Martin Steuble: Gratis-Tore für Xamax
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Martin SteubleGratis-Tore für Xamax

Martin Steuble geht siebenmal pro Woche ins Training und schoss am Weekend ein Tor. Für seinen Verein Xamax Neuchâtel ist das alles gratis. Die unglaubliche Geschichte eines fussballverrückten Juniors.

von
Reto Fehr

Die Journalisten im Letzigrund warteten nach dem Schlusspfiff bei der Partie GC gegen Xamax vergeblich auf Xamax-Torschütze Martin Steuble. Martin Steuble hatte bei seiner glorreichen Rückkehr nach Zürich den 1:1-Ausgleich erzielt. Doch Interviews gab es vom 20-Jährigen keine – und überhaupt hört man Steuble nur selten reden. Er kommt, bringt in jedem Training und jedem Match seine Leistung und geht wieder. Selbst für das Matchprogramm von Xamax lehnte er ein Gespräch ab. Jetzt wurde bekannt: Steuble besitzt noch immer keinen Vertrag bei den Neuenburgern. Er trainiert und schiesst die Tore gratis. Im «Le Matin» wurde spekuliert, er würde sich aufgrund dieser vertragslosen Situation nicht äussern, doch das ist falsch.

Finanzielle Entschädigung war nie ein Thema

Sportchef Alain Geiger stellt klar: «Martin redet grundsätzlich nicht viel. Er sprach nie mit uns über eine finanzielle Entschädigung und auch als er in den Profikader aufgenommen wurde, wollte er zunächst einmal seine Leistung bringen.» Aber klar ist auch: Steuble ist für Xamax qualifiziert und daher nicht einfach so in der Lage, den Verein zu wechseln. Xamax wird vom Reglement geschützt, um sein Talent nicht sofort wieder zu verlieren. «Martin kann jederzeit zu mir kommen – und das weiss er auch», hält Geiger noch einmal fest – doch Steuble kam nicht. Nicht er, nicht sein Vater und erst recht nicht ein Spieleragent. Auch gegenüber 20 Minuten Online wollte er keine Stellung beziehen.

Bei GC und dem FCZ nicht erfolgreich

Seine Juniorenzeit verbrachte Martin Steuble teilweise bei den Grasshoppers und dem FC Zürich. Doch weder in Niederhasli noch in Brunau erkannte man das Talent des Angreifers mit dem starken linken Fuss. Bei Talentförderung geht es nicht nur um die Technik, sondern auch um die richtige Einstellung zum Sport. Im Fall von Steuble erkannte dies Adrian Ursea, Nachwuchschef von Neuchâtel Xamax. In Neuenburg unternahm man alles, um Steuble zu testen und in die Westschweiz zu locken: Eigens für ihn organisierte man in der Nähe von Zürich ein Testspiel. Ursea bestätigte dies gegenüber 20 Minuten Online: «Martin schien schon gescheitert zu sein, aber er hat nochmal eine Chance bekommen und sie auch zu nutzen gewusst.»

Noch immer kein Vertrag

Der junge Martin wechselte also zu Xamax und konnte sich auf seine Familie verlassen. Seine Eltern besorgten ihm eine Wohnung und halfen bei allen Schritten des Sprösslings tatkräftig mit. Der Vereinsübertritt klappte und Steuble trug fortan das rot-schwarze Dress von Xamax. Vom Verein gab es aber keine offizielle Information mehr. Weder nach seiner Unterschrift auf dem SFV-Übertrittsgesuch noch bei der Aufnahme in den Profikader. Denn Nestor Clausen erkannte im Sommer 2008 das Potenzial des Zürchers und nahm Steuble mit in den Kader auf. Seine ersten zwei Einsätze in der Axpo Super League beliefen sich auf wenige Minuten. Am vergangenen Wochenende kam er erstmals eine Halbzeit lang zum Einsatz und erzielte dabei sein erstes Tor. Vielleicht bleibt er jetzt durch seine gestiegene Bekanntheit nicht mehr länger der einzige Frondienst-Spieler der Axpo-Super-League.

Jugendliche Naivität

Der Profisport, insbesondere im Fussball, funktioniert nach seinen eigenen Gesetzen. Die Super League als Hobby zu betrachten, ist unmöglich. Es ist knallharter Sport und strukturiertes Business. Martin Steuble lebt jedoch sein eigenes Leben in seiner eigenen Welt. Keine Interviews, kein Vertrag, keine Gespräche. Eine Situation, die sich dringend ändern muss, wenn er in der Welt des Profisports nicht untergehen will. Sein Vater könnte helfen, indem er die Zahlungen für seinen Sohn einstellt oder gar selbst ein Gespräch mit dem Xamax-Sportchef sucht. Auch ein Spieleragent könnte Abhilfe schaffen. Oft bedeuten diese Agenten nur unnötige Kosten für die Spieler, doch einer Persönlichkeit wie Martin Steuble könnte eine Agentur sinnvolle Hilfe leisten. Die Frage bleibt also: Wie lange kann sich Steuble in seiner eigenen Welt noch verstecken?

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