Gretzenbach: Baumängel verjährt
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Gretzenbach: Baumängel verjährt

Ein Gutachten stellt bei dem Bau der Tiefgarage in Gretzenbach zwar strafrechtlich relevante Baumängel fest. Diese sind aber verjährt, deshalb wird niemand zur Verantwortung gezogen.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft präsentierte am Dienstag die Ergebnisse des bautechnischen Gutachtens, das sie nach dem Unglück vom 27. November 2004 in Auftrag gegeben hatte. Danach führte eine Verkettung von Mängeln bei Planung und Bau zusammen mit dem Brand zum fatalen Deckeneinsturz.

Zu dicke Erdschicht

Die Garagendecke war praktisch auf der ganzen Fläche durch eine zu dicke Erdschicht überbelastet. Die statischen Berechnungen für für mehr als die Hälfte der Stützpfeiler erwiesen sich als fehlerhaft, wie Gutachter Aurelio Muttoni sagte.

Bei den Stützpfeilern konstatierten die Gutachter zudem Ausführungsfehler, die ein Durchstanzen der Pfeiler durch die Decke ermöglichten, während die Stützen mindestens teilweise intakt blieben.

Einsturzgefahr seit 1990

Schon bei Fertigstellung der Garage 1990 bestand laut Muttoni die latente Gefahr eines Zusammenbruchs. Schliesslich habe der Brand auf Grund der Bau- und Konstruktionsmängel zum Einsturz der Decke geführt. Der Brand alleine hätte dies nicht vermocht.

Auf Grund dieser Mängel bestehe die Möglichkeit, dass sich die am Bau Beteiligten durch sorgfaltswidriges Verhalten strafbar gemacht hätten, sagte Staatsanwalt Rolf von Felten. In Frage komme nur fahrlässiges Handeln, die Verjährungsfrist betrage deshalb sieben Jahre. Auf Grund eines Besitzerwechsels sei diese Frist spätestens im Jahr 2001 abgelaufen.

Mögliche Zivilklagen

Die Staatsanwaltschaft will das Verfahren daher einstellen. Zuvor können sich die Beteiligten, darunter die Familien der Verstorbenen, zum Gutachten und zur Verjährungsfrage äussern. Offen ist, ob sie allfällige Forderungen nach Schadenersatz oder Genugtuung auf dem zivilrechtlichen Weg eingeklagen werden.

Bei der Brandkatastrophe war die Decke Tiefgarage plötzlich eingestürzt. Als Brandursache wird ein technischer Defekt an einem parkierten Personenwagen vermutet. Der Tod der sieben Feuerwehrleute löste in der ganzen Schweiz Betroffenheit aus.

(sda)

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