01.11.2019 03:50

Autofahrer verärgert

Greifen neue Parkuhren zu stark in Privatsphäre ein?

Die Stadt Olten hat jetzt neue Parkuhren. Diese müssen mit dem eigenen Auto-Kennzeichen «gefüttert werden». Dies führt zu Diskussionen.

von
rc
1 / 4
Die neuen Parkuhren führen in Olten zu Diskussionen.

Die neuen Parkuhren führen in Olten zu Diskussionen.

Stadt Olten
Neu muss im System das Autokennzeichen angegeben werden.

Neu muss im System das Autokennzeichen angegeben werden.

Keystone/Ennio Leanza
In Zukunft soll man an Parkuhren auch via App bezahlen können.

In Zukunft soll man an Parkuhren auch via App bezahlen können.

Keystone/urs Flueeler

In der Stadt Olten treffen Autofahrer seit kurzem auf neue Parkuhren. Anders als bei den alten Modellen können die Lenker an den neuen Geräten auch mit Kreditkarten bezahlen. Dafür muss jedoch das eigene Kennzeichen im System eingegeben werden. Das Parkticket wird also neu nicht mehr auf Papier gedruckt und im Auto deponiert, sondern digital mit dem Kennzeichen des jeweiligen Autos abgespeichert.

Dies scheint den Oltnern nicht zu passen. Die technische Erneuerung führte schon während der Testphase vor einem Jahr zu heftigen Diskussionen zum Thema Datenschutz. In der vergangenen Woche wurden die neuen Parkuhren nun definitiv eingeführt. Zeitgleich begannen auf Social-Media-Plattformen auch wieder die Debatten über die Notwendigkeit dieser Hightech-Registriergeräte.

Massenüberwachung oder Datenschutz-Panik?

In der Facebook-Gruppe «Olten» etwa wird derzeit heftig darüber debattiert, ob das neue System Sinn macht oder die Eingabe der Autonummer nicht eher der erste Schritt in Richtung Massenüberwachung ist. «In Zukunft werden alle Daten der Bürger gesammelt – Daten von Facebook, Whatsapp, Kreditkarteninformationen und auch die Daten von Parkuhren», wettert ein Facebook-User. Er befürchtet, dass man so in Zukunft je nach Einkommen womöglich mehr für einen Parkplatz bezahlen muss als beispielsweise ein Nachbar, der weniger verdient.

Andere User weisen daraufhin, dass dieses System in anderen Kantonen bereits weit verbreitet ist. Viele finden die Bedenken der Kritiker übertrieben: «Wieso gegen eine Parkuhr Sturm laufen, wenn man rund um die Uhr via Handy geortet werden kann?», fragt ein Facebook-User in die Gruppe.

Keine Bedenken seitens der Stadt

Ähnlicher Meinung ist auch Markus Dietler, Stadtschreiber von Olten: «Wenn man bedenkt, wie viele Daten ein Mensch täglich hinterlässt, ist dies bei einer Parkuhr nicht weiter problematisch.» Die Daten würden lediglich zeigen, an welchem ungefähren Ort ein Auto zu einer bestimmten Zeit stand: «Es wird weder festgehalten, wer die Person im Auto war, noch was diese gemacht hat.» Ausserdem würden die Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Die Neuerungen würden auch Vorteile bringen: «Wenn man beispielsweise nur einen Fünfliber dabei hat, wird das Restgeld über die Maximalparkdauer hinaus neu auf dem Kennzeichen des Autos gespeichert und kann wiederverwendet werden.»

Die neuen Parkuhren seien laut Dietler nötig gewesen: «Unsere bisherigen Parkuhren waren relativ alt.» Und zwar so alt, dass der Kalender, der in den Parkuhren gespeichert war, Ende Jahr auslaufe. «Ausserdem gibt es für die Software der alten Parkuhren keine Updates mehr», sagt Dietler. Deswegen sei man gezwungen gewesen, neue Parkuhren anzuschaffen beziehungsweise die bestehenden aufzurüsten.

Merkblatt

Die Stadt Olten nimmt die Bedenken der Kritiker dennoch ernst, gibt aber gleichzeitig öffentlich Entwarnung. Diesbezüglich werde die Stadt in den kommenden Tagen ein Merkblatt herausgeben, in dem klipp und klar steht:«Der Datenschutz wird gemäss der kantonalen Gesetzgebung eingehalten.»

Fehler gefunden?Jetzt melden.