Brandkatastrophe in London: Grenfell-Opfer bekommen Luxus-Wohnungen
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Brandkatastrophe in LondonGrenfell-Opfer bekommen Luxus-Wohnungen

Die britische Regierung will 68 Familien des ausgebrannten Grenfell Towers in einer schicken Wohnsiedlung unterbringen — zum Unmut vieler betuchter Bewohner.

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Im Londoner Viertel Kensington wird eine Luxuswohnsiedlung gebaut. Am 21. Juni 2017 kündigte die britische Regierung an, dort 68 Wohnungen erworben zu haben.

Im Londoner Viertel Kensington wird eine Luxuswohnsiedlung gebaut. Am 21. Juni 2017 kündigte die britische Regierung an, dort 68 Wohnungen erworben zu haben.

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Darin sollen die Familien – insgesamt 250 Personen – einziehen, die beim Brand des Grenfell Towers ihr Zuhause verloren haben.

Darin sollen die Familien – insgesamt 250 Personen – einziehen, die beim Brand des Grenfell Towers ihr Zuhause verloren haben.

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Die britische Regierung hat 68 Appartments im umgerechnet 2,47 Milliarden Franken teuren Wohnblock Kensington High Street gekauft.

Die britische Regierung hat 68 Appartments im umgerechnet 2,47 Milliarden Franken teuren Wohnblock Kensington High Street gekauft.

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Die Regierung in London hat neue Wohnungen für den grössten Teil der ehemaligen Bewohner des ausgebrannten Hochhauses Grenfell Tower in London gefunden. Staatssekretär Sajid Javid erklärte britischen Medien, die Regierung habe 68 Apartments in einem umgerechnet 2,47 Milliarden Franken teuren Wohnblock im Stadtteil Kensington gekauft.

Es handelt sich dabei um 1-, 2- und 3-Zimmer-Wohnungen im edlen Wohnkomplex High Street Kensington. Laut «Daily Mail» verfügt die Anlage über Privatkino, Fitnessraum, Swimmingpool und 24-Stunden-Concierge. Darin sollen jetzt Sozialwohnungen entstehen. Die 68 Wohnungen wurden für einen Gesamtpreis von umgerechnet 12,5 Millionen Franken erworben.

So sieht es im Grenfell Tower aus

Polizei veröffentlicht Aufnahmen des ausgebrannten Grenfell-Towers. (Video: Tamedia/Metropolitan Police)

«Egoistische» Bewohner von Kensington High Street

«Ich will diese Leute nicht hier», war die Reaktion von Anna, einer Bewohnerin Mitte 60, gegenüber dem «Telegraph», als sie von den neuen Nachbarn erfuhr. «Es können doch nicht alle in diesen Teil von London umgesiedelt werden!»

«Es ist so unfair», sagt auch Bewohnerin Maria zum «Guardian». «Ich habe so hart gearbeitet, um mir eine Wohnung in Kensington zu leisten. Jetzt kommen diese Leute einfach hierher und müssen nicht einmal Nebenkosten bezahlen.»

Eine andere Frau, die anonym bleiben möchte, zeigte sich über «die egoistischen Reaktionen» ihrer Nachbarn empört. «Sie sagen: ‹Habt ihr gehört, dass diese arbeitslosen Menschen jetzt Luxuswohnungen bekommen sollen?› Einige meiner Nachbarn wollen sie nicht unter uns haben. Sie behaupten, dass diese Leute den Staat ausnutzen, während sie 5000 Pfund (umgerechnet 6200 Franken) pro Monat bezahlen, um hier zu wohnen. Aber haben denn diese Menschen nicht schon genug durchgemacht?», fragt sich die Frau.

Kein Pool-Zugang für Grenfell-Opfer

Die grosse Aufregung ist unbegründet — zumal laut «Telegraph» die Opfer des Hochhausbrandes in zwei separaten Häusern ohne luxuriöse Einrichtung untergebracht werden. Ein Sprecher des Bauunternehmens bestätigte, dass die neuen Wohnungen, die bis Ende Juli fertiggestellt werden sollen, nur mit einer Standardeinrichtung ausgestattet werden. Ausserdem bekommen die Grenfell-Opfer keinen Zugang zum Pool oder zum Fitnessraum.

«Ich verstehe nicht, wo das Problem liegt», meint ein Bewohner. «Wir sind doch alle Menschen. Ich glaube, einige der Bewohner scheuen Änderungen, aber indem wir uns verändern und Leute aus anderen Kulturen treffen, wachsen wir als Menschen.»

Ein Sprecher der Londoner Stadtverwaltung erklärte, dass nur Mieter von Sozialwohnungen im Grenfell Tower umgesiedelt werden. Wohnungsbesitzer oder Mieter privater Wohnungen haben kein Anrecht auf eine Wohnung im Komplex Kensington High Street.

Zusätzliche Überprüfungen an Hochhäusern

Unterdessen hat die Brandkatastrophe weitere Konsequenzen: Laut Angaben der Regierung vom Donnerstag haben rund 600 Hochhäuser allein in England eine ebenso leicht entzündbare Fassadenverkleidung wie der ausgebrannte Grenfell Tower. Die Hausverwaltungen sollen jetzt zusätzliche Brandschutz-Überprüfungen vornehmen.

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