Umweltfreundlich: Grillieren mit den Kaffeesatz-Briketts
Aktualisiert

UmweltfreundlichGrillieren mit den Kaffeesatz-Briketts

Dass in verbrauchtem Kaffeesatz Energie steckt, ist bekannt. Dass man das verbauchte Pulver aber zum Grillieren nutzen kann, ist neu.

von
Martina Keller-Ullrich
sda

Sanft schmurgeln Fleisch und Würste auf dem Grill, die Glut strahlt gleichmässige Wärme ab. Ein ganz gewöhnlicher Sommerabend also? Nicht ganz, denn als Brennstoff für die Zubereitung dieses Abendessens dienen nicht Holz, Gas oder Grillkohle sondern Kaffeesatz.

Denn in dem schwarzen Pulver steckt jede Menge Energie, die bislang ungenutzt blieb. Nun hat ein junges Unternehmen aus Schaffhausen den wertvollen Grundstoff für sich entdeckt und einen neuartigen Brennstoff daraus entwickelt. Unter dem Namen «Ecofuego» vertreibt die «3R Company» Briketts und Pellets für Cheminées und Holzheizungen sowie eine spezielle «Grillkohle».

Auch wenn es vielleicht nahe läge, die Idee dazu ist nicht in feucht-fröhlicher Runde am Lagerfeuer entstanden. Sie war vielmehr das Ergebnis eines Projekts von Physiker Harald Jenny in Zusammenarbeit mit der Axpo.

Energie aus Abfall nutzen

Gesucht wurden dabei «Energieträger der zweiten Generation», erklärt Jenny, der als selbstständiger Projektentwickler arbeitet. Das ist nichts anderes als eine vornehme Umschreibung für energiereichen Abfall. Zusätzliche Herausforderung an den gesuchten Brennstoff: er sollte CO2-neutral sein.

Kaffeesatz war wegen seines hohen Energiegehalts einer der vielversprechenden Kandidaten. Weil er sich jedoch wegen der verhältnismässig geringen Menge für die Stromproduktion nicht lohnt, hat die Axpo das Projekt nicht weiterverfolgt. Jenny trieb die Entwicklung jedoch alleine weiter.

Seine erste Idee war die Herstellung von Briketts zum Heizen. Gemeinsam mit dem Nachbarn experimentierte er gleichzeitig auch an einer neuartigen «Grillkohle». Weil Kaffeesatz alleine zu bröselig ist und sich nicht zu festen Briketts pressen lässt, enthält «Ecofuego» einen rein pflanzlichen Zusatzstoff, der in der Schweiz auf Ausgleichsflächen angebaut wird.

Die Grillkohle erhält zusätzlich einen leichten Stearin-Überzug, damit sie sich leicht anzünden lässt. Nachdem das Produkt solch konkrete Formen angenommen hatte, entschied Projektentwickler Harald Jenny, dafür ein eigenes Unternehmen zu gründen, die 3R Company. 3R steht dabei für reduce (reduzieren), recycle und reuse (wiederverwenden).

Hoher Heizwert

Geliefert wird der wertvolle Rohstoff von einem Kapselhersteller, der den Kaffeesatz sonst kompostieren müsste. Die Herstellung von Brennmaterial aus dem Abfallprodukt hat gleich zwei Vorteile: zum einen schafft sie einen CO2-neutralen Energieträger, zum anderen reduziert sie Abfall.

Ausserdem haben die Kaffeesatz-Briketts einen bis zu dreimal höheren Heizwert als waldfrisches Naturholz und produzieren bei der Verbrennung deutlich weniger Feinstaub und flüchtige Schadstoffe als Holz und Holzprodukte. Nach Kaffee riecht das neuartige Brennmaterial übrigens nicht, so dass der Geschmack des Grillguts nicht beeinträchtigt wird.

Verkauft wird «Ecofuego» zurzeit nur in der Region Schaffhausen oder über das Internet. Die Vertriebskanäle sollen aber zügig ausgebaut werden, erklärt Harald Jenny. Die notwendige Menge zu produzieren, sei kein Problem.

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