Kritik an Deutsche-Bank-Boss: Griechen prügeln und abkassieren
Aktualisiert

Kritik an Deutsche-Bank-BossGriechen prügeln und abkassieren

Joe Ackermann bezweifelt, dass die Griechen ihre Kredite je ganz zurückbezahlen werden. Diese Aussage ist nicht ganz uneigennützig.

von
Sandro Spaeth
Sollte «einfach mal den Mund halten»: Joe Ackermann bei «Maybrit Illner» (Bild: ZDF)

Sollte «einfach mal den Mund halten»: Joe Ackermann bei «Maybrit Illner» (Bild: ZDF)

Der Schweizer Joe Ackermann ist Chef der Deutschen Bank und damit der einflussreichste Devisenhändler der Welt. Denn: Sein Institut ist für fast 20 Prozent des weltweiten Devisenhandels verantwortlich. Da ist es besonders brisant, wenn Ackermann in der ZDF-Talk-Show «Maybrit Illner» auftritt und die klammen Hellenen als zuverlässige Schuldner abschreibt. Ackermanns Zweifel erhöhen den Druck auf den Euro weiter, was ihm aber gar nicht so ungelegen kommen dürfte – seine Bank spekuliert auch mit dem Euro.

Den Mund halten

Brisant ist folgende Aussage Ackermanns: «Ob Griechenland wirklich in der Lage ist, die Kredite vollständig zurückzuzahlen, wage ich zu bezweifeln.» Für diese Worte erntet der Banker nun viel Kritik: So steht beispielsweise in einem Leitartikel der «Financial Times», Ackermann sollte gefälligst «einfach mal den Mund halten». Ein Satz von «Big Joe» könne nämlich reichen, um den Effekt des Rettungspaketes von 750 Milliarden Euro kaputt zu machen. Seine Worte hätten gar so viel Gewicht, dass sie zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden könnten.

Andere Kritiker bezeichnen Ackermanns Aussagen im TV-Talk als gefährlich und dreist. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die Milliardenhilfen nicht nur den taumelnden Staat Griechenland, sondern auch dessen Gläubigerbanken retten solle. Erstaunen lässt auch «Joe's» Sinnenswandel, denn noch Anfang Mai hatte er sich in Sachen Griechenland zuversichtlich gezeigt und bei Banken und Konzernen für freiwillige Hilfen geworben.

Die zwei Gesichter von Joe

Viel Lob für seinen Auftritt erhält Ackermann von PR-Berater Klaus J. Stöhlker. «Mit dem Gang in die Talkshow und den Äusserungen zur Euro-Krise stellt sich Ackermann einer Aufgabe, der sich hierzulande bisher weder UBS-Chef Oswald Grübel noch CS-CEO Brady Dougan gestellt haben.» Für den PR-Experten zeigt Josef Ackermann aber immer wieder zwei Gesichter: Einerseits jenes des verantwortungsvollen Bankers, der beruhige und sage, man müsse den Griechen helfen. «Andererseits verdient die Bank an der Schuldenkrise aber kräftig mit, da sie selber mit dem Euro spekuliert», so Stöhlker gegenüber 20 Minuten Online. Sein Fazit: Je schlechter Ackermann über die Griechen spricht, desto mehr verdient er. Aus der Sicht des PR-Beraters findet Stöhlker den Auftritt Ackermanns meisterhaft: «Er ist hochtalentiert und zeigte das gute Gesicht.»

Laut Ackermann muss nun alles getan werden, damit eine Umschuldung Griechenlands nicht notwendig wird. Müsste Griechenland trotzdem «dichtmachen», dürfte dies die Deutsche Bank nicht gross treffen. Ackermann: «Es würde in Deutschland gerade jene Banken treffen, die bereits staatliches Eigentum sind». Damit meint er vor allem Hypo Real Estate und die Commerzbank – nicht aber sein eigenes Institut.

Ackermanns zweiter Auftritt bei Illner

Nicht alle Botschaften Ackermanns waren aber so klar und direkt. Auf Illners Frage «Sind die Banker mächtiger als die Politiker?» antwortete er mit einem ausweichenden: «Nein, Geld arbeitet global.» Ackermanns umstrittener Auftritt war freilich nicht sein erstes Gastspiel bei der Talkmasterin Maybrit Illner. Bereits im September 2007 setzte er sich auf den heissen Stuhl und bekannte öffentlich: «Auch wir haben Fehler gemacht, auch in dieser Krise.» Gemeint war damals das US-Immobiliendebakel (Subprime-Krise), das fast auf den Tag genau ein Jahr später die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrechen liess – und damit die gesamte Weltkonjunktur in den Abwärtsstrudel sog.

Deine Meinung