Grenzwache wird von Bewerbern überrannt

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Unzählige Bewerbungen, nur wenige Ausbildungsplätze. Eine Erklärung für die Beliebtheit des Jobs des Grenzwächters: die Flüchtlingskrise.

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Immer mehr Junge wollen zum Grenzwachtkorps. Dieses Jahr haben sich über 1500 Personen um die Ausbildungsplätze beworben. Da aber davon nur 200 existieren, musste die grosse Mehrheit abgewiesen werden, wie SRF berichtete. Auch letztes Jahr waren es rund 1400 Bewerber, die versuchten, die Ausbildung zum Grenzwächter anzutreten.

Laut dem Mediensprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung, Attila Lardori, ist die Zunahme der Bewerbungen unter anderem auf die aktuelle Flüchtlingskrise zurückzuführen. «Die Präsenz des Grenzwachtkorps in den Medien ist gross, und auch die Bevölkerung ist besser über den Beruf des Grenzwächters informiert als noch vor einigen Jahren.» Der typische Bewerber sei dabei zwischen 19 und 26 Jahre alt, männlich, habe eine Berufslehre absolviert – und wolle in erster Linie einen Beitrag für die schweizerische Bevölkerung und den Schweizer Staat leisten.

«Trend zum Patriotismus»

Sicherheitspolitiker von links bis rechts haben verschiedene Erklärungen dafür, warum der Job als Grenzwächter plötzlich so beliebt ist. CVP-Nationalrat Jakob Büchler sagt, dem Schutz der Grenzen werde wieder mehr Bedeutung beigemessen. «Die Welt ist unsicherer geworden. Und viele Leute sagen sich in der Flüchtlingskrise: Wir müssen die Grenzen bewachen, um nicht überrollt zu werden.» Die Idee, dass nur noch die Schengen-Aussengrenze bewacht werden müsse, habe sich als Illusion erwiesen. «Ich stelle zudem einen Trend zum Patriotismus fest, dass man sich für die Schweiz einsetzen will.»

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher verweist auf die Angst vor dem Jobverlust und die Deindustrialisierung: «Bei der Grenzwache wird in nächster Zeit eher aus- als abgebaut. Das gibt eine Zukunftsperspektive.» Zudem sei das Grenzwachkorps im Zusammenhang mit Menschen auf der Flucht häufig in den Medien, was dem Beruf eine höhere Wertschätzung in der Bevölkerung eintrage. Laut Corina Eichenberger, FDP-Nationalrätin und Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission, tragen die attraktive Ausbildung und die höheren Löhne zum Boom bei. «Ein weiterer Faktor dürfte die Wirtschaftslage sein. Sichere Jobs beim Bund sind gesucht.»

«Grenzen werden wichtiger»

Die Soziologin Katja Rost vom Soziologischen Institut Zürich glaubt, dass nur eine kleine Minderheit der Bewerber patriotisch motiviert sei. «Vielmehr zeigen die EU-weite Krisenstimmung und die Zunahme der Migrationsströme, dass der Abbau der Grenzkontrollen wieder rückgängig gemacht wird.» Und mit der Rückkehr der Bedeutung von Grenzen gewinne auch die Arbeit des Grenzschutzes wieder an Attraktivität und Sicherheit. Daneben seien bei der Grenzwache vor allem Teamplayer gesucht und nicht Einzelkämpfer. «Das kommt vor allem den Jungen entgegen, die zunehmend das Mit- und nicht das Gegeneinander suchen.»

Das verlangt die Grenzwache von Bewerbern

Für den Job des Grenzwächters muss nicht nur Schweizer Bürger sein, sondern auch: Eine Lehre absolviert oder die Matura gemacht haben; mindestens 168 cm gross sein; über gute Intellektuelle, psychische und körperliche Leistungsfähigkeit verfügen; gut schwimmen können; einen guten Leumand haben und über einen Führerausweis der Kategorie B verfügen.

Aufstockung der Grenzwache diskutiert

Aufstockung der Grenzwache diskutiert

Zur Zeit diskutieren Politiker, ob das Grenzwachtkorps aufgestockt werden müsse. Hinter diesem Hintergrund hat der Bundesrat vor kurzem einen Bericht zuhanden des Parlaments über den Bestand des Grenzwachtkorps verabschiedet. Darin heisst es, das Korps könne heute den Andrang von mehreren hundert Asylsuchenden innert einiger Tagen bewältigen. Stiege die Zahl der zu registrierenden Migranten jedoch auf mehrere Zehntausend innert weniger Tage, könne das Grenzwachtkorps die Aufgabe der Kontrolle der einreisenden Flüchtlinge nicht mehr alleine erfüllen. Für ein solches Extremszenario sieht der Bundesrat den zusätzlichen Einsatz von 2000 Soldaten vor.

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