Aktualisiert 28.11.2004 12:44

Gretzenbach: Sieben Feuerwehrmänner tot

Nach der Bergung der letzten beiden Leichen aus der eingestürzten Tiefgarage in Gretzenbach SO sind die Aufräumarbeiten unterbrochen worden. Unter den Toten sind drei Familienväter.

Die Arbeiten werden am Montag fortgesetzt.

Kurz vor Mitternacht waren die letzten zwei Feuerwehrleute tot geborgen worden. Ihre fünf toten Kollegen hatten die Rettungskräfte rund fünf Stunden zuvor aus den Trümmern der eingestürzten Betondecke hervorgeholt.

Bundesrat Samuel Schmid, der derzeit zu einem offiziellen Besuch in Indien weilt, sprach den Angehörigen der Feuerwehrleute sein Beileid und tiefes Mitgefühl aus. Den Helfern aus Feuerwehr, Armee, Sanität und Polizei sowie den Care-Teams danke er für ihren grossen Einsatz, heisst es in einem Communiqué des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Decke stürzte plötzlich herab

Die sieben Feuerwehrleute waren am Samstagmorgen um 6 Uhr mit der freiwilligen Stützpunktfeuer Schönenwerd ausgerückt, um drei brennende Autos in der Tiefgarage eines Wohnblockquartiers zu löschen. Während den Löscharbeiten stürzte plötzlich die Betondecke herab und begrub die Männer.

Die Rettungsarbeiten wurden durch starke Rauchentwicklung und Hitze behindert. «Wir wussten, wo sich die Verschütteten befanden, uns fehlten aber die Mittel, um sie aus den ineinander verkeilten Betonplatten herausnehmen zu können», sagte Einsatzleiter Paul Haus.

Bauliche Mängel nicht ausgeschlossen

Gegen Mittag, als kaum mehr Hoffnung auf ein Überleben der Verschütteten bestand, entschloss sich die Einsatzleitung, schweres Baugerät einzusetzen, um von oben an die Opfer heranzukommen. Den ganzen Tag über versuchten bis zu 200 Rettungsleute die eingeschlossenen Feuerwehrleute zu befreien.

Die Brand- und Einsturzursache ist weiterhin unbekannt. Nicht ausgeschlossen wird, dass bautechnische Mängel zum Einsturz der Betondecke geführt haben. Noch am Samstagnachmittag wurde ein Statiker vom zuständigen Solothurner Untersucherungsrichter mit einer Expertise beauftragt.

Von der Betondecke erdrückt

Wie der Kommandant der Kantonspolizei Solothurn, Rudolf von Rohr, vor den Medien in Gretzenbach sagte, sind die sieben Feuerwehrleute nach ersten Erkenntnissen von der herunterstürzenden Betondecke erdrückt worden. Sie seien also nicht in der Tiefgarage erstickt. Die Leichen wurden aber inzwischen für gewisse gerichtsmedizinische Abklärungen nach Bern gebracht.

Bei den fünf Opfern aus Schönenwerd handelt es sich um Männer im Alter von 27 bis 42 Jahren, darunter zwei Familienväter. Ums Leben kamen zudem ein 36-jähriger und ein 43-jähriger Feuerwehrmann aus Gretzenbach; einer von ihnen hinterlässt Frau und zwei Kinder. Feuerwehrkommandant Paul Haus verteidigte den Einsatz vom Samstag morgen in der Tiefgarage bei der Mehrfamilienhausüberbauung. Das Risiko für den Einsatz sei verhältnismässig gewesen. Es sei zudem nicht in Frage gekommen, die drei brennenden Autos ausbrennen zu lassen. Die Temperatur in der Tiefgarage zum Zeitpunkt des Einsatzes schätzte Haus auf 400 bis 600 Grad.

Der verletzt geborgene Feuerwehrmann befand sich am Sonntag auf dem Weg der Besserung. Trotz mehreren Frakturen dürfte er das Spital in Aarau bald verlassen können, hiess es. Der Solothurner Regierungsrat Roberto Zanetti und Gretzenbachs Gemeindepräsident Hanspeter Jeseneg berichteten über die Bestürzung und die grosse Anteilnahme der Bevölkerung. Unzählige Hilfsangebote seien noch am Samstag eingegangen. Auch Bundespräsident Joseph Deiss, der sich am Frankophoniegipfel in Burkina Faso aufhielt, drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid und sein tiefes Mitgefühl aus, wie Zanetti sagte.

Die Räumungsarbeiten an der Unglücksstelle wurden nach der Bergung der beiden letzten Opfer kurz vor Mitternacht unterbrochen. Für Montag war der Einsatz von Brandermittlungsspezialisten und von Baufachleuten am Unglücksort geplant. (dapd)

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