12.04.2016 09:49

Schweizer KochbuchGrillen-Salat gefolgt von Mehlwurm-Polenta

Junge Zürcher wollen das weltweit erste Gourmet-Insekten-Kochbuch herausbringen. Am Montag zeigten sie, wie die Gerichte schmecken.

von
ced

Empfangen hat das Start-up Essento am Montag im Zürcher Maison Manesse mit Mehlwurm-Erbsenpaste auf Crackern: Ein Rezept, das es im Kochbuch «Heuschrecken, Grillen & Co.» neben rund 40 weiteren Gerichten zum Nachkochen geben soll – sofern die Druckkosten von 12'000 Franken per Crowdfunding gesammelt werden können.

Co-Autor Christian Bärtsch ist zuversichtlich. Die Hälfte sei bereits zugesagt worden. Geht es nach ihm, wird das 150-seitige Buch mit Kochanleitungen und Hintergrundwissen ab Oktober im Orell Füssli erhältlich sein. «Es wird das weltweit erste Gourmet-Kochbuch für Insektenküche. An den Gerichten haben Spitzenköche getüftelt», sagt der Essento-Mitbegründer und serviert das nächste Häppchen: Ein Couscous-Salat mit gebratenen Grillen.

«Kollegen haben bereits Lieblingsgerichte»

Im Zusammenspiel mit den restlichen Zutaten und den Gewürzen fallen die Grillen geschmacklich kaum auf. Das ist laut Koch und Rezeptautor Adrian Kessler auch das Ziel. Verarbeitete Insekten sollen in herkömmliche Gerichte integriert werden, als alternative Protein- und Geschmacksquelle. Je nach Insekt könnten Geschmäcker von süss und sauer bis salzig kreiert werden.

Anfängliche Skepsis sei normal, sagt Bärtsch: «Als ich das erste Mal für Kollegen Insekten zubereitete, mussten sie sich überwinden. Heute haben sie bereits ihre Lieblingsgerichte und fordern mich auf, diese zu kochen.» Den Ekel vor dem ungewohnten Essen wollen die Autoren mit geschmackvoller Zubereitung und Präsentation bekämpfen – denn schliesslich sei es mit Insekten-Food laut Bärtsch nicht anders wie mit üblichen Gerichten: Das Auge isst mit.

«Insekten sind wie Sushi»

So zum Beispiel beim Heuschreckenspiess-Teriyaki mit Erdnuss-Dip. Den Insekten wurden vor dem Anbraten Beine und Flügel entfernt – geschmacklich salzig und knusprig, vom Aussehen her jedoch noch gewöhnungsbedürftig. Bei der anschliessenden Polenta mit einer Füllung aus Mehlwürmern und getrockneten Tomaten erinnert hingegen bloss noch der Name an Insekten. Die Würmer wurden zuvor zerkleinert und sind nicht mehr als solche zu erkennen.

Ob diese Speisen bald in Schweizer Restaurants erhältlich sein werden? Ja, glaubt Bärtsch. «Meine Grosseltern konnten sich auch nicht vorstellen, irgendwann einmal rohen Fisch zu essen – und heute gibt es überall Sushi.» Selbiges erhofft man sich vom Insekten-Food. Anfang 2017 wird der Bund vorraussichtlich den Handel mit einzelnen Insekten legalisieren: Es sind dies Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer.

Vom 4. April bis 4. Mai sammelt Essento über die Crowdfundingplattform Wemakeit.com Geld, um den Druck des Buches finanzieren zu können. Für Unterstützer winken Goodies wie das Kochbuch, ein privates Insektendinner, ein Kochbuchpaket oder ein Insektenkochkurs in Wien.

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