Eurovision: Grand Prix stösst auf taube Ohren
Aktualisiert

EurovisionGrand Prix stösst auf taube Ohren

Peinlich, peinlich: Aufgrund grosser technischer Probleme mussten TV-Moderatoren aller Herren Länder sich via Telefon an die Fernsehzuschauer wenden.

von
obi

Ausgelassen feierten die 16 000 Fans in der Düsseldorfer Arena an diesem Dienstagabend das erste Halbfinale des Eurovision Song Contests. Niemand in der Halle bekam aber mit, dass Millionen von Fernsehzuschauern bei der TV-Übertragung mit Tonproblemen zu kämpfen hatten. Der Kommentator des Schweizer Fernsehens SF, Sven Epiney, war über etliche Beiträge hinweg nicht zu hören. Auch von Deutschlands Grand-Prix-Kommentator Peter Urban gab es minutenlange Sendepausen. Später dann meldeten Epiney und Urban sich über eine Telefonleitung beim TV-Publikum ihrer Nationen.

Für die Organisatoren ist die Tonpanne ein schlechter Start in die insgesamt drei Liveshows mit Halbfinals und Finale. Mehr als zwei Wochen wurde die Düsseldorfer Arena von einem Fussballstadion zum Fernsehstudio umgebaut. Techniker verlegten kilometerlange Glasfaserkabel, eine eigene Stromversorgung wurde errichtet und alle technischen Vorrichtungen in doppelter Ausführung aufgebaut, damit bei Ausfällen sofort Ersatz da ist. Sogar ein zweiter Übertragungswagen wurde vor die Arena gestellt.

NDR sucht nach Ursache

Nun scheint es bei den ISDN-Leitungen von den Kommentatoren-Kabinen ins Telekom-Netz zu Problemen gekommen sein. Dass teilte der NDR in einer ersten kurzen Stellungnahme mit. Eine Ursache für das Problem liess sich bis in den frühen Morgen aber noch nicht feststellen. Auch die genaue Zahl der betroffenen Länder stand zunächst nicht fest.

Gelassen reagierte der langjährige Grand-Prix-Kommentator Urban auf die Panne. Am Ende der Show kündigte er das zweite Halbfinale an, das am Donnerstag (12. Mai, 21.00 Uhr) im Ersten zu sehen sein wird. «Hoffentlich dann mit besserem Ton», so der NDR-Journalist. Seinem Ko-Kommentator dankte er, dass dieser das mitgemacht habe, «trotz aller nervigen Nebenerscheinungen». Am Telefon sei es ja auch ganz schön, fügte Urban hinzu.

Epiney klagte gegen Schluss der Sendung über die «grauenhaften Umstände, unter denen wir arbeiten mussten», war aber aufgrund des Siegestaumels ebenfalls versöhnlich. Dafür lieferte das SF seine eigene – kleinere – Panne: Kurz nach der Verkündung des dritten Finalteilnehmers schaltete der Livestream auf sf.tv auf offline (siehe Bild). Vermutlich geschah dies automatisch, da die Sendezeit bis 23:05 Uhr geplant war. Doch die Sendung dauerte noch ein paar Minuten und somit verpasste das SF auf seinem Livestream den Sieg der Schweizer Kandidatin Anna Rossinelli.

Gute Stimmung in der Arena

Trotz der Tonpanne lief die eigentliche Show reibungslos. Über den Einzug in die Endrunde am Samstag konnten sich die Teilnehmer aus der Schweiz, Serbien, Litauen, Griechenland und Aserbaidschan freuen. Auch bei den Kandidaten aus Georgien, Ungarn, Finnland, Russland und Island war der Jubel über das Finalticket gross.

Bei den Fans in der nicht ganz vollen Arena kam die Halbfinalshow sichtlich gut an. Sie feuerten jeden der 19 Künstler mit grossem Applaus an, schwenkten ihre Fahnen und tanzten zu den Songs mit. Vor allem die 1000 Quadratmeter grosse LED-Leinwand und die riesige Rundbühne zwischen den Zuschauern sorgte für Begeisterung. «Das ist der Hammer», sagte Grand-Prix-Fan Christoph Hoeltmann. Obwohl Lena Meyer-Landrut erst am Samstag auftritt, nutzen beim Halbfinale viele Deutsche die Gelegenheit, um eine der drei ESC-Shows mitzuerleben.

Bis Donnerstagabend haben die Techniker in der Arena nun Zeit, den Fehler im System zu finden. Dann wollen Sven Epiney und Peter Urban ihre Fernsehzuschauer zum zweiten Halbfinale in der ARD mit Ton begrüssen. (obi/dapd)

Deine Meinung