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Grass: SS-Akten längstens öffentlich zugänglich

Günther Grass hätte die Katze nicht selbst aus dem Sack lassen müssen. Das Archiv mit den Dokumenten, die seine SS-Zugehörigkeit belegen, stand der Öffentlichkeit seit 1959 offen.

Die jetzt entdeckten, den Einsatz in der SS-Panzerdivision Frundsberg belegenden Dokumente aus Grass' Zeit als US- Kriegsgefangener schlummerten jahrzehntelang unangetastet im riesigen Archiv der Deutschen Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin. Nur ein einziges Mal wurden sie nach Angaben der Institution bis zum vergangenen Montag herausgezogen. Vor 13 Jahren hatte ein Rentenversicherungsträger Einsicht in die Akten verlangt.

Dabei waren die von Grass persönlich unterschriebenen Dokumente weder unter Verschluss noch geheim. «Seit dem ersten grossen Erfolg von Günter Grass hätte jeder danach fragen können und Akteneinsicht bekommen», sagte der stellvertretende Behördenleiter Peter Gerhardt (64) am Mittwoch der Nachrichtenagentur DPA.

Der Schriftsteller sei spätestens seit seinem internationalen Durchbruch mit der «Blechtrommel» (1959) eine Person des öffentlichen Lebens. Und für solche gelte der ansonsten übliche Datenschutz nicht.

Für die Enthüllung im «Fall Grass» hätte eine neugierige Privatperson acht Euro auf den Tisch legen müssen. So viel kostet die Kopie einer Aktenseite bei der Behörde. Wäre die Mitgliedschaft in der berüchtigten Elitetruppe schon früher herausgekommen - die an diesem Mittwoch erschienene Kindheits- und Jugend-Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» von Günter Grass hätte sich wohl wesentlich schlechter verkauft.

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