Griechisch-orthodoxer «Papst» gestorben
Aktualisiert

Griechisch-orthodoxer «Papst» gestorben

Das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Christodoulos, ist heute Morgen nach langer Krankheit in seiner Residenz in Athen gestorben.

Der griechische Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis würdigte ihn als einen «erleuchteten» Geistlichen, der in seiner zehnjährigen Amtszeit «die Rolle der Orthodoxie in der Welt» gestärkt habe. Der Erzbischof (69) starb nach Angaben der Kirche heute in seinem Haus, nachdem er eine weitere Behandlung seines Leber- und Darmkrebses in einem Krankenhaus abgelehnt hatte.

Staatstrauer

Das Innenministerium rief eine viertägige Staatstrauer aus und teilte mit, Christodoulos werde am Donnerstag in einem Staatsbegräbnis beigesetzt. Im ganzen Land wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Christodoulos sorgte für eine Entspannung der seit Jahrhunderten belasteten Beziehungen zum Vatikan, indem er 2001 Papst Johannes Paul II. als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche seit 1.300 Jahren in Athen empfing - trotz wütender Proteste orthodoxer Hardliner. 2006 machte er einen historischen Besuch in Rom, bei dem er und Papst Benedikt XVI. eine gemeinsame Erklärung für einen Dialog ihrer Kirchen unterzeichneten und ihre Ablehnung von Abtreibung und Sterbehilfe bekräftigten.

Modernisierer

In Griechenland modernisierte Christodoulos den öffentlichen Auftritt seiner Kirche: Er unterstützte Internetauftritte und Radiosender und gab regelmässig Anweisungen heraus, wie sich orthodoxe Priester in der Öffentlichkeit verhalten sollten. Fast täglich tauchte er im Fernsehen auf, besichtigte Schulen und Kirchen und erreichte in Umfragen Zustimmungswerte von 75 Prozent. Eine seiner grössten innenpolitischen Kampagnen scheiterte jedoch: Trotz heftiger Proteste setzte die griechische Regierung ihr Vorhaben durch, im Personalausweis nicht mehr die Religionszugehörigkeit des Inhabers einzutragen.

An Leberkrebs gestorben

Christodoulos wurde im Juni vergangenen Jahres in ein Krankenhaus in Athen eingeliefert, wo die Ärzte bei ihm Leberkrebs feststellen. Eine geplante Lebertransplantation wurde im Oktober in Miami abgebrochen, als sich zeigte, dass sich der Krebs weiter ausgebreitet hatte. Eine Behandlung in einem Krankenhaus in seinen letzten Lebenswochen lehnte er ab. Er starb in seinem Haus.

Christodoulos wird bis zum Begräbnis voraussichtlich am Donnerstag aufgebahrt, um Trauernden die Gelegenheit zu geben, ihm die letzte Ehre zu erweisen, erklärten Kirchen- und Behördenvertreter. (sda)

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