Arosa GR - Gratis-Abos für Parlamentarier sorgen für Misstöne
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Arosa GRGratis-Abos für Parlamentarier sorgen für Misstöne

Seit Jahren werden in Arosa Wintersaisonkarten gratis an Parlaments- oder Gemeindevorstandsmitglieder abgegeben. Ein Parlamentarier kritisiert dies nun.

von
Leo Butie
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In Arosa GR dürfen Parlamentarier kostenlose Wintersaisonkarten oder eine vergünstigte Saisonkarte beziehen.

In Arosa GR dürfen Parlamentarier kostenlose Wintersaisonkarten oder eine vergünstigte Saisonkarte beziehen.

imago/blickwinkel
Ungefähr 20 Personen würden von diesen Vorteilen profitieren.

Ungefähr 20 Personen würden von diesen Vorteilen profitieren.

20 Minuten/mig
Der Gemeindeparlamentarier Reto Ruoss kritisiert diese Praxis nun.

Der Gemeindeparlamentarier Reto Ruoss kritisiert diese Praxis nun.

20 Minuten/mig

Darum gehts

  • In Arosa GR erhalten Parlaments- und Behördenmitglieder kostenlose Saisonpässe.

  • Ein Parlamentarier kritisiert diese Praxis nun.

  • Eine solche Vorteilsgewährung könne strafbar sein.

  • In anderen Skigebieten erhalten Behördenmitglieder keine spezielle Vergünstigung.

Es sind happige Vorwürfe, die der Dorfparlamentarier Reto Ruoss erhebt. Seit 2004 besitzt Reto Ruoss eine Ferienwohnung in Arosa GR und ist seit fünf Jahren dort wohnhaft, wo er auch politisch tätig ist. Seit Anfang dieses Jahres ist Ruoss im Gemeindeparlament vertreten. Was ihn ärgert, sind die «starken Verflechtungen von Gemeinde, Bergbahnen und Arosa Tourismus», wie er gegenüber der «Südostschweiz» (Bezahlartikel) sagt. Im März hat er mittels Brief erfahren, dass man als Mitglied des Parlaments oder als Gemeinderatsvorstandsmitglied eine kostenlose Wintersaisonkarte oder eine stark vergünstigte Jahreskarte beziehen kann.

Dieses Angebot lehnte Ruoss ab und teilte den Bergbahnen mit, dass man dieses Angebot nicht mehr offerieren soll. Denn gemäss seiner Einschätzung sind die Vergünstigungen von 350 bis 550 Franken gemäss dem Strafgesetzbuch eine «nicht gebührende Vorteilsgewährung». Einige Experten würden es so auslegen, dass eine Vorteilsgewährung von bereits 100 Franken strafbar ist. Dies habe Ruoss auch dem Verwaltungsrat der Bergbahn mitgeteilt. Er wurde aber abgewiesen mit der Begründung, dass es jedem Mitglied frei stehe, das Angebot anzunehmen oder nicht. «Ungefähr 20 Personen profitieren derzeit von diesen Vorteilen», sagt Ruoss auf Anfrage von 20 Minuten.

Die Praxis habe eine lange Tradition

Für Ruoss ist das ein heikler Entscheid, denn so könnte es zu Strafuntersuchungen gegenüber Behördenmitgliedern kommen, wie im Fall vom Genfer Staatsrat Pierre Maudet. «Die Regeln sind schärfer als früher», sagt Ruoss. Die Verurteilung des Staatsrates solle man als Warnung an andere Behördenmitglieder verstehen.

Im Gemeindeparlament gibt es auch andere Meinungen. «Diese Praxis gibt es sicher schon seit über 50 Jahren», sagt Gemeindeparlamentarier Ludwig Waidacher junior, der auch im Vorstand der Arosa Bergbahnen ist. Dass Behördenmitglieder Skiabos erhalten, habe in Arosa eine lange Tradition. «Es ging darum, den Personen, die sich grösstenteil unentgeltlich für das Dorf engagierten, Danke zu sagen», sagt Weidacher. Doch da der Gemeindevorstand nun einen Lohn erhalte, sehe er ein, dass die Situation jetzt eine andere sei. Bei der Arosa Bergbahnen AG möchte man sicherlich auch nächstes Jahr an dieser Praxis festhalten, so Lorenzo Schmid, langjähriger Verwaltungsrat der Arosa Bergbahnen.

Bei anderen Bergbahnen im Kanton Graubünden ist diese Methode nicht verbreitet. So erhielten Behördenmitglieder in St. Moritz keine Sonderkonditionen. Auch bei der Weisse Arena Gruppe im Gebiet Flims, Laax und Falera gäbe es keine speziellen Vergünstigungen für Politiker und Politikerinnen.

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