Aktualisiert 18.04.2014 17:44

«Rundschau»Gripen-Beitrag ist Fall für den Ombudsmann

Heftige Reaktionen auf Gripen-Beitrag: Ungewöhnlich viele Beanstandungen sind nach dem Ausraster von Ueli Maurer bei der SRG-Ombudsstelle eingegangen.

Bundesrat Ueli Maurer kanzelte den Beitrag über die Gripen als einseitig, tendenziös und als schwache journalistische Leistung ab.

Bundesrat Ueli Maurer kanzelte den Beitrag über die Gripen als einseitig, tendenziös und als schwache journalistische Leistung ab.

Der Beitrag der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SRF zum Kampfjet Gripen vom Mittwoch hat bei den Kampfjet-Befürwortern heftige Reaktionen ausgelöst. Bei der SRG-Ombudsstelle trafen bereits kurz darauf acht Beanstandungen ein. Das seien ungewöhnlich viele am Tag eins nach einer Sendung, sagte Ombudsmann Achille Casanova der «Neuen Luzerner Zeitung».

Die Fernsehzuschauer geisselten darin den «Rundschau«-Beitrag als reine Anti-Gripen-Propaganda. Besonders schlecht sei der Vergleich mit der Luftwaffe von anderen europäischen Ländern angekommen bei jenen, die den Bericht beanstanden. Casanovas schriftliche Bestätigung lag am Freitag auch der Nachrichtenagentur sda vor.

Fokus auf Österreich

Das Politmagazin des Deutschschweizer Fernsehens hatte die Schweizer Flotte mit jener von Österreich, Tschechien und Ungarn verglichen, weil alle drei Länder eine mit der Schweiz vergleichbare Grösse haben. Österreichs Flotte besteht aus 15 Eurofightern, jene von Tschechien und Ungarn aus je 14 geleasten Gripen. Der Schwerpunkt des Berichts lag auf Österreich.

Zu Wort kamen in dem Beitrag ein Testpilot der Schweizer Luftwaffe, der Chef der österreichischen Luftwaffe und ein deutscher Rüstungsexperte. Letzterer kritisierte die Gripen-Beschaffung als zu teuer und unnötig.

Maurer schäumte

Anschliessend strahlte die «Rundschau» ein Interview mit Verteidigungsminister Ueli Maurer aus, worin dieser den Beitrag als einseitig, tendenziös und schwache journalistische Leistung abkanzelte.

«Ich finde das relativ tendenziös für ein Fernsehen, das von öffentlichen Geldern lebt», sagte Maurer. Die Sendung habe nur Länder herangezogen zum Vergleich, die über weniger Kampfjets verfügten, nicht jedoch Länder wie Belgien oder die Niederlande, die weit mehr Flugzeuge besässen.

Die «Rundschau» erklärte zu diesem Vorwurf, man habe den Fokus auf Österreich gelegt, weil es ein Nachbarland sei, es ebenfalls nicht der westlichen Militärallianz NATO angehöre und auch Sicherheitsexperten die Schweiz und Österreich miteinander vergleichen würden.

Einen Monat vor der Abstimmung

Das Stimmvolk entscheidet in einem Monat, am 18. Mai, indirekt über den Kauf von 22 Gripen-Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab. Zur Abstimmung vorgelegt wird mit dem Gripen-Fonds-Gesetz die Finanzierung des Kaufs.

Die Ombudsstelle der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wiederum wird die Beteiligten spätestens 40 Tage nach Eintreffen der Beschwerden über ihre Schlussfolgerungen und Empfehlungen informieren. Entscheidungs- oder Weisungsbefugnis hat Ombudsmann Casanova aber nicht. (sda)

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