Aktualisiert 02.11.2011 13:27

Hallo Hellas

Griechische Zustände im Ruhrpott

Oberhausen ist die am höchsten verschuldete Stadt Deutschlands. Um die desolaten Finanzen kümmert sich neuerdings – hoppla – ein griechischstämmiger Kämmerer.

von
phi

Oberhausen hat 212 000 Einwohner und 1,8 Milliarden Euro Schulden. Das macht 8000 Euro Miese pro Einwohner. Über 50 000 Jobs in der Schwerindustrie wurden in dem Kohlerevier über die Jahrezehnte abgebaut. Die Stadt ist so pleite, dass sie sich als «Nothaushaltskommune» selbst nur noch um das Nötigste kümmern kann: Die «Zeit» nannte Oberhausen deshalb «de facto ein Protektorat». Seit dem 1. Juli kümmert sich ein neuer Schatzmeister um die Verwaltung des Mangels. Er heisst Apostolos Tsalastras.

«Grieche soll Finanzen regeln – ausgerechnet», titelte die Zeitung «Der Westen». Und das, obwohl der 46-Jährige in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Mit 18 Jahren trat er der SPD bei: «Ich hatte das Gefühl, dass man sich engagieren muss, um die soziale Lage zu verbessern.»

Die soziale Lage ist allerdings nicht mehr dieselbe wie bei seinem Amtsantritt. Nicht nur über Oberhausen kreist der Pleitegeier, sondern auch über Tsalastras' zweiter Heimat Griechenland – und natürlich muss sich der Ruhrpott-Schatzmeister nun jede Menge blöde Sprüche gefallen lassen.

Schon im Juli hatte er sich beim «Westen» beschwert: «Irgendwann ist man der Witze doch überdrüssig.» Nun legt er im «Spiegel» nach: «Es gab zahlreiche Scherze auf meine Kosten. Am Anfang habe ich versucht, darüber zu lachen, aber jetzt kann ich es wirklich nicht mehr hören.»

Wer den griechischen Pass und einen Finanzjob hat, braucht also für den Spott nicht zu sorgen. Da hilft es auch nicht, dass Apostolos Tsalastras im Hamburger «Wochenmagazin» betont, wie sehr Deutschland von der EU profitiert habe. Oder Analysen à la: «Es ist sehr leicht, sich als Haushaltsweltmeister aufzuführen, wenn man eine starke Wirtschaft im Rücken hat. Wenn man die nicht hat, ist das wesentlich schwieriger.»

Der Mann, der beide Pässe hat, ist gerne Grieche. «Das ist ein Teil meiner Identität», sagt er. Aber bitte keine Häme: «Sie werden es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Griechen, die sich mit Wirtschaft auskennen.» So bleibt der Stadt Oberhausen zu wünschen, dass Tsalastras ein solcher Hellene ist.

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