Biberbrugg und Kriens: Gratis-Zigis beruhigen gestresste Häftlinge
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Biberbrugg und KriensGratis-Zigis beruhigen gestresste Häftlinge

U-Haft-Insassen sind nicht zum Arbeiten verpflichtet und können sich darum keine Zigis leisten. Gefängnisse schaffen da Abhilfe – aus Sicherheitsgründen.

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jak/pz
Im Gefängnis in Biberbrugg werden Gefangenen, die sich in Untersuchungshaft befinden, Zigaretten spendiert.

Im Gefängnis in Biberbrugg werden Gefangenen, die sich in Untersuchungshaft befinden, Zigaretten spendiert.

SSB

Im Kantonsgefängnis in Biberbrugg werden den Insassen bis zu sechs Zigaretten pro Tag spendiert – auf Staatskosten. Dies berichtet der «Bote der Urschweiz» am Montag. Solche Massnahmen seien für die Sicherung der Disziplin im Gefängnis nötig, heisst es weiter.

Tatsächlich wirke sich diese Handhabung positiv auf die Stimmung und die Situation im Gefängnis aus, wie Armin Bründler, Leiter des Gefängnisses in Biberbrugg gegenüber 20 Minuten bestätigt: «Oft kann eine einzige Zigarette eine heikle Situation entschärfen.» Die Methode habe sich im Biberbrugger Gefängnis bis anhin sehr gut bewährt. Laut Bründler wird sie immerhin schon seit der Inbetriebnahme des Kantonsgefängnisses angewendet. «Ich bin überzeugt, dass wir mehr Probleme hätten, wenn das Rauchen komplett untersagt würde», so Bründler.

Wer Geld hat, muss selbst bezahlen

Gratis-Zigaretten werden jedoch nur an mittellose Gefangene abgegeben. Das heisst: Nur Inhaftierte in der Untersuchungshaft können von diesem Angebot profitieren, da bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung gelte und sie deshalb nicht zur Arbeit verpflichtet seien. Davon ausgenommen seien aber diejenigen Häftlinge, die über das nötige Geld verfügen. Sie müssten ihre Zigis selbst bezahlen. Bründler: «Insassen im Strafvollzug hingegen sind zur Arbeit verpflichtet und können sich demnach selber Raucherwaren kaufen.»

Ähnlich läuft es im Gefängnis Grosshof in Kriens. Die mittellosen Gefangenen erhalten dort laut dem Dienstleiter für Militär, Zivilschutz und Justizvollzug, Stefan Weiss fünf Zigaretten am Tag. Im Unterschied zum Gefängnis Biberbrugg gibts die Zigis dort aber nur auf Kredit: «Die effektiven Kosten werden den Gefangenen belastet und bei späterer Arbeitsaufnahme mit dem Arbeitsentgelt oder mit Bargeldabgaben verrechnet», so Weiss. Im Gefängnis Grosshof werde dieses Vorgehen seit über 15 Jahren praktiziert und die Erfahrungen damit seien sehr gut.

Positive Auswirkungen auf die psychische Befindlichkeit

Ein Befürworter der Gratis-Zigis ist auch der forensische Psychiater Andreas Frei: «Ohne geht es nicht», betont er. Laut Frei sei der Glimmstängel für Häftlinge absolut wichtig. «Er wirkt sich positiv auf die psychische Befindlichkeit aus.» Die Gefängnisinsassen seien tagsüber oft alleine – eine Zigarette könne da für etwas Abwechslung im grauen Alltag sorgen. «Den Gefangenen den Zigarettenkonsum zu verbieten halte ich für keine gute Idee, gerade in Stresssituationen helfen diese den Häftlingen und tragen wesentlich zur Beruhigung bei.»

Keine Freude an der Zigi-Abgabe hat die Lungenliga: Diese hat zwar Verständnis für die Praxis in den Strafanstalten. Aber: «Eine Förderung des Rauchens, die unseren Präventionsbemühungen entgegenläuft, können wir natürlich nicht gutheissen», sagt der Geschäftsführer der Lungenliga Schwyz zum «Boten».

Keine Gratis-Zigaretten im Bostadel

In der Strafanstalt Bostadel in Menzingen im Kanton Zug herrscht eine etwas andere Regelung, da es sich dort nämlich um kein Untersuchungsgefängnis wie in Biberbrugg und Kriens handle. «Bei uns müssen die Gefangenen alle arbeiten», so Gefängnisdirektor Andreas Gigon. Es könne in diesem Sinne also keine mittellosen Gefangenen und damit keine Gratis-Zigis geben.

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