Werbemasche: Gratis-Alarmanlage – das Geschäft mit der Angst

Aktualisiert

WerbemascheGratis-Alarmanlage – das Geschäft mit der Angst

Eine Sicherheitsfirma bietet Alarmanlagen gratis an, inklusive Installation. Damit versucht sie derzeit, Neukunden in der Deutschschweiz anzuwerben.

von
num

So schützt man sich richtig vor Einbrechern.

Die Schweiz hat gemäss der Schweizerischen Kriminalprävention eine der höchsten Einbruchsraten in Europa. Alle acht Minuten ereignet sich ein Einbruch. Kein Wunder, sorgen sich viele Bewohner um ihr Hab und Gut – was Alarmanlagenanbieter gerne ausnutzen. Viele Bewohner in Zürich fanden vergangene Woche einen Flyer in ihrem Briefkasten.

Darin wurde den Empfängern eine Alarmanlage versprochen – gratis. Die Firma Dialarme, die einige tausend dieser Flyer verteilt hat, verspricht darauf: «Wir statten sie gratis mit kompletten Sicherheitsausrüstungen aus und installieren sie in Ihren Wohnung.» Von Kosten steht nichts auf dem Werbeflyer.

Teure Verträge

Der Haken bei der Sache: Die kostenlose Grundausstattung beinhaltet nur einige wenige Bewegungs- und Öffnungsmelder, welche eine Sirene auslösen. Gleichzeitig muss der Kunde einwilligen, als Referenz für künftige Kunden zu dienen und einen Kleber von Dialarme an Türe und Briefkasten anzubringen.

Die Berater von Dialarme versuchen aber vielmehr, den Kunden die teuren Zusatzoptionen zu verkaufen: Eine Anbindung an die Alarmzentrale von Protectas oder eine Fernüberwachung per Smartphone mittels happiger Verträge. Dialarme-Direktor Lorenzo Siccardi: «Diese kosten zwischen 69 und 129 Franken pro Monat mit einer Laufzeit von 48 Monaten.»

«Verstecktes Leasing»

Urs Brönnimann von der Schlüssel Elite AG, ein Unternehmen, das selbst Alarmanlagen verkauft*, hält diese Lösungen für «total unseriös»: «Diese Anbieter kümmern die mechanischen Eigenschaften eines Hauses oder einer Wohnung nicht.» Dies sei verstecktes Leasing. «Wenn mir jemand gratis einen Mercedes geben will, werde ich auch skeptisch.»

Brönnimann weist darauf hin, dass eine Alarmanlage mit einigen Bewegungsmeldern nicht ausreiche. «Zum Schutz eines Objekts gehört auch, Fenster abschliessbar zu machen, oder Türen zu verstärken.» Er empfiehlt, eine Fachperson beizuziehen, die das Objekt prüft und eine Lösung mit einer Aussenhautüberwachung mit Kontaktmeldern bei Türen und Fenstern ausarbeitet. «Werden Fenster und Türen vom Einbrecher aufgewuchtet, wird eine Innen- und Aussensirene ausgelöst.»

Gemäss Brönnimann nützen Gadgets wie Zeitschaltuhren für Licht oder Fernseher, die vorgaukeln, dass jemand zu Hause ist, nur wenig: «80 Prozent der Einbrüche geschehen tagsüber.»

Anrufe bei Polizei und Konsumentenschutz

Bei der Stadtpolizei Zürich gingen wegen der Werbemasche von Dialarme bereits mehrere Anrufe ein, wie Sprecher Pascal Brauchli bestätigt. «Unsere Abklärungen haben ergeben, dass die Firma im Handelsregister korrekt eingetragen ist und nichts im strafrechtlichen Sinn gegen sie vorliegt.» Er empfiehlt eine kostenlose Beratung bei der Stadtpolizei Zürich.

Auch bei der Stiftung für Konsumentenschutz meldeten sich verunsicherte Leute. Geschäftsführerin Sara Stalder rät allgemein: «Wir empfehlen, für den Schutz vor Einbrechern eine seriöse und etablierte Sicherheitsfirma zu konsultieren.»

* In einer früheren Version wurde nicht darauf hingewiesen, dass es sich bei der Schlüssel Elite AG um einen Konkurrenzanbieter handelt. Wir entschuldigen das Versehen.

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