Zusammenhang aber noch unklar: Grippe-Geimpfte bekommen seltener Covid-19
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Zusammenhang aber noch unklarGrippe-Geimpfte bekommen seltener Covid-19

Bisher war es nur eine Vermutung, jetzt zeigen gleich zwei Studien: Die Grippeimpfung scheint sich positiv auf das Covid-19-Risiko auszuwirken.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Gut ein Jahr nach Beginn der Pandemie sind bereits mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 zugelassen. 

Gut ein Jahr nach Beginn der Pandemie sind bereits mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 zugelassen.

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Doch nicht nur die speziell gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelten Vakzine scheinen gegen den Erreger zu schützen. 

Doch nicht nur die speziell gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelten Vakzine scheinen gegen den Erreger zu schützen.

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Gleich zwei Forscherteams berichten, dass Personen, die gegen Grippe geimpft sind, seltener an Covid-19 erkranken als Personen ohne Influenzaschutz. Zudem sind die Verläufe milder.

Gleich zwei Forscherteams berichten, dass Personen, die gegen Grippe geimpft sind, seltener an Covid-19 erkranken als Personen ohne Influenzaschutz. Zudem sind die Verläufe milder.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Hinweise, dass Grippeimpfungen auch gegen Covid-19 wirken, häufen sich.

  • Nun deuten auch die Erkenntnisse zweier Forschungsteams aus Italien und den USA auf einen Zusammenhang hin.

  • Der finale Nachweis steht zwar noch immer aus, aber es gibt Grund zur Hoffnung.

Noch nie war die Grippeimpfung so stark nachgefragt wie im Jahr 2020, als das Coronavirus plötzlich auf die Bildfläche trat. Bereits im Frühjahr regten erste Experten an, sich immunisieren zu lassen, um die Spitäler zu entlasten. Die Schweizerinnen und Schweizer folgten dem Ruf. Im Herbst dann wurde der Impfstoff knapp.

Dass das Grippe-Vakzin nicht nur vor der Influenza schützt und die Geimpften so vor einer Doppelinfektion mit Grippe- und Coronavirus bewahrt, sondern wohl auch das Covid-19-Risiko reduziert, zeigen nun zwei Studien. Zudem scheinen die Personen, die dennoch erkranken, weniger schwere Verläufe zu haben. Zu diesem Schluss kommen zwei wissenschaftliche Teams.

Weniger Erkrankungen, weniger schwere Verläufe

Die Gruppe um Sara De Matteis von der Universität Cagliari in Italien hat für ihre im Fachjournal «Preventive Medicine» veröffentlichte Studie medizinische Daten aus 20 italienischen Regionen ausgewertet, um mehr über den Einfluss der Grippeimpfung auf Corona-Infektionen bei Älteren herauszufinden. Dabei zeigte sich, dass die Grippe-Immunisierung einen positiven Einfluss auf die Inzidenz und den Schweregrad von Corona-Infektionen bei Personen ab 65 Jahren zu haben scheint. Sie erkrankten also seltener und wenn, weniger schwer.

Worauf das zurückzuführen ist, können die Forschenden nicht sagen. Die Ergebnisse «beweisen nicht, dass die Grippeimpfung das Auftreten von Covid-19 durch Induktion von Antikörpern gegen gemeinsame spezifische Antigene verhindern würde.» Möglich sei auch, dass andere Faktoren die Beobachtungen erklären: «Da die Grippeimpfung eine persönliche Entscheidung ist, wäre es auch möglich, dass die daraus resultierenden Vorteile gegen andere Infektionen aus einem allgemein gesünderen Lebensstil der Personen resultieren, die sich für die Impfung entschieden haben.»

Deutlich reduziertes Risiko

Das Team um Carmel Shmuel Ashur von der University of Michigan analysierte indes die Patientendaten von 27’201 Menschen aus dem US-Bundesstaat Michigan, die bis zum 15. Juli 2020 einen Corona-Test gemacht hatten.

Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, positiv auf Covid-19 getestet zu werden, war bei den gegen Grippe geimpften Frauen und Männern um 24 Prozent geringer als bei denjenigen ohne Grippeschutz. Doch auch die Personen, die trotz Influenza-Impfung positiv getestet wurden, profitierten: Sie mussten seltener ins Spital eingeliefert oder mechanisch beatmet werden, heisst es im «American Journal of Infection Control». Ausserdem konnten sie das Krankenhaus schneller wieder verlassen. Bei der Sterblichkeit gab es allerdings bei den beiden Vergleichsgruppen keine signifikanten Unterschiede.

Ursache oder Zufall?

Einen Freifahrtschein liefert auch diese Studie nicht: Wie bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern muss auch der von den US-Forschenden beobachtete Effekt nicht unbedingt auf die Impfung zurückzuführen sein. Es ist also unklar, ob zwischen der Impfung und Covid-19 eine Kausalität oder bloss eine Korrelation besteht.

Allerdings gibt es zwei Hinweise, die gegen eine Korrelation sprechen: So erleiden ältere Menschen typischerweise schwerere Covid-19-Verläufe. Das war bei den gegen Grippe geimpften Senioren in der Michigan-Studie nicht der Fall. Zudem deutete im vergangenen Jahr eine noch nicht von externen Fachleuten begutachtete Studie auf eine immunologische Erklärung hin: Unter niederländischen Spitalmitarbeitern, die im Winter 2019/2020 eine Grippeimpfung erhalten hatten, trat Covid-19 deutlich seltener auf als unter jenen, die nicht geimpft waren. Und das bei ansonsten sehr ähnlichen Bedingungen: Alle Krankenhausmitarbeiter waren jünger als 70 Jahre, berufstätig und hatten entsprechend viele Kontaktbegegnungen.

In-vitro-Untersuchungen von Forschenden aus Düsseldorf haben zudem gezeigt, «dass der vierwertige inaktivierte Grippeimpfstoff, der in den Niederlanden in der Grippesaison 2019/2020 eingesetzt wurde, eine trainierte Immunantwort induzieren kann.»

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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