Aschewolke weg: Grimsvötn gibt wieder Ruhe
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Aschewolke wegGrimsvötn gibt wieder Ruhe

Flugpassagiere müssen sich voraussichtlich nicht auf ein zweites Aschewolke-Chaos gefasst machen: Der Vulkan Grimsvötn spuckt keine weitere Asche mehr in die Atmosphäre.

Die Flughäfen und Fluggesellschaften in Europa machten sich bereits auf das Schlimmste gefasst: Eine tagelange Sperrung des europäischen Luftraumes wie vor einem Jahr, als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach.

Die Eruption des Grimsvötn geht aller Voraussicht nach aber glimpflicher aus. Das Meteorologische Institut in Reykjavik meldete am Mittwochmittag, dass aus dem Vulkan, der unter dem grössten Gletscher von Island liegt, nur noch eine «sehr, sehr dünne» Rauchsäule aufsteige. Asche spucke er keine mehr aus.

Der Betrieb der am Morgen gesperrten deutschen Flughäfen Hamburg, Berlin, Bremen, Rostock und Lübeck konnte in den Stunden darauf wieder aufgenommen werden. Die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol stellte zudem in Aussicht, dass sich der Flugverkehr in Europa bis (morgen) Donnerstag «vollständig normalisiert».

Gemäss Eurocontrol bewegte sich die Wolke am Nachmittag in Richtung Osten, also nach Polen. Flughäfen mussten dort aber keine geschlossen werden. Die Schweiz dürfte von der Aschewolke voraussichtlich verschont bleiben. Laut Meteoschweiz stellte das Laser-Messgerät «Lidar», stationiert in Payerne VD, keine Partikel fest.

Über 600 Swiss-Passagiere betroffen

Europaweit mussten am Dienstag und Mittwoch über 1000 Flüge abgesagt werden. Gestrandete Passagiere mussten in den Wartehallen ausharren oder auf Bahn oder Auto ausweichen. Alleine am Flughafen Hamburg waren es 20'000, die ungewollt am Boden blieben. Dort war der Flugbetrieb am Morgen gar nicht erst aufgenommen worden.

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss musste sechs Verbindungen streichen, wovon über 600 Passagiere betroffen waren. Die Swiss- Flüge nach Kalifornien hatten zudem über eine Stunde Verspätung, weil die Flugroute noch weiter nach Süden gelegt werden musste als in den vergangenen Tagen.

Im Rückblick ist die Swiss erleichtert darüber, dass der Vulkanausbruch vergleichsweise geringe Auswirkungen hatte. Die Zahl der Annullationen sei zum Glück nicht sehr hoch ausgefallen, sagte ein Sprecher auf Anfrage der SDA. Sie entspreche in etwa einem Streiktag in einem europäischen Land.

«Starker Nebel oder Schneefall sind für uns schlimmer», sagte er weiter. Neu war das Ereignis für die Swiss zudem auch nicht. Beim Vulkanausbruch im letzten Jahr habe man viele Erfahrungen sammeln können. Von diesen Erfahrungen habe man nun profitiert.

Insgesamt hatte der Ausbruch des Vulkans Grimsvötn zu Flugverkehrs-Behinderungen in Island, Deutschland, Norwegen, Dänemark, Irland, Schottland und England geführt.

Nach dem Ausbruch ist vor dem Ausbruch

Am Meteorologischen Institut von Reykjavik rechnet man nicht damit, dass der Vulkan Grimsvötn wieder aktiv wird. Ein Wiederaufleben des Ausbruchs mit neuem Flugasche-Ausstoss sei «sehr unwahrscheinlich», sagte der Geophysiker Gunnar Gudmundsson.

Kaum zeichnet sich ein Ende des Vulkanausbruchs am Grimsvötn ab, stellen sich die Isländer jedoch auf den nächsten Vorfall ein. «Es wird schon lange ein Ausbruch des Hekla erwartet. Der kann morgen kommen oder in ein paar Monaten oder in einigen Jahren.»

Wie der Grimsvötn gehört auch der Hekla zu den aktivsten der über 30 Vulkanen auf Island. Der zuletzt fast in jedem Jahrzehnt einmal ausgebrochene Hekla im Süden des Landes sei «im Prinzip schon bereit» für eine neue Eruption. (sda)

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