Aktualisiert 23.06.2011 13:05

Heikler AktGriechen-Pleite im Stresstest

Das Vertrauen in die Griechenland-Rettung schwindet. Die europäischen Bankenaufseher gehen vom Schlimmsten aus und lassen schon mal Athens Pleite durchspielen. Politisch ein heikler Entscheid.

von
sas
Die Europäische Bankenaufsicht spielt Griechenlands Pleite durch.

Die Europäische Bankenaufsicht spielt Griechenlands Pleite durch.

Griechenlands Schicksal steht auf Messers Schneide. Zwar hat die Regierung dem Ministerpräsidenten Giorgios Papandreou Mitte Woche das Vertrauen ausgesprochen, doch damit sind die Probleme längst nicht gelöst. Zücken EZB, IWF und die Euroländer nicht bald erneut den Geldbeutel, ist Athen Mitte Juli definitiv Pleite. Die Auswirkungen wären dramatisch.

Unsicher ist, ob das internationale Bankensystem einen Griechen-Kollaps verkraften könnte. Unlängst warnten Experten vor Folgen wie beim Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers. Auch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) ist besorgt und hat 90 wichtige Banken beauftragt Stresstests durchzuführen. Im Szenario enthalten ist auch der Griechen-Kollaps, wie «Financial Times Deutschland» am Donnerstag meldet. In ihrer Annahme gehen die Aufsichtsbehörden von einer Wahrscheinlichkeit von 36 Prozent aus, dass die Hellenen in die Pleite schlittern.

Das Test-Szenario ist politisch brisant: Denn offiziell will die EU den «Default» Athens auf jeden Fall vermeiden. Eine Pleite wäre der Tiefpunkt in der Geschichte der Europäischen Union und die Bestätigung für alle Kritiker, welche seit Jahren monieren, der Euro sei eine Fehlkonstruktion.

Eingeständnis der EU?

Den jüngsten Stresstest sieht man auch in der Bankenwelt als Eingeständnis: «Wenn eine europäische Behörde den Banken vorschreibt, einen potenziellen griechischen Bankrott in die Stresstests einzurechnen, dann gesteht die EU etwas ein, von dem sie sonst immer das Gegenteil behauptet hat», sagte Unicredit-Analyst Luis Maglanoc.

Einen Stresstest hatten die Banken als Reaktion auf die Finanzkrise bereits vor einem Jahr durchführen müssen, allerdings war er als zu lasch taxiert worden. Nun wurde der Test aber verschärft. Auf eine Familie übertragen lassen die Aufseher im Moment testen, ob das Budget noch ausreichen würde, wenn gleichzeitig der Hauptverdiener ausfällt, die Wohnung brennt und ein Kind schwer erkrankt ist.

Die Bankenaufseher spielen im Krisenszenario eine Rezession durch, gekoppelt mit einem Zinsanstieg sowie u.a. einer massiven Abwertung der Griechenland-Anleihen und einem Einbruch der Aktienmärkte.

Bankrott verliert Tabu-Charakter

Mit dem Test – sofern ihn denn der Grossteil der Institute überstehen – möchten die Behörden das Vertrauen in die Banken stärken. Doch genau diese Absicht sieht Unicredit-Analyst Luis Maglanoc gefährdet. Die Annahmen zu Griechenland könnten sich verselbstständigen und am Ende mit dazu führen, dass tatsächlich umgeschuldet werde – weil ein Bankrott seinen Tabu-Charakter verloren habe.

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