Wirtschaftsstandort: Gratis-Tequila am Rheinfall?
Aktualisiert

WirtschaftsstandortGratis-Tequila am Rheinfall?

Ein grosser amerikanischer Tequila-Hersteller zieht nach Schaffhausen. Die tiefen Unternehmenssteuern im Kanton haben diesen Schritt begünstigt. Aber auch Barack Obama ist nicht ganz unschuldig daran.

von
Hermann-Luc Hardmeier

Patron Spirits International hatte bisher bereits eine Zweigniederlassung in Schaffhausen und verlegt nun den Hauptsitz von der Karibik in das kleine Städtchen am Rheinfall. Die Firma hat einen Börsenwert von 840 Millionen Franken und ist einer der grössten Hersteller von Wodka und Tequila.

Der Grund für den Umzug ist laut John McDonnell von Patron Spirits «die Nähe zum Flughafen Zürich, die Gastfreundschaft der Schaffhauser und die Nähe zur Wodkaproduktionsstätte in Polen».

Steuerliche Gründe

Das ist wohl nur die halbe Wahrheit. «Einer der Umzugsgründe für der Firma sind sicherlich steuerliche Überlegungen gewesen», sagt Marcus Cajacob von der Wirtschaftsförderung Schaffhausen. Die Schaffhauser Firmenbesteuerung kann sich nämlich seit 2008 durchaus mit jener von Zug messen.

Es gibt indes noch einen weiteren Aspekt: Gemäss Cajacob ist die Karibik für US-Konzerne durch die Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten unattraktiv geworden. «Karibische Staaten haben keine Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA, und dort angesiedelte Firmen werden unter Obama Probleme mit den Steuerbehörden bekommen», sagt der Schaffhauser Wirtschaftsföderer. «Obama will gegen solche Finanzoasen vorgehen. Die Schweiz hingegen verfügt über dieses Abkommen und wird dadurch für US-Firmen attraktiv», so Cajacob.

Tequila am Rheinfall?

Als die Meldung über den Umzug der Firma in Schaffhausen bekannt wurde, schossen sogleich grosse Erwartungen der Schaffhauser in die Höhe. Ein Blogger schrieb, dass er sich Gratis-Tequila für alle Schaffhauser am Silvester wünsche. Ein anderer designte bereits eine Tequila-Etikette mit dem Rheinfall. John McDonnel von Patron Spirits muss diese Erwartungen jedoch enttäuschen: «Wir planen keine Produktionsstätte in Schaffhausen. Wir verlegen lediglich unsere Finanzverwaltung in die Schweiz.» Laut Marcus Cajacob wird dieses Büro lediglich zwei bis drei Mitarbeiter umfassen und in der Nähe des Bahnhofs domiziliert sein.

Wenig traurig über diese Mitteilung ist Marcel Jenni von der Sucht- und Drogenberatung (S+D) in Schaffhausen: «Wir haben ja bereits viele Weinbauern und die Falkenbier-Brauerei hier. Wir müssen ja nicht gleich ein Mekka für Alkoholproduktionsstätten werden.» Auch wenn es Jenni letztlich «um die Frage des Konsums, nicht um die Frage der Produktion» geht.

Auf Gratis-Tequila an der nächsten Silvesterparty besteht indes vielleicht trotz allem Hoffnung. Denn John McDonnell von Patron Spirits verspricht: «Wir freuen uns sehr, nach Schaffhausen zu ziehen, und wollen die Menschen mit unseren Produkten bekannt zu machen.»

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