Israel: Grenzübergänge zum Gazastreifen sind dicht
Aktualisiert

IsraelGrenzübergänge zum Gazastreifen sind dicht

Zum ersten Mal seit September ist wieder eine Rakete auf israelischem Boden eingeschlagen. Das Militär reagierte und schloss beide Grenzübergänge zum Gazastreifen.

Der Grenzübergang Kerem Schalom (Archivbild).

Der Grenzübergang Kerem Schalom (Archivbild).

Betroffen sind die Grenzübergänge Kerem Schalom und Eres, wie die Behörden in Gaza bestätigten. Die beiden Übergänge seien bis auf Weiteres sowohl für Personen als auch für Materiallieferungen gesperrt, sagte eine israelische Militärsprecherin am Sonntag. Ausnahmen gelten demnach für humanitäre Hilfe. Der neuerliche Beschuss aus dem Gazastreifen habe diese Entscheidung notwendig gemacht, sagte die Sprecherin.

Eine aus dem abgeschotteten Küstenstreifen abgefeuerte Rakete war am Freitagabend im Süden Israels in der Region von Eschkol eingeschlagen. Nach Armeeangaben gab es weder Verletzte noch Sachschaden.

Zweiter Raketenangriff

Es ist der zweite Angriff aus dem Gazastreifen seit Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern Ende August: Im September war eine Mörsergranate auf Israel abgefeuert worden.

Die israelische Armee hatte nach anhaltendem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen im Juli eine Offensive mit Luftangriffen und zeitweise auch Bodentruppen gestartet. Insgesamt wurden im Gaza-Krieg mehr als 2140 Palästinenser und 73 Israelis getötet. Weite Teile des Küstenstreifens wurden zerstört.

Seit dem 26. August gilt eine Waffenruhe. Mitte Oktober waren erstmals wieder Baumaterialien für den Wiederaufbau des Küstenstreifens aus Israel nach Gaza gebracht worden. Ende Oktober sollen die indirekten Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern über eine langfristige Lösung des Gaza-Konflikts weitergeführt werden.

20 Jahre Haft für Steinewerfer

Unter dem Eindruck der jüngsten Unruhen in Ost-Jerusalem hat Israel die Strafen für Steinewerfer verschärft. Das Kabinett beschloss am Sonntag ein Änderungsgesetz, demzufolge der Wurf von Steinen und Molotow-Cocktails auf Fahrzeuge künftig mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden kann.

Autos von Juden ebenso wie die durch Jerusalem führende Strassenbahn waren in den vergangenen Monaten immer wieder mit Steinen und Brandsätzen attackiert worden. In den vergangenen zwei Wochen nahmen derartige Gewalttaten deutlich zu.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, die Behörden würden mit harter Hand gegen Randalierer vorgehen, sich gleichzeitig aber weiter um eine Beruhigung der Lage bemühen.

Keine Änderung der Tempelberg-Regeln

Zugleich bekräftigte Netanjahu, die Behauptung sei falsch, er wolle Juden das Beten auf dem Tempelberg erlauben. Dieses Gerücht gilt als eine der Triebfedern der jüngsten Unruhen.

Das Areal rund um die Al-Aksa-Moschee, das die Juden Tempelberg nennen, ist die drittheiligste Stätte des Islam und die heiligste im Judentum. Der Zutritt dorthin war am Freitag aus Sicherheitsgründen eingeschränkt worden.

Das Wichtigste sei nun, «die Gemüter zu beruhigen und Verantwortungsgefühl und Zurückhaltung zu beweisen», mahnte Netanjahu. «Es ist einfacher, das Feuer des religiösen Hasses zu schüren, als es zu löschen.»

Diese Botschaft richte sich an Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und «alle anderen, einschliesslich uns selbst». Damit bezog sich Netanjahu offenkundig auf ultrarechte jüdische Aktivisten sowie Abgeordnete und Minister in den eigenen Reihen, die sich für eine Gebetserlaubnis für Juden auf dem Tempelberg ausgesprochen hatten. (sda)

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