Korrektur: Griechisches Defizit noch höher

Aktualisiert

KorrekturGriechisches Defizit noch höher

Die Schuldenkrise Griechenlands ist noch gravierender als bisher bekannt: Das öffentliche Defizit Griechenlands für das Jahr 2009 wurde auf 13,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) nach oben korrigiert.

Vor der Korrektur durch die EU-Statistikbehörde Eurostat hatte die Regierung in Athen die Neuverschuldung mit 12,9 Prozent angegeben. Es ist bereits die dritte Korrektur des griechischen Defizits innerhalb eines Jahres.

Angesichts der neuen Zahlen stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Donnerstag von A2 auf A3 herab. Erst im Dezember war eine Herabstufung von A1 auf A2 erfolgt. Als Folge der Herabstufung verteuern sich neue Darlehen für die Regierung.

Ende 2009 hatte die neugewählte griechische Regierung die Vorhersage für das Staatsdefizit auf 12,7 Prozent des BIP verdoppelt. Später besserte Athen die Zahl auf 12,9 Prozent nach.

Die neuesten Zahlen belegen, dass sich das Land an den Rand der Staatspleite manövriert hat: 2009 beliefen sich die Schulden des Euro-Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Schuldensünder Griechenland hatte sich 2001 mit falschen Zahlen Zutritt zum Euro-Währungsgebiet erschwindelt. Erst Jahre später flog auf, dass Athen seine wirtschaftliche Schwäche verschleiert hatte.

Die EU-Kommission spielte die Bedeutung der neuen Zahlen aber herunter. «Für uns ändert sich dadurch nichts», sagte ein Sprecher der Kommission auf Anfrage. Entscheidend sei, dass Griechenland an seinen Sparzielen festhalte.

Riesiger Schuldenberg

Die Gesamtschulden Griechenlands liegen bei rund 300 Milliarden Euro. Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben Griechenland für dieses Jahr Hilfen in Höhe von bis zu 45 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Mit der nun nach oben korrigierten Neuverschuldung wird immer wahrscheinlicher, dass Griechenland diese Kredite in Anspruch nehmen muss. Die griechische Regierung hat bereits angekündigt, dass sie dennoch an den bestehenden Sparzielen festhalten will.

Sie will in diesem Jahr das Defizit mit einem drastischen Sparprogramm auf 8,7 Prozent senken. Dafür wären nach den neuesten Daten noch stärkere Anstrengungen erforderlich.

Das stösst aber auf Wiederstand: Am Donnerstag traten die griechischen Beamten erneut in Streik. Es war bereits der vierte Streik im öffentlichen Sektor in diesem Jahr. Er sollte 24 Stunden andauern. Betroffen waren auch Schulen und Gerichte; zahlreiche Touristen standen in der Hauptstadt Athen vor verschlossenen Museen und warteten vergeblich auf Einlass in die Akropolis.

Fast nur Defizitsünder

Das höchste Defizit in der Euro-Zone wies im vergangenen Jahr Irland auf mit 14,3 Prozent des BIP. Im gesamten Währungsgebiet lag die Neuverschuldung bei 6,3 Prozent - mehr als doppelt so hoch wie die erlaubte Obergrenze nach dem Stabilitäts- und Wachstumspakt. Im Vorjahr waren es noch 2,0 Prozent.

Derzeit stecken schon 20 der 27 EU-Staaten in Sanktionsverfahren wegen übermässiger Defizite. Die EU-Kommission räumt ihnen wegen der Krise allerdings mehrere Jahre statt nur ein Jahr Zeit ein, die Staatsfinanzen zu sanieren.

(sda/dapd)

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