Aktualisiert 11.02.2015 13:17

«Was willst du hier? Hau ab!»Grenzübergreifender Taxikrieg spitzt sich zu

Kreuzlinger und Konstanzer Taxifahrer beschuldigen sich gegenseitig, sie würden ihre Kunden «abgrasen». Der Streit droht zu eskalieren.

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Der Konkurrenzkampf in Kreuzlingen und Konstanz wird immer härter. (Bild: Keystone / Martial Trezzini)

Der Konkurrenzkampf in Kreuzlingen und Konstanz wird immer härter. (Bild: Keystone / Martial Trezzini)

«Es ist schwierig mit Konstanz», sagt Bouraoui Mansour von Donia Taxi in Kreuzlingen gegenüber der «Thurgauer Zeitung». Worte wie «Was willst du?» hier oder «Hau ab!» kriege er ständig zu hören, sobald er oder seine Kollegen sich mit ihrem Schweizer Taxi in Konstanz blicken lassen. Dabei fahre er nur über die Grenze, wenn ihn ein Fahrgast dorthin bestellt. Das sei erlaubt. «Wir halten uns alle an die Gesetze», bestätigt Farhad Habash, der für die Taxi-Zentrale in Kreuzlingen fährt.

Aussage gegen Aussage

Ausserdem würden sich die deutschen Kollegen ebenfalls auf ihrem Gebiet aufhalten: «Ich habe schon Konstanzer Taxis beobachtet, die am Kreuzlinger Bahnhof auf die Züge aus Zürich gewartet haben», so Mansour weiter. Auch würden die deutschen Kollegen auf ihrem Rückweg Kunden mitnehmen, wenn sie einen Fahrgast in die Schweiz gefahren hätten.

Die gleichen Vorwürfe erheben die Konstanzer Taxifahrer: «Ich habe mit meinen Fahrern geredet,» so Jürgen Dornheim, der ein Taxiunternehmen in Konstanz besitzt. «Nur zehn Prozent aller Fahrten von Schweizer Taxis in Konstanz sind bestellt.» Beim Rest handle es sich um sogenanntes «Abgrasen».

Konkurrenzkampf gab es schon immer

Der Streit habe bereits im Herbst angefangen und sei seither schlimmer geworden. Viele Konstanzer Taxifahrer seien seither gereizt. Auch könnten sie kaum etwas gegen die Schweizer Konkurrenz unternehmen: «Anzeigen bringen nichts», sagte Dornheim. Hinter Schweizer Taxis herzufahren, sei nicht Aufgabe der Polizei. «Wenn sich das nicht ändert, werden wir Lockvögel einsetzen», so Dornheim.

«Den Konkurrenzkampf zwischen Kreuzlinger und Konstanzer Taxis hat es schon immer gegeben», so Kurt Hubacher, Chef der Taxi-Zentrale in Kreuzlingen, der seit mehr als 50 Jahren im Geschäft ist. Das wirtschaftliche Umfeld sei zurzeit schwieriger, denn auf Schweizer Seite drücke der starke Franken aufs Geschäft und in Deutschland müssten neu gesetzliche Mindestlöhne bezahlt werden.

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