Free-to-Play: Gratisgames sorgen für dicke Brieftaschen
Aktualisiert

Free-to-PlayGratisgames sorgen für dicke Brieftaschen

Free-to-Play lautet das neue Zauberwort der Gamebranche. Im ersten Teil einer Serie lesen Sie, wie Free-to-Play die herkömmlichen Multiplayer-Games überholt hat.

von
Jan Graber

Was war die Verachtung gross. Als vor ein paar Jahren das Wort Free-to-Play (F2P) die Runde machte, rümpften viele Gamer die Nase; sie konnten sich darunter allenfalls billig gemachte Browsergames für Gelegenheitsspieler vorstellen, nicht aber hochwertige Spiele. Viele zeigten F2P deshalb die kalte Schulter.

1,6 Milliarden Dollar Einnahmen

Aber nicht alle: F2P hat sich zu einem erfolgreichen Vertriebsmodell gemausert, um das vor allem Online-PC-Spieler nicht mehr herumkommen. Wo Gamer einst für Online-Spiele wie «Everquest» oder «World of Warcraft» monatliche Abogebühren zahlten, zocken heute Millionen gratis «League of Legends», «World of Tanks» oder das in den USA beliebte «Dota 2». In nur fünf Jahren hat sich Free-to-Play laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Superdata Research zu einer ernst zu nehmenden Grösse entwickelt.

Geld wird bei F2P mit zusätzlichen Inhalten gemacht: individuelle Outfits für die Helden, zusätzlich Waffen, Wiederbelebungspakete und Extra-Level kosten Geld. Wer jeden zusätzlichen Inhalt eines Spiels will, blättert oft mehr hin, als er für ein vollständiges Blockbuster-Game ausgeben würde. Zwischen 2007 und 2012 haben sich die Ausgaben der F2P-Spieler laut Superdata Research verfünffacht. Mittlerweile kommen bei Massive-Multiplayer-Online-Games 60 Prozent der Einnahmen von F2P-Games. Im Jahr 2012 ist das Einkommen auf rund 1,6 Milliarden Dollar gewachsen.

Europäer sind sparsamer

Gemäss Studie generieren erfolgreiche Games pro Spieler monatlich zwischen 20 und 30 Dollar. Allein in den USA spielen 46 Millionen Spieler Free-to-Play-Spiele. Auch in Europa nutzt nur noch einer von zwölf MMO-Spielern das alte Bezahlmodell. Europäische Spieler sind laut Studie allerdings sparsamer: Sie geben durchschnittlich 16 Dollar pro Monat aus.

Allerdings werden F2P-Spieler zahlungsfauler: Während es 2007 noch zweieinhalb F2P-Spieler brauchte, um auf denselben Ertrag wie für ein Online-Abospiel zu kommen, waren es 2012 deren vier. Sprich: Mehr Gamer spielen Free-to-Play, greifen aber jeweils weniger tief in die Tasche. Da die Fanbasis aber enorm wächst, machen F2P-Spiele den Pay-to-Play-Geschwistern den Platz streitig. Das Durchschnittsalter der Free-to-Play-Spieler beträgt laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Eedar zudem 36 Jahre, etwa zehn Prozent der Spieler gehören laut Superdata Research zu den sogenannten Walen («Whales»), die in ihrem Gamerleben über 1000 Dollar liegen lassen.

Highend-Entwickler mischen mit

Joost van Dreunen, CEO von Superdata Research, ist deshalb vom Free-to-Play-Modell überzeugt: «Wir glauben, dass das Free-to-Play-Segment enormes Potenzial hat, da es ein viel grösseres Publikum [als herkömmliche Games] anspricht.» Als aktuelles Beispiel nennt er Deutschland, wo Spieler im September 58,3 Millionen Dollar ausgegeben haben - gegenüber den im Vorjahr ausgegebenen 34 Millionen ein Wachstum von rund 80 Prozent.

Das Erfolgsmodell führt dazu, dass mittlerweile auch High-End-Produzenten von klassischen Konsolen- und PC-Games mitmischen. So hat der deutsche Egoshooter-Entwickler Crytek («Far Cry», «Crysis») kürzlich «Warface» lanciert, einen F2P-Online-Egoshooter, der gratis über ein Browser-Plugin gespielt werden kann. Mit Geld können individuelle Waffen, Wiederbelebungspakete und Ähnliches gekauft werden. Crytek-Geschäftsführer Faruk Yerli gibt gegenüber 20 Minuten zwar zu, dass damit das traditionelle Geschäftsmodell untergraben werde. «Es wird aber weiterhin AAA-Titel geben, einfach mit einem neuen Businessmodell», zeigt er sich überzeugt. Auch Crytek sehe in Free-to-Play ein stark wachsendes Segment, das über die PC- und Mobile-Plattformen hinweg Zuspruch finde.

Lesen Sie im zweiten Teil zu Free-to-Play das vollständige Interview mit Crytek-Geschäftsführer Faruk Yerli.

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