieses Gefühl schon beim alltäglichen Fahren hat und man den Unterschied auch dann spürt, wenn man nicht mit quietschenden Reifen über die Landstrasse fliegt», sagt Langen.

Elektrische Unterstützung

Aber so sehr sich Dreier und Vierer beim Aussehen und bei der Abstimmung unterscheiden werden, so nahe sind sie sich beim Ambiente und bei den Antrieben. Klar, vorn sitzt man ein bisschen tiefer, die Polster liegen etwas enger an, und natürlich gibt es wieder einen Gurtbringer. Und im Fond geht es zumindest bis zum Debüt von Cabrio und Grand Coupé ein bisschen bescheidener zu. Doch das Cockpit mit den digitalen Anzeigen und dem grossen Touchscreen daneben ist genauso vertraut wie das Bediensystem mit einer ziemlich natürlichen Spracheingabe, der etwas verspielten Gestensteuerung und das grosse Heer der Assistenten, die aktiv in Längs- und Querführung eingreifen. Auch die Vier- und Sechszylinder-Motoren bis zum 374 PS starken Dreiliter im vorläufigen Top-Modell M440i sind genau wie der Heck- oder Allradantrieb und die Achtgang-Automatik aus dem Dreier bekannt. Zumindest der stärkste Motor kommt als erster Benziner bei BMW mit einem elektrischen Starter-Generator samt 48-Volt-System. Der spart nicht nur ein bisschen Treibstoff durch bessere Rekuperation, sondern hilft mit bestenfalls 18 PS auch beim Anfahren und stopft so auch noch das letzte Löchelchen, das man dem Turbo zuschreiben könnte. Allerdings wird der Vierer dieses Privileg bald mit allen Baureihen teilen müssen.

Präzise, leichtgängig und lustvoll zu bewegen – so wird der Vierer zum neuen Gralshüter der Fahrfreude. Ingenieur Langen kann getrost ins Rennen mit Konkurrenten wie dem Mercedes-Benz C-Klasse Coupé oder dem Audi A5 gehen. Und M3 und M4 dürften bald folgen.

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Obwohl der Prototyp noch getarnt ist, lassen sich die grössere Niere und die sportlichere Frontschürze erkennen.

Obwohl der Prototyp noch getarnt ist, lassen sich die grössere Niere und die sportlichere Frontschürze erkennen.

BMW
Eine breitere Spur hinten, ein grösserer Sturz vorne und mehrere Streben reihum bringen Ruhe in den Wagen.

Eine breitere Spur hinten, ein grösserer Sturz vorne und mehrere Streben reihum bringen Ruhe in den Wagen.

BMW
Die Motoren sind vom 3er bekannt – der Top-Reihensechszylinder bekommt allerdings einen elektrischen Starter-Generator.

Die Motoren sind vom 3er bekannt – der Top-Reihensechszylinder bekommt allerdings einen elektrischen Starter-Generator.

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12 Kommentare

Info

28.05.2020, 16:43

⚠️⚠️⚠️ Wichtige Information: Die Verbrenner werden nur noch aus sentimentalen Gründen gekauft. Die Verbrenner stinken und sind giftig. ❌❌⛔️❌❌⛔️❌❌⛔️ ++++

Umdenken!

05.05.2020, 13:52

Vielleicht sollte man sich nicht auf grosse Fahrdynamik konzentrieren in Zeiten wo die Strassen immer mehr verstopft sind! Sondern auf möglichst geringen, oder noch besser, auf keinen Schadstoff-Ausstoss!

Facter

05.05.2020, 13:47

Ganz allgemein kann gesagt werden, dass ein Auto möglichst wenig Gewicht und einen möglichst kleinen Luftwiderstand haben sollte für einen kleinen Realverbrauch. (Natürlich kommen noch etliche weitere Faktoren dazu Z. B. Wirkungsgrad, Pneugrösse, Pneudruck, Fahrweise....) Aber viele der heute so beliebten Fahrzeuge gehen diesbezüglich in eine falsche Richtung. Ich denke da vor allem an die SUVs...