Aktualisiert 09.08.2011 18:06

Angeklagter Taxifahrer Griff an Busen nicht erwiesen – Freispruch

Laut Anklage hat ein Limmattaler Taxihalter einer Kundin an den Busen gegriffen. Doch das sei nicht zu beweisen, befand nun das Bezirksgericht Dietikon.

von
Attila Szenogrady

Vor dem Bezirksgericht Dietikon standen am Dienstag zwei Wahrheiten zur Debatte. Die erste Version lieferte die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, die einem heute 55-jährigen Taxichauffeur aus dem Limmattal nicht nur Hausfriedensbruch, sondern auch sexuelle Belästigung anlastete. Demnach hatte der verheiratete Albaner am 16. Juli 2009 als Taxifahrer gearbeitet und am Nachmittag eine rund 50-jährige Schweizerin von Zürich an ihren Wohnort in Oberengstringen transportiert.

Laut Anklage klare sexuelle UebergriffeFreispruch verlangt

Während der Rechtsvertreter der Frau neben einem Schadenersatz von 480 Franken ein Schmerzensgeld von 8000 Franken forderte, verlangte der Verteidiger Stefan La Ragione vor Gericht einen vollen Freispruch. Der Rechtsanwalt verwies auf die Tatsache, dass sich die Geschädigte bereits drei Tag vor dem angeblichen Vorfall vom Angeklagten belästigt gefühlt habe. Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die Frau erneut ausgerechnet zu diesem Taxifahrer eingestiegen sei, plädierte er und sprach von einer frei erfundenen Geschichte. Vor allem im Hinblick auf eine lukrative Genugtuung. Der Beschuldigte selber hatte erklärt, dass er das Glas Wasser ausgetrunken und sich sogleich verabschiedet habe.

Im Zweifel für den Angeklagten

Das Gericht folgte zum Schluss der Verteidigung und kam zu einem vollen Freispruch. Einzelrichter Bruno Amacker machte klar, dass die Belastungen der Geschädigten nicht lebensfremd seien. Trotzdem reichten sie aufgrund der Unschuldsvermutung und einer knappen Beweislage nicht für einen Schuldspruch aus, erklärte Amacker. So seien auch die Aussagen des Chauffeurs nicht jenseits. Deshalb sei er nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten freizusprechen. Dem Beschuldigten wurde eine Prozessentschädigung von 2 800 Franken zugesprochen. Die unterlegene Frau geht dagegen leer aus. Sie kann den umstrittenen Fall jedoch an das Obergericht weiterziehen.

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