Aktualisiert 30.11.2011 17:35

Nachfolger des Tigers

«Gripen ist beste Lösung für die gesamte Armee»

Der Bundesrat will den kostengünstigen Kampfjet Gripen kaufen. Die Schweiz braucht laut Bundesrat Maurer nicht das höchste Niveau. Um den Kauf zu finanzieren, will die Regierung sparen.

von
Lukas Mäder, Bern

Der Gripen hat das Rennen um den Ersatz der veralteten Tiger-Flotte gewonnen. Rund zwei Monate nach dem Ja des Parlaments zum Kauf neuer Kampfjets, hat sich der Bundesrat am Donnerstag für den Kauf dieses Typs entschieden. Das Flugzeug des schwedischen Herstellers Saab erfülle die militärischen Anforderungen und biete das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis, sagte Verteidigungsminister Ueli Maurer vor den Medien in Bern. Die Schweizer Armee orientiere sich nicht am absolut höchsten Niveau in Europa. «Wir wählen ein Flugzeug, dass exakt unseren Anforderungen entspricht.»

Der Gripen sei nicht nur beim Kauf deutlich billiger als die zwei anderen getesteten Flugzeugtypen, sondern auch in Betrieb und Unterhalt. Für die Beschaffung der 22 Jets rechnet der Bundesrat mit rund 3,1 Milliarden Franken. Die Lebenswegkosten sind laut Maurer jeweils ungefähr nochmals gleich hoch wie der Kaufpreis. Der Bund verhandle die genauen Modalitäten der Zahlungen derzeit mit dem Hersteller. Eigentlich sei es üblich, ein Drittel des Kaufpreises bei der Bestellung zu begleichen, den Rest bei der Lieferung. Es gebe von Saab jedoch Zeichen für ein Entgegenkommen. Die ersten Jets könnten laut Maurer 2015 eintreffen, die letzten zwei bis drei Jahre später.

Gripen soll schlechter abgeschnitten haben

Mit dem Entscheid des Bundesrats sticht der Gripen seine zwei Konkurrenten, den Eurofighter sowie den Rafale, aus. Die Armasuisse hatte diese drei Typen zuvor evaluiert. Laut Indiskretionen hatte dabei der Gripen am schlechtesten abgeschnitten und sogar das Level des heutigen Kampfjets F/A-18 unterschritten. Maurer wollte sich dazu nicht äussern, da die Ergebnisse der Evaluation vertraulich seien. Keine Details gabs auch zur Preisdifferenz des Gripens zu seinen Konkurrenten. Diese sei jedoch «wesentlich» gewesen.

Der im Vergleich zu den anderen Modellen tieferen Preis komme auch der Gesamtarmee zugute. «Dieser Typ bindet nicht alle finanziellen Mittel, die uns zur Verfügung stehen», sagte der Verteidigungsminister. Der Gripen sei für die gesamte Armee die beste Lösung. Deshalb sei Entscheid für diesen Flugzeugtyp in der Armeeführung auch einstimmig gefallen. Mit dem Gripen als zweckmässige Lösung habe der Bundesrat zudem die Messlatte für weitere Beschaffungen der Armee festgelegt, sagte Maurer. «Wir können uns nicht immer das Beste vom Besten leisten.»

Einsparungen nötig

Doch auch wenn nun feststeht, welchen Kampfjet der Bund kaufen will, ist die Anschaffung noch keineswegs sicher. Der Bundesrat will die neuen Kampfjets über das ordentliche Budget finanzieren. Mitte nächstes Jahr will er zusammen mit dem Rüstungsprogramm dem Parlament auch ein Sparprogramm vorlegen. Damit sollen die Kosten für die Jet-Beschaffung im ordentlichen Budget kompensiert werden. Bis Ende 2012 soll das Geschäft vom Parlament verabschiedet sein. Mit der Finanzierung über Einsparungen sind andere Modelle wie das einer Sonderfinanzierung oder einer Steuererhöhung, die ebenfalls geprüft wurden, vom Tisch.

Dass die Kampfjet-Beschaffung im Parlament noch zu reden geben wird, ist für Maurer klar, wie er vor den Medien in Bern sagte. Dies obwohl das Parlament im September den Bundesrat beauftragt hatte, die Kampfjets möglichst bald zu beschaffen. Die Regierung wollte den Kauf um einige Jahre aufschieben. Das letzte Wort zum Kauf dürfte allerdings sowieso das Volk haben. Linke Kreise haben bereits eine Volksinitiative angekündigt, die den Kauf neuer Kampfjets für einige Jahre verbieten soll.

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