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Erstmals in der SchweizGrenchen erlässt Burka-Verbot

Wer sich in der Stadt Grenchen SO an die Einwohnerkontrolle oder die Steuerverwaltung wendet, darf nicht mit einer Burka verschleiert sein. Diese Weisung hat der Grenchner Stadtpräsident Boris Banga (SP) nach einem Vorfall mit einer Schweizer Doppelbürgerin erlassen.

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rub/amc

Der Stadtpräsident von Grenchen, Boris Banga (SP), hat die Nase voll: Ab sofort dürfen auf der Stadtverwaltung keine verschleierten Personen mehr bedient werden. Auslöser für die Weisung sei eine 19-jährige mit einer Burka verhüllte schweizerisch-marokkanische Doppelbürgerin gewesen, die sich am Donnerstag und Freitag auf der Stadtverwaltung anmelden wollte, wie der Lokalfernsehsender «Tele M1» berichtete.

Die junge Frau sei am Donnerstag in Begleitung ihres marrokanischen Vaters auf der Stadtverwaltung erschienen und weigerte sich, ihr Gesicht zu zeigen. Sie sei komplett verhüllt gewesen - inklusive bandagierten Händen. Es sei vereinbart worden, einen neuen Termin auszumachen. «Als der Chef der Einwohnerkontrolle bei der Familie anrief, hängte die Tochter ihm das Telefon ab», sagt Stadtpräsident Banga gegenüber 20 Minuten Online. Nur Frauen dürfen mit ihr verkehren.

Am Freitagmorgen habe sich die Frau dann in einem seperaten Raum gegenüber zwei Beamtinnen von der Polizei und der Einwohnerkontrolle enthüllt, damit sie identifiziert werden konnte. Sogar die Vorhänge hätten in dem Zimmer gezogen werden müssen.

Weil er nicht gewusst habe, wie ihr Vater reagieren werde, habe er für den Freitag zwei Polizisten der Stadtpolizei Grenchen aufgeboten, hielt Banga fest. Es habe aber keine Probleme gegeben.

«Bei uns ist drei Tage Fastnacht, dann ist schluss»

«Der Fall hat mir zu Denken gegeben», sagt Banga gegenüber 20 Minuten Online. Es gehe auch um die Sicherheit seiner Beamten. Unter der Verschleierung könnte ja irgendjemand sein. «Bei uns ist drei Tage Fastnacht, dann ist schluss», sagt Banga. Solche umtriebigen Fälle dürften sich nicht wiederholen. Der ehemalige SP-Nationalrat überlegt sogar, ob Anzeige gegen die Frau eingereicht werde.

Für die Stadtverwaltung Grenchen gilt nun jedenfalls die Weisung, keine mit Burka verschleierten Frauen mehr zu bedienen. Bei amtlichen Geschäften müsse man erkennen, wer man vor sich habe. Ob nur Burkas oder auch Gesichtsschleider vom Verbot betroffen sind, blieb zunächst unklar. (rub/amc/sda)

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