Nach Anschlag in Tunis: Grenzbeamte nehmen weiteren Verdächtigen fest
Aktualisiert

Nach Anschlag in TunisGrenzbeamte nehmen weiteren Verdächtigen fest

Nach dem Attentat auf das Nationalmuseum in Tunis im März ist erneut ein Verdächtiger gefasst worden. Er wollte von Libyen nach Tunesien einreisen.

Polizisten bewachen das Nationalmuseum einen Tag nach dem Anschlag (Archivbild 19.März 2015).

Polizisten bewachen das Nationalmuseum einen Tag nach dem Anschlag (Archivbild 19.März 2015).

Zehn Wochen nach dem Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis mit 22 Todesopfern ist ein weiterer Verdächtiger gefasst worden. Ein Marokkaner wurde am Sonntag bei der Wiedereinreise von Libyen nach Tunesien an einem Grenzposten festgenommen.

Er werde verdächtigt, «indirekt» an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein, teilte das Innenministerium in Tunis am Donnerstag mit. «Der Marokkaner war von den tunesischen Sicherheits- und Justizorganen zur Fahndung ausgeschrieben», fügte ein Ministeriumssprecher hinzu. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Marokkaner bei Mailand festgenommen

Erst in der vergangenen Woche war ein 22-jähriger Marokkaner in der Nähe von Mailand festgenommen worden, der logistische Aufgaben im Zusammenhang mit dem Anschlag versehen haben soll. Tunesien hat seine Auslieferung beantragt. Offenbar war der junge Mann illegal als Flüchtling nach Italien gekommen.

Das Innenministerium in Tunis hatte vor einer Woche erklärt, dass zwei Marokkaner und ein Algerier «mit indirektem Zusammenhang» zu dem Anschlag gesucht würden. Sie hätten «den Angreifern geholfen».

Regierung macht Okba Ibn Nafaa verantwortlich

Zwei bewaffnete Männer hatten am 18. März das Nationalmuseum in Tunis angegriffen und dabei 21 Touristen aus Australien, Belgien, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kolumbien, Polen, Russland und Spanien sowie einen tunesischen Polizisten getötet. Zunächst schossen sie vor dem Gebäude auf die Touristen, später nahmen sie im Gebäude Geiseln. Erst nach mehreren Stunden wurden die beiden Bewaffneten erschossen.

Obwohl die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sich zu dem Anschlag bekannte, macht die tunesische Regierung die mit dem rivalisierenden Al-Kaida-Netzwerk verbündete Brigade Okba Ibn Nafaa verantwortlich. Deren Chef, den als Drahtzieher des Anschlags verdächtigten Algerier Lokmane Abou Sakhr, töteten tunesische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben am 29. März zusammen mit acht weiteren bewaffneten Kämpfern. (sda)

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