Positive Nachricht: Griechenlands Wirtschaft wächst überraschend

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Positive NachrichtGriechenlands Wirtschaft wächst überraschend

Griechenlands Bruttoinlandprodukt wächst – entgegen der Erwartungen von Experten. Und diese dämpfen die Hoffnungen gleich wieder.

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rar
Griechen kauften im zweiten Quartal mehr als zuvor: Ein Paar kauft in der Hafenstadt Thessaloniki Kleider. (12. August 2015)

Griechen kauften im zweiten Quartal mehr als zuvor: Ein Paar kauft in der Hafenstadt Thessaloniki Kleider. (12. August 2015)

Die griechische Wirtschaft ist im zweiten Quartal überraschend gewachsen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) sei um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen, teilte das nationale Statistikamt Elstat nach einer ersten Schätzung mit.

Die positive Nachricht kam für Experten völlig überraschend. Ökonomen hatten mit einem Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet. Allerdings wiesen einige Analysten darauf hin, dass viele Griechen aus Sorge vor Kapitalbeschränkungen im zweiten Quartal mehr gekauft hätten und die Umsätze im Detailhandel deshalb gestiegen seien. Das habe zum Wachstum beigetragen.

Trübe Aussichten im Gesamtjahr

Für das Gesamtjahr zeigen die Prognosen allerdings keine Erholung aus dem tiefen Tal an, in dem die Wirtschaft des hochverschuldeten Landes seit Jahren steckt. Brüssel erwartet ein Schrumpfen der griechischen Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 2,3 Prozent.

Die Lage habe sich durch die Einführung der Kapitalverkehrskontrollen Ende Juni deutlich verschlechtert, hiess es. Griechen können nur noch begrenzt Bargeld abheben und ins Ausland überweisen.

Wirtschaftswachstum erst 2017

Nachdem griechische Kunden aus Unsicherheit über die Zukunft des Landes immer mehr Geld von den Konten abgehoben hatten und die Lage sich zuspitzte, blieben die Banken im Juli für drei Wochen geschlossen. Das brachte die Wirtschaftsaktivität fast zum Erliegen.

Noch bei ihrer Frühjahrsprognose war die EU-Kommission für das laufende Jahr von einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent ausgegangen. Inzwischen wird erst 2017 mit einem Wirtschaftswachstum gerechnet.

Syriza vor Spaltung

Eine Spaltung der Regierungspartei Syriza wird derweil immer wahrscheinlicher: 13 Abgeordnete des linken Flügels der Partei haben zur Bildung einer «breiten Bewegung» aufgerufen, die den Kampf gegen die Sparpolitik fortsetzen soll.In ganz Griechenland sollten Gruppen gebildet werden mit dem Ziel, die Sparpolitik «umzustürzen», hiess es in einer auf der Homepage des linken Flügels veröffentlichten Erklärung.

Unter den 13 ist auch der als Anführer geltende Abgeordnete Panagiotis Lafazanis. Kommentatoren griechischer Medien werteten diese Bewegung als «den Keim» für die Spaltung der Syriza unter Regierungschef Alexis Tsipras und für die Gründung einer neuen linken Partei.

Bruch angekündigt

Am Abend sollte das griechische Parlament über umstrittene Sparauflagen abstimmen, deren Umsetzung Voraussetzung für ein neues Milliardenhilfsprogramm für Griechenland ist. Im Vorfeld rechneten griechische Medien mit bis zu 40 Abweichlern aus den Reihen der Regierungspartei Syriza.

Bereits vergangenes Wochenende hatte Lafazanis die Spaltung angekündigt: «Am Bruch wird (Regierungschef Alexis) Tsipras schuld sein», sagte er der Athener Wirtschaftszeitung «Kefalaio». Tsipras sei derjenige, der das Parteiprogramm der Syriza nicht einhalte, das weitere Sparmassnahmen ablehne. (rar/sda)

Finnland billigt Griechenland-Hilfe

Der Finanzminister der Griechenland-skeptischen Finnen wird auf der Eurogruppensitzung am Freitag für das neue Hilfspaket stimmen. «Ich habe das Mandat erhalten, das dritte Hilfspaket für Griechenland zu bewilligen», sagte Alexander Stubb vor Reportern.

Stubb erhielt das Mandat vom sogenannten Grossen Ausschuss des finnischen Parlaments, in dem 25 der insgesamt 200 Abgeordneten sitzen. Die Euro-skeptische Partei Wahre Finnen, Koalitionspartner von Stubbs konservativer Nationalen Sammlungspartei, hatte ihre Zustimmung zuvor angedeutet.

Seine Partei werde eine Einigung mit Athen nicht blockieren, weil sonst die Koalition in Finnland zerbrechen würde, hatte Aussenminister Timo Soini erklärt. (sda)

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