Wirtschaftskrise: Griechen büffeln Deutsch für Job in der Schweiz
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WirtschaftskriseGriechen büffeln Deutsch für Job in der Schweiz

Griechische Fachkräfte träumen von einem Job in der Schweiz. Deshalb lernen jetzt immer mehr Deutsch, um ihre Chancen zu erhöhen.

von
Florian Meier
Im 2014 arbeiteten bereits 126 Ärzte aus Griechenland in der Schweiz (Symbolbild).

Im 2014 arbeiteten bereits 126 Ärzte aus Griechenland in der Schweiz (Symbolbild).

Laut einer Studie des Goethe-Instituts lernen momentan weltweit etwa 15 Millionen Menschen Deutsch – und es werden immer mehr. Allein in Europa hat die Zahl der Deutschlernenden zwischen 2010 und 2015 um fast 17 Prozent zugenommen – auf 9,4 Millionen. Am stärksten von diesem Trend betroffen sind Länder, die in den vergangenen Jahren unter einer Wirtschaftskrise gelitten haben, wie beispielsweise Spanien oder Griechenland. Lernten 2010 noch 156'000 Griechen Deutsch, sind es heute bereits 268'000. Das ist ein Zuwachs von 71 Prozent.

Liana Konstantinidou ist selber Griechin und arbeitet als Expertin für Deutsch als Fremdsprache an der ZHAW. Sie ist nicht überrascht. «Seit der Krise ist es dort sehr schwierig geworden, eine Stelle zu finden.» Deshalb würden viele Griechen heute unsere Sprache lernen, um später im deutschsprachigen Raum eine Stelle zu suchen. Das widerspiegeln auch die Zuwanderungszahlen: 2010 kamen noch circa 5500 Griechen in die Schweiz, 2013 waren es bereits rund 8400. «Gerade hochqualifizierte Fachkräfte wünschen sich oft einen sicheren Job in der Schweiz und lernen deshalb vermehrt schon in Griechenland Deutsch», so Konstantinidou.

Trend wird sich verschärfen

Die griechischen Fachkräfte sind nicht die Einzigen, die von einer Stelle in unserem Land träumen. Laut dem Global Talent Competitiveness Index (GTCI) ist die Schweiz vor Singapur und Luxemburg die weltweit beliebteste Nation für qualifizierte Fachkräfte. Gründe sind die guten Entwicklungsmöglichkeiten und die hohen Löhne. Dieser Umstand würde die Griechen und auch die restlichen Europäer noch zusätzlich dazu motivieren, Deutsch zu lernen, wie Alexander Salvisberg, Arbeitsmarktexperte an der Universität Zürich, erklärt.

Ein Ende des Trends ist laut Salvisberg nicht in Sicht. Er verweist auf den Fachkräftemangel, der insbesondere in der IT-Branche und im Gesundheitswesen immer prekärer wird. Ein Blick auf die Statistik zeigt: Genau in diesen Sektoren nimmt die Zahl der Griechen stetig zu. Arbeiteten beispielsweise 2010 noch 37 griechische Ärzte in der Schweiz, waren es 2014 schon 126.

Sprachlehrer profitieren von der Krise

Für die griechische Wirtschaft ist der Deutsch-Boom ein zweischneidiges Schwert. Liana Konstantinidou erzählt: «Ich habe viele Freunde, die dort als Deutschlehrer arbeiten. Sie gehören zu den wenigen, die von der Krise profitieren können, wenn man so etwas überhaupt behaupten darf.» Doch gerade langfristig könnte das gesamte Land auch stark darunter leiden. «Das Problem ist natürlich, dass diese Fachkräfte dann im kriselnden Land selber fehlen», so Salvisberg. Dies würde die Wirtschaft schwächen, was das Abwandern für Hochqualifizierte noch attraktiver mache. «So entsteht ein Teufelskreis.»

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