Psychische Probleme in der Pandemie - Gratis Hypnosetherapien sollen Jugendlichen aus Krise helfen
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Psychische Probleme in der PandemieGratis Hypnosetherapien sollen Jugendlichen aus Krise helfen

Verschiedene Schweizer Hypnosetherapeuten offerieren Jugendlichen in Notlagen ihre Dienste umsonst. Der Verband der Psychologen äussert Bedenken.

von
Michelle Muff
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Die Nachfrage nach psychologischen und psychiatrischen Behandlungen hat in den vergangenen Monaten zugenommen.

Die Nachfrage nach psychologischen und psychiatrischen Behandlungen hat in den vergangenen Monaten zugenommen.

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Insbesondere Kinder- und Jugendpsychiatrien sind aktuell überlastet. Der Zürcher Regierungsrat trifft nun Vorkehrungen: So werden 7,9 Millionen Franken zur finanziellen Unterstützung zur Verfügung gestellt. Damit sollen im Kanton Zürich zusätzliche stationäre und ambulante Kapazitäten bereitgestellt werden.

Insbesondere Kinder- und Jugendpsychiatrien sind aktuell überlastet. Der Zürcher Regierungsrat trifft nun Vorkehrungen: So werden 7,9 Millionen Franken zur finanziellen Unterstützung zur Verfügung gestellt. Damit sollen im Kanton Zürich zusätzliche stationäre und ambulante Kapazitäten bereitgestellt werden.

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Der Schweizerische Berufsverband für Hypnosetherapie hat zudem verkündet, dass 120 Verbandsmitglieder ihre Dienste für Jugendliche in Notlagen ab sofort gratis anbieten.

Der Schweizerische Berufsverband für Hypnosetherapie hat zudem verkündet, dass 120 Verbandsmitglieder ihre Dienste für Jugendliche in Notlagen ab sofort gratis anbieten.

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Darum gehts

  • Die Nachfrage nach psychologischen und psychiatrischen Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen ist seit der Coronakrise gestiegen.

  • Kinder- und Jugendpsychiatrien sind stationär sowie ambulant überlastet.

  • 120 Hypnosetherapeuten bieten betroffenen Jugendlichen nun ihre Behandlungen gratis an.

  • Der Zürcher Regierungsrat hat zudem 7,9 Millionen Franken für zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Psychosomatische Krankheiten nehmen bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz seit Jahren zu. Während der Coronakrise hat sich die Lage in der Schweiz nun verschärft. Da Notaufnahmen und psychiatrische Kliniken überlastet und teils auf Monate hinaus ausgebucht sind, hat der Schweizerische Berufsverband für Hypnosetherapie verkündet, dass 120 Verbandsmitglieder ihre Dienste für Jugendliche in Notlagen ab sofort gratis anbieten. Maximal drei Behandlungen würden die Therapeuten ohne Entgelt offerieren, schreibt der Verband in einer Mitteilung.

«Wir erhalten viele Anfragen – und viele aus Familien, die nicht auf Rosen gebettet sind. Weil Hypnosetherapien aus dem eigenen Sack bezahlt werden müssen, ist das ein Problem», so der ehemalige Nationalrat und heutige Hypnosetherapeut Roland Wiederkehr in der Mitteilung. Mit den Gratis-Behandlungen solle verhindert werden, dass Betroffene zu lange auf Hilfe warten müssten: «Die Jugendlichen brauchen schnelle Unterstützung.» Betroffene könnten sich direkt an die jeweiligen Therapeuten und Therapeutinnen in der Nähe wenden.

Hypnose könne zur Abnahme des Leidensdrucks führen

«Hypnose ist eine Therapiemethode, die als anerkannt gilt», erklärt der Psychotherapeut Francois Gremaud gegenüber 20 Minuten. Oft gebe es Verwechslungen mit der Hypnose, wie man sie im Zirkus oder in Fernsehshows sehe, so Gremaud: «Im therapeutischen Alltag ist die Hypnose weniger sensationell, es handelt sich um eine tiefe Auseinandersetzung mit sich selbst, damit Grundbedürfnisse anerkannt werden.» Sie bestehe aus tiefen Entspannungsübungen mit vom Therapeuten durchgeführter Anleitung zur Selbstreflexion.

Gemäss Gremaud käme es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Abnahme des Leidensdrucks, wenn die Hypnose von einem anerkannten Therapeuten oder einer Therapeutin mit entsprechendem Titel durchgeführt werde: «Es ist eine gute Alternative für Menschen, die sich kognitiv und emotional blockiert fühlen, also keinen direkten Zugang zu sich selbst finden – zum Beispiel bei Traumatisierungen oder schweren Depressionen.»

Die Wahl des richtigen Therapeuten ist wichtig

Philipp Thüler, Sprecher der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), äussert zum Angebot des Berufsverbands für Hypnosetherapie auch Bedenken: «Wir erachten das Angebot als problematisch. Psychische Störungen dürfen nur von qualifizierten Psychotherapeuten oder Psychiatern mit einer entsprechenden Bewilligung des Kantons behandelt werden.» Diese hätten eine über zehnjährige Ausbildung absolviert und verfügten über einen eidgenössisch anerkannten Weiterbildungstitel.

Bei den Hypnosetherapeuten des SBVH sei dies nicht unbedingt der Fall, so Thüler: «Gemäss der Website
des SBVH reicht eine Ausbildung von 70 Stunden ohne Vorkenntnisse aus, um sich Hypnosetherapeut nennen zu können.» Für Patientinnen und Patienten mit ernsten psychischen Problemen seien solche «Hypnosetherapeuten» nicht die geeigneten Ansprechpartner.

Zürcher Regierungsrat trifft Massnahmen

Auch im Kanton Zürich nimmt der Bedarf an psychologischen und psychiatrischen Behandlungen seit einigen Jahren zu. Wie der Zürcher Regierungsrat in einer Mitteilung schreibt, hat sich die Lage aufgrund der Coronavirus-Pandemie akzentuiert: «Seit Ausbruch der Pandemie häufen sich die psychiatrischen und psychosomatischen Erkrankungen und es gibt eine starke Zunahme von Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen von Suizidversuchen auf den Notfallstationen behandelt werden müssen.»

Vor allem seit Herbst 2020 verzeichnen die Kinder- und Jugendpsychiatrien einen markanten Anstieg der Anfragen, die Tendenz sei nach wie vor steigend. Da dieser zusätzliche Bedarf an psychiatrischen Versorgungsleistungen nicht mehr mit den bestehenden Kapazitäten bewältigt werden könne und Kinder- wie Jugendpsychiatrien ambulant wie stationär überlastet seien, trifft der Regierungsrat nun Vorkehrungen: So werden vom Regierungsrat 7,9 Millionen Franken zur finanziellen Unterstützung zur Verfügung gestellt. Damit sollen zusätzliche stationäre und ambulante Kapazitäten bereitgestellt werden.

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