Einige Länder tabu: Greenpeace zieht Lehren aus Russland-Debakel
Aktualisiert

Einige Länder tabuGreenpeace zieht Lehren aus Russland-Debakel

Die Verhaftung von 30 Aktivisten in Arktis war für Greenpeace ein Schock. Man will die Risiken solcher Operationen besser prüfen – und eine Schwarze Liste mit Ländern erstellen.

Russland hat mit ungewohnter Härte auf eine Greenpeace-Aktion im September reagiert. In der Umweltorganisation wird nun über die Risiken solcher Operationen diskutiert - mit der Folge, dass sich Greenpeace in einigen Ländern künftig wohl zurückhalten dürfte.

Bei der Erstürmung einer Ölplattform in der Barentsee waren vor rund zwei Monaten 30 Personen festgenommen worden, der Grossteil von ihnen Greenpeace-Aktivisten. Russland erhob Anklage wegen «Rowdytums» und Piraterie. Die meisten - darunter der Schweizer Marco Weber - kamen erst im Verlauf dieser Woche gegen eine Kaution von jeweils zwei Millionen Rubel (rund 56'000 Franken) auf freien Fuss.

Eine so harte Reaktion der russischen Behörden hatte Greenpeace nicht erwartet. Dass «derart massive Strafbestände konstruiert werden, ist schon einmalig», sagt Cécile Bühlmann, Stiftungsratspräsidentin von Greenpeace Schweiz, im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag».

«Sicher werden wir aus dem Erlebten Lehren ziehen müssen», sagt sie. «Wir werden innerhalb Greenpeace International darüber diskutieren, welche Risiken wir künftig eingehen möchten.» Das Thema wird auch beim Vorstandstreffen der 30 nationalen und regionalen Greenpeace-Büros in Spanien im kommenden Mai besprochen.

Greenpeace bereut Besetzung nicht

Ein grundsätzliches Umdenken findet aber nicht statt. «Ich bedauere den Ausgang, aber nicht die Aktion an sich», sagt Bühlmann zur Besetzung der Ölplattform. Sie könne sich nicht vorstellen, dass Greenpeace auf heikle Aktionen ausserhalb der westlichen verzichten werde.

Aufgrund der «neuen Erfahrung» werde die Organisation aber «in gewissen Ländern besonders vorsichtige Risikoabwägungen machen». In China könne man nicht die gleichen Aktionen durchführen wie in der Schweiz. Auch müsste man vielleicht die Aktivisten darauf hinweisen, dass die Folgen nicht abschätzbar seien.

Gemäss Bühlmann kam die Aktion in Russland «teurer zu stehen als kalkuliert», weswegen ein Solidaritätsaufruf an die einzelnen Länderbüros ergangen sei. «Für uns ist am Wichtigsten, dass unsere Leute freigesprochen werden», so die Stiftungsratspräsidentin. Die materiellen Sorgen stünden aber nicht im Vordergrund - der Vorfall koste Geld, «aber deswegen müssen wir sicher nicht unser Büro schliessen». (sda)

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