«Das ist Diskriminierung» - Kostenlose Selbsttests gibt es nur noch für Ungeimpfte
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«Das ist Diskriminierung»Kostenlose Selbsttests gibt es nur noch für Ungeimpfte

Wer vollständig geimpft ist, kann keine kostenlose Selbsttests mehr beziehen. Geimpfte fühlen sich dadurch diskriminiert und auch Apotheker sind nicht glücklich.

von
Daniel Graf
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Die Corona-Schnelltests, die in der Apotheke erhältlich sind, sind für Geimpfte nicht mehr gratis. 

Die Corona-Schnelltests, die in der Apotheke erhältlich sind, sind für Geimpfte nicht mehr gratis.

20min/Michael Scherrer
Bisher konnten alle jeden Monat fünf solcher Tests gratis in einer Apotheke beziehen. 

Bisher konnten alle jeden Monat fünf solcher Tests gratis in einer Apotheke beziehen.

20min/Taddeo Cerletti
Jetzt hat das BAG die Strategie geändert: Geimpfte und Genesene müssen für Selbsttests bezahlen. 

Jetzt hat das BAG die Strategie geändert: Geimpfte und Genesene müssen für Selbsttests bezahlen.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Fünf kostenlose Selbsttests hat der Bundesrat im März versprochen – jetzt gilt das nicht mehr für alle.

  • Wer vollständig geimpft oder genesen ist, muss für seine Tests künftig bezahlen – fünf Tests kosten bis zu 60 Franken.

  • Geimpfte fühlen sich dadurch gegenüber Ungeimpften diskriminiert.

  • Auch ein Apotheker ist über den Entscheid des BAG nicht glücklich.

N.B.* (32) wollte kürzlich wie jeden Monat in der Apotheke ihre fünf Selbsttests abholen. An der Kasse dann die Überraschung: «Man sagt mir, dass Selbsttests nur noch für Ungeimpfte gratis seien. Für Geimpfte wurden die Kosten heimlich auf 60 Franken für fünf Tests festgesetzt», sagt B.

Das stösst ihr sauer auf: «Ich bin vollständig geimpft, möchte mich aber aus Sicherheitsgründen immer wieder mal testen lassen, weil ich das Virus immer noch bekommen und übertragen kann.» Frech findet B., dass die Bevölkerung nicht breit informiert worden sei.

«Frechheit, dass die Bevölkerung nicht informiert wurde»

Sie fühlt sich vom Staat veräppelt: «Das Konzept macht keinen Sinn. Ich arbeite im Gesundheitswesen und direkt an den Patienten, die sich nicht immer an die Regeln halten und teilweise auch krank zur Therapie kommen. Das bemerkt man nicht immer sofort und meine einzige Absicherung wäre, nach solchen Situationen einen Test machen zu können.» Dass sie diese jetzt selbst bezahlen müsse, könne sie nicht nachvollziehen.

Sie bemängelt weiter, dass diese Regelung ein Argument sei, auf die Impfung zu verzichten. «So bleiben die Tests gratis.» Auch für Geimpfte würde es laut B. aber Sinn machen, sich regelmässig zu testen.

«Geimpfte werden diskriminiert, das ist unfair»

Auch 20-Minuten-Leserin Monika Stirnemann (49) hat kein Verständnis für die neuen Regeln: «Ich arbeite im Detailhandel und habe dort viele Kundenkontakte. Bald haben wir ein Mitarbeiterfest und obwohl ich vollständig geimpft bin, ist nicht auszuschliessen, dass ich mich dort anstecke. Um andere zu schützen und das Virus nicht weiterzuverbreiten, würde ich mich im Anschluss gerne testen lassen.»

Dass sie die Kosten für die Tests nun selber bezahlen muss, findet sie nicht in Ordnung: «Ich will meinen Teil zur Bewältigung dieser Pandemie beitragen und werde dafür gegenüber Ungeimpften jetzt noch diskriminiert. Das ist nicht fair.»

«Kundinnen und Kunden ärgern sich»

Lukas Korner von der Apotheke Gränichen bestätigt: «Wir haben am vergangenen Donnerstag eine Mail vom Branchenverband pharmaSuisse erhalten, dass die Selbsttests für Geimpfte und Genesene ab Samstag nicht mehr gratis sind.» Das habe für Verwirrung gesorgt: «Es wird beispielsweise nicht ausgeführt, wer noch als genesen gilt. Ist das auch jemand, der vor zwölf Monaten an Corona erkrankt war?» Beim BAG habe er darauf keine Antwort erhalten.

Auch bei den Kundinnen und Kunden sorge die Regeländerung für Unmut: «Viele ärgern sich, dass sie die Selbsttests nun selber bezahlen müssen. Wir müssen ihnen dann erklären, dass das eine Weisung des BAG ist und wir nichts dafür können.»

BAG: «Wer geimpft ist, braucht keinen Selbsttest»

Das Bundesamt für Gesundheit bestätigt auf Anfrage, dass nur noch Ungeimpfte kostenlose Selbsttests beziehen können: «Für vollständig geimpfte und genesene Personen ist nur das Testen bei Symptomen und bei Kontakt zu positiven Fällen empfohlen. In solchen Fällen sind Selbsttests aber zu wenig sensitiv und wir empfehlen einen PCR-Test», sagt Mediensprecherin Simone Buchmann.

Auch im Falle des Mitarbeiterfests sei es nicht nötig, einen Test zu machen: «Wer geimpft ist, verfügt über einen sehr hohen Schutz», sagt Buchmann. Keine Antwort gibt das BAG auf die Frage, ob es zum Schutze anderer Sinn machen würde, sich trotz Impfung zu testen.

*Name der Redaktion bekannt

In diesen Fällen bezahlt der Bund

Der Bund übernimmt die Kosten von individuellen PCR-Tests in folgenden Fällen, wenn man sich aufgrund von Symptomen testen lässt, eine Meldung der Covid-App erhalten hat oder von einem Arzt oder einer Ärztin angewiesen wurde, sich testen zu lassen. Auch für organisierte gepoolte PCR-Testungen wie bei der Arbeit oder für ein Lager übernimmt der Bund die Kosten. Er bezahlt nicht, wenn man den PCR-Test für eine Reise benötigt.
Schnelltests bezahlt der Bund immer, vorausgesetzt, sie werden in einem Testzentrum, bei der Ärztin oder dem Arzt, in Spitälern oder Apotheken durchgeführt. Antigen-Selbsttests werden seit einer Woche nur noch Ungeimpften bezahlt und maximal fünf pro Monat.

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