Aktualisiert 02.11.2011 15:16

Finanzkrise

Greift die US-Notenbank ein?

Mit Spannung wird eine Entscheidung des US-Notenbank-Chefs Ben Bernanke über mögliche neue geldpolitische Massnahmen erwartet. Viele Optionen hat die Fed allerdings nicht mehr.

Hat Fed-Chef Ben Bernanke überhaupt noch Pfeile im Köcher?

Hat Fed-Chef Ben Bernanke überhaupt noch Pfeile im Köcher?

Ben Bernanke, Chef der Fed, will nach der Sitzung in einer Pressekonferenz am Mittag (Ortszeit) in Washington bekannt geben, ob die Fed Massnahmen beschlossen hat. Experten gehen davon aus, dass die Fed sich in Anbetracht einer leichten Konsolidierung der US-Konjuktur mit Eingriffen zurückhalten wird. «Die Chancen stehen 50 zu 50», sagte Wirtschaftsprofessor Brian Bethune vom Amherst College in Massachusetts. «Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Konjunktur erholt, aber noch haben wir eine sehr schwache Wirtschaft.»

Die Entscheidung fällt nach einer zweitägigen Klausurtagung der Währungshüter, während der die Finanzmärkte in den USA kräftig durchgerüttelt worden waren. Die Kurse reagierten empfindlich auf die überraschende Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, das EU-Rettungspaket durch eine Volksabstimmung bestätigen zu lassen.

«Fed reagiert nicht auf Probleme Europas»

Laut David Jones von DMJ Advisors würde die Entwicklung in Europa aber keinen massgeblichen Einfluss auf die Entscheidung der Notenbank haben. «Die Fed wird nicht auf die Probleme Europas reagieren, es sei denn, dass sie eine signifikante Schwächung der US-Konjunktur hervorrufen», sagte Jones.

Der ehemalige Chefvolkswirt von Standard & Poor's, David Wyss, vermutete, dass die Notenbank keine Massnahmen beschliessen würde, auch deshalb, weil sie nicht mehr viele Optionen hat. «(Die Banker) wissen, dass ihnen langsam die Werkzeuge ausgehen, und so lange sie nicht unbedingt müssen, werden sie keins davon anwenden», sagte Wyss. In den ersten sechs Monaten des Jahres hatte die US-Konjunktur bei einem Wachstum von 0,9 Prozent nahezu stagniert. Immerhin war das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal wieder auf 2,5 Prozent gestiegen.

Eine Entscheidung gegen geldpolitische Massnahmen würde der Notenbank auch mehr Zeit verschaffen, um zu überprüfen, ob ihre Eingriffe im September den gewünschten Effekt erzielt haben. Bei ihrem vorigen Treffen vor sechs Wochen hatte die Fed beschlossen, die Zinsen auf zehnjährige Schatzwechsel von 1,93 auf 1,87 Prozent zu senken und 400 Milliarden Dollar (293 Milliarden Euro) von kurzfristigen Schuldverschreibungen in langfristige Papiere umzuschichten.

(dapd)

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