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Vorbild LuxemburgGratis-ÖV für Schüler, Lehrlinge und Studenten?

Linke Politiker fordern kostenlose oder stark vergünstigte ÖV-Abos für Studenten und Lehrlinge. Luxemburg macht es vor.

von
J. Büchi
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Freie Fahrt für alle unter 25? Geht es nach SP-Frau Bea Heim, sollen Schüler, Lehrlinge und Studenten künftig keine Zugtickets mehr lösen müssen.

Freie Fahrt für alle unter 25? Geht es nach SP-Frau Bea Heim, sollen Schüler, Lehrlinge und Studenten künftig keine Zugtickets mehr lösen müssen.

Keystone/Gaetan Bally
«Gerade die Erfahrungen in jungen Jahren prägen das spätere Verkehrsverhalten», argumentiert Heim (l.)

«Gerade die Erfahrungen in jungen Jahren prägen das spätere Verkehrsverhalten», argumentiert Heim (l.)

Keystone/Anthony Anex
Weniger weit geht Grünen-Präsidentin Regula Rytz. Es sei das falsche Signal, Abos gratis abzugeben. «Die Preise für Jugendliche in Ausbildung müssen aber gesenkt werden, zum Beispiel auf die Hälfte eines Erwachsenenabos.»

Weniger weit geht Grünen-Präsidentin Regula Rytz. Es sei das falsche Signal, Abos gratis abzugeben. «Die Preise für Jugendliche in Ausbildung müssen aber gesenkt werden, zum Beispiel auf die Hälfte eines Erwachsenenabos.»

Keystone/Walter Bieri

Luxemburger Studenten müssen künftig einen Budgetposten weniger stemmen: Ab nächstem Semester fahren unter 30-Jährige, die an einer Hochschule studieren, im Kleinstaat gratis Bus und Bahn. Dies verkündeten der Verkehrs- und der Hochschulminister des Landes letzten Freitag an einer gemeinsamen Pressekonferenz. Neben Studenten profitieren auch Schüler und junge Arbeitnehmer unter 20 Jahren.

In der Schweiz verfolgen Verkehrspolitiker das Projekt mit Interesse. Bea Heim, SP-Nationalrätin und Präsidentin der IG Öffentlicher Verkehr, würde es begrüssen, wenn die Schweiz dem Beispiel Luxemburgs folgen würde. Die Strassen würden entlastet, die CO2-Belastung ginge zurück, glaubt sie.

Einkommensabhängige Preise?

Vor allem aber handle es sich um eine sehr nachhaltige Massnahme, so Heim: «Gerade die Erfahrungen in jungen Jahren prägen das spätere Verkehrsverhalten.» Für sie ist deshalb klar, dass sich das Angebot nicht nur an Studenten richten dürfte: «Alle unter 25 Jahren sollten davon profitieren.»

Begeistert zeigen sich auch die Jungen Grünen: «Das entspricht unserer Forderung nach einkommensabhängigen ÖV-Preisen: Studenten, Lehrlinge und Menschen mit kleinem Einkommen sollen gratis Zug fahren dürfen», so Co-Präsident Luzian Franzini.

Zurückhaltender gibt sich die Mutterpartei. Die Abos gratis abzugeben, finde sie das falsche Signal, sagt Grünen-Chefin Regula Rytz. «Die Preise für Jugendliche in Ausbildung müssen aber gesenkt werden, zum Beispiel auf die Hälfte eines Erwachsenenabos.» Gerade, weil Bus und Bahn immer teurer würden, brauche es Anreize, um die Leute früh zur ÖV-Nutzung zu animieren.

St. Galler sagten schon Nein

SVP-Verkehrspolitiker Walter Wobmann spricht von einer realitätsfernen Forderung: «Wenn man beginnt, eine bestimmte Gruppe systematisch zu bevorzugen, dann wollen andere plötzlich auch Rabatte.» Die übrigen Verkehrsteilnehmer müssten im Gegenzug mehr bezahlen – das sei unfair. «Zum Glück hat die Linke mit dieser alten Platte keinerlei Erfolgschancen.»

Tatsächlich wurden ähnliche Vorstösse bereits in mehreren Kantonen diskutiert und verworfen. So schmetterte das St. Galler Stimmvolk 2012 die Volksinitiative «Gratis-ÖV für unter 25-Jährige» ab, auch im Tessin blieb eine entsprechende Petition der Studentengewerkschaft chancenlos.

Schon heute «attraktive Spezialangebote»

Für Studenten und Schüler gebe es bereits heute «attraktive Spezialangebote», hält Roger Baumann, Sprecher des Verbands öffentlicher Verkehr fest. Der Dachverband vertritt die Interessen der Schweizer Transportunternehmen. Das Generalabonnement erhalten Studenten zwischen 25 und 30 Jahren beispielsweise zum Juniorentarif – für 2650 statt 3860 Franken jährlich.

Die Forderung nach einer Kostenbefreiung einer bestimmten Gruppe stehe auch quer zum politischen Willen, so Baumann: «Schliesslich lautet das Gebot der Stunde von Bund und Parlament, dass sich die Verkehrsteilnehmer stärker an den Kosten beteiligen sollen, die sie selber verursachen.»

SP-Frau Bea Heim kennt in diesem Punkt keine Berührungsängste. Ihr schwebt eine Finanzierung über die Strassenkasse vor: «Schliesslich würde die Strasseninfrastruktur dank dem Angebot entlastet.»

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