Schulden-Desaster: Griechische Anleihen nur noch Schrott

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Schulden-DesasterGriechische Anleihen nur noch Schrott

Das bankrotte Griechenland ist nicht mehr kreditwürdig. Damit wird Hellas im Finanzstrudel weiter nach unten gezogen.

Den Griechen steht das Wasser bis zum Hals. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte am Dienstag die Kreditwürdigkeit des Landes auf «Junk»-Status herab, setzte griechische Anleihen also mit «Schrott»-Papieren gleich. Das bedeutet, dass Griechenland nach Einschätzung von Standard & Poor's seine Kreditwürdigkeit verloren hat.

Damit dürfte sich die Aufnahme neuer Kredite für Athen noch weiter verteuern. Schon wenige Stunden vor dem Donnergrollen der Ratingagentur hatten die Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen an den internationalen Finanzmärkten den Rekordstand von knapp zehn Prozent erreicht. Auch das überschuldete Portugal gerät im Sog der Krise immer stärker unter Druck.

Unterdessen gerät in Deutschland der Zeitplan der Bundesregierung im Ringen um Notkredite für Griechenland in Gefahr. Die SPD im Bundestag lehnte für ein Eilverfahren ab. Die Koalition aus Union und FDP hält ein solches Vorgehen jedoch für notwendig, damit Griechenland noch vor der Platzierung einer neuen Anleihe am 19. Mai frisches Geld bekommt. Aussenminister Guido Westerwelle nannte erneut energische Sparanstrengungen Griechenlands als Voraussetzung für die Hilfe.

Die anhaltenden Diskussionen über Zeitpunkt und Bedingungen einer Rettungsaktion für Athen trieben die Risikoprämie für griechische Staatsanleihen auf einen neuen Höchststand. Die Differenz zwischen den Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen zu denen auf Bundesanleihen stieg am Dienstag auf 6,8 Prozentpunkte. Die Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen beliefen sich damit auf 9,85 Prozent. Die Zinsen für Papiere mit zweijähriger Laufzeit kletterten um einen weiteren Prozentpunkt auf 14,85 Prozent.

«Herausforderungen sind beispiellos»

«Wir erleben in Griechenland die härteste Zeit seit Jahrzehnten», sagte der Athener Ministerpräsident Giorgos Papandreou. «Die Herausforderungen, vor denen unser Land steht, sind beispiellos, nicht nur für Griechenland, sondern auch für Europa und sogar die Weltwirtschaft. Und was ich sage, ist keine Übertreibung.»

Zusätzliche Brisanz erhielt die Entwicklung durch die Ratingagentur S&P. Diese stufte nicht nur die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter hinab, sondern warnte auch die Gläubiger, sie hätten nur eine Chance von 30 bis 50 Prozent, im Fall einer Umschuldung oder einer Zahlungsunfähigkeit ihr Geld wieder zu bekommen.

Auch für Portugal hatte S&P schlechte Nachrichten. Die Ratingagentur stufte die Kreditwürdigkeit des Landes ebenfalls herab, sie liegt aber noch über der von Griechenland. Portugal stehe «erweiterten Risiken» gegenüber, erklärte S&P zur Begründung. Portugal gilt mit einem Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach Griechenland als eines der von der Wirtschaftskrise am meisten gefährdeten Mitglieder der Eurozone.

Die Differenz zwischen den Zinsen auf zehnjährige portugiesische Staatsanleihen zu denen auf Bundesanleihen stieg am Dienstag auf 5,51 Prozentpunkte. Das ist die höchste Differenz seit der Euro-Einführung. Die Regierung in Lissabon rechnet zwar mit 0,7 Prozent Wachstum in diesem und 0,9 Prozent im kommenden Jahr. Die EU-Kommission befürchtet allerdings, dass diese Zahlen zu optimistisch sind.

Gabriel will Banken zur Kasse bitten

SPD-Chef Sigmar Gabriel warf unterdessen Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, die Deutschen in der Diskussion über die Notkredite hinters Licht zu führen. «Sie weiss genau, dass am Ende auch Deutschland für die Stabilität des Euros sorgen muss, weil wir am meisten Produkte nach Europa verkaufen», sagte er im RTL-Nachtjournal. Merkel wolle das jedoch erst nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen zugeben. «Und das führt dazu, dass die Sache immer teurer wird, denn die Spekulanten zocken gegen Griechenland.» Eine Bedingung für die Zustimmung der SPD sei, dass auch die Banken ihren Anteil bezahlen müssten.

Wenn sich kein anderer Ausweg bietet und Notkredite erforderlich werden, will Deutschland seine 8,4 Milliarden Euro Finanzhilfe für Griechenland über die staatliche KfW-Bank auszahlen. Dafür müssten Bundesrat und Bundestag aber einem Gesetz zur Erweiterung des Ermächtigungsrahmens zustimmen. Normalerweise dauert so etwas Wochen oder Monate, in bestimmten Fällen können Fristen verkürzt werden.

(dapd)

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